French Consession

Freitagabend 22-AUG-2014
Essen mit Kollegen im French Concession. Es überraschte nicht, dass das Restaurant der Wahl im Lonely Planet aufgeführt ist. Ich war skeptisch, denn zum einen war es ein japanisches Restaurant – warum in China japanisch essen wenn die chinesische Küche mir noch so viel Neues bieten kann? Zum anderen war das Lokal gehobenere Preiskategorie als meine sonstigen Essensgelegenheiten.
Der Nobelschuppen heißt Kagen und serviert Tepanaki – Bei dieser Art japanischen Essens bereitet der Koch bzw. Grillmeister auf heißer Platte die Speisen direkt am Tisch der Gäste zu. Das war nett anzusehen und vor allem köstlich. Trotz meiner Skepsis empfehlenswert und an jenem Abend ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis.

In jener Nacht habe ich gelernt, dass die Metro nur bis knapp 23Uhr fährt.
So konnte ich einen nächtlichen Verdauungsspaziergang durch das French Consession zurück zu meiner Unterkunft unternehmen. Das Viertel hatte mich bisher nie sonderlich interessiert. Ist zwar das dickste Kapital im Lonely Planet – hat aber de facto kaum Attraktionen keine tatsächlichen Sehenswürdigkeiten. Abgesehen von den Backsteinhäusern aus den 1920/30ern (genannt Shikumen) und den labyrinth-gleichen, engen Gassen zwischen jenen Hauserzügen. In zwei Bereichen wurden diese Wohnviertel in kleine Shoppingstraßen umgebaut. Tizianfang und Xintiandi – beide vollgestopft mit Designerbotiquen, Nobelschuppen, hippen Cafes, Restaurants, Bars, Einkaufsmöglichkeiten, gehobenen und ausgefallenen Souvenirshops und sonstigen chicen Läden die sinn- und nutzwertbefreite Gegenstände verkaufen. Wie überhaupt das restliche French Consession voll davon ist. Also der Stadtteil wo Hipster aller Nationen auf vielen Wegen Geld auf den Kopf hauen können. Erst recht auf der breiten Huaihai Lu, der mehrspurigen Verkehrsader an der riesige Designer malls stehen.

Nachtspaziergang durchs French Consession - Typisches Geschäft

Nachtspaziergang durchs French Consession – Typisches Geschäft

Samstagmittag 23-AUG-2014
Nach der zweiten Tempeltour habe ich wieder einen Abstecher ins French Concession unternommen. Zum einen um die wenigen Sehenswürdigkeiten dort abzuhaken, zum anderen um vielleicht noch eine kleine Stärkung abzugreifen bevor es mich vielleicht um die Mittagszeit in ein Museum zieht.
Das Backsteinhaus in dem Mao lebte steht als Museum nicht unweit einer Foodstreet.
Die ‘Wujian Leisure Street’ war allerdings enttäuschend für mich. Nur Cafes und Restaurants die schick konform der Noblesse des restlichen French Consessions angepasst sind. Auch Mao mochte wahrscheinlich nicht , dass ich als Stärkung vorher japanische Tintenfischbällchen gegessen habe. Zum einen war sein Museum geschlossen, zum anderen brach ein heftiges Gewitter los, was mich erstmal unter dem Vordach eines Straßenladens festhielt.  Der Regenschirm lag brav im Hotelzimmer. Nach 2 Tagen mit trockenen Füße und ohne Regen hatte ich nun wieder einen Nachmittag mit durchweichten Schuhen.

Maos Haus

Maos Haus

Erhaltenes Backsteinviertel

Erhaltenes Backsteinviertel

Alltag in den erhaltenen Backsteinvierteln

Alltag in den  Backsteinvierteln – Toller Kontrast von Hinterhofromantik und Wolkenkratzerdominanz

Nachmittags habe ich mir im French Concession den/die/das Tianzifang anzusehen. Das ist eine kleines Labyrinth innerhalb der Gassen zwischen den erhaltenen nd konservierte staurierten Shikumenhäusern.
Shikumen ist die Fusion aus Backsteinhäusern europäischen Baustils mit chinesischen Elementen. Populär geworden in 1920ern 1930ern mit florierender Wirtschaft und Bevölkerungsexplosion in Shanghai. Mehrere Familien lebten hier auf engem aber finanzierbarem Raum.
Im Gegensatz zu anderen alten Wohngebieten werden diese Gebäude im French Consession ganz besonders konserviert – quasi Denkmalschutz auf shanghainesisch.

Sonntag 24-AUG-2014
Weiterbildung im Shanghai Urban Planning and Exhibition Center (kurz: SUPEC). Hier gibt es ganz interessante Ausstellungen über die Geschichte der Stadt, die vergangene und zukünftige Stadtentwicklung.
Es gibt auch ein Stadtmodell, diverse Simulatoren und meiner Meinung nach ziemlich viel PR…

… und seltsamerweise hat mich das French Consession wieder angezogen. Nach meinem verspäteten aber abenteuerlichen Mittagessen bei wo jia cantina bin ich Richtung French Consession spaziert um den zweiten Gassenmarkt im French Consession anzusehen: Xintiandi
Im Vergleich zu Tianzifang bietet Xintiandi mehr Raum zwischen den Shikumenhäusern; damit auch mehr Raum für Cafes, Bars, Boutiquen… also für mich nicht so anziehend. Zumindest habe ich auf dem Weg zurück die Straßenzüge auf die ich von meinem Balkon aus blicken kann auch von unten gesehen.

Ein seltsames Wochenende. Mein Fazit zum French Consession: Been there, seen it, let’s move on ;-)

“Characteristics SanHuangJi” – Unfreiwilliges Auseinandersetzen mit veterinärer Anatomie

Die chinesische Küche ist super! Wenn da nicht eine Sache wäre: Zerlegen ist nicht Angelegenheit des Kochs, sondern des Essers.

Viele chinesiche Gerichte haben das Merkmal, dass im Prinzip alles zusammen gekocht wird. Man trennt nicht Fleisch/Fisch von Knochen, Knorpel oder Gräten. Bei vielen Gerichten werden Knochen, Knorpel, Gräten, Chitinpanzer, Muschelschale, etc. mitserviert. Im Prinzip wird das Gargut am Stück zubereitet und vor dem Verzehr nur grob in mundgerechte Stücke zerhackt. z.B. halbes Hähnchen oder Hähnchenkeule wird in Stücke gehackt -> komplett mit Knochen und Knorpel :-/

Wie isst man also solche Stückchen die noch an Knochen und Knorpel hängen, ohne Messer und Gabel zur Hilfe nehmen zu können*? Folgende Optionen: Mitessen, auspucken, oder die für mich noch unbeherrschte Kunst die Stücken am Knochen/Knorpel mit den Essstäbchen zu greifen und dann das Fleisch vom Knochen/Knorbel abzukauen, während dieser weiterhin mit den Essstäbchen gehalten wird. – Eating like a (chinese) boss
Rumkatscheln, Nagen, Schlabbern und Abschlürfen gehört hier zum guten Ton bei Tisch ;-)

In der Anfangszeit habe ich im Restaurant diese Tatsache vergessen und mir ein Gericht mit Namen “Griddle Cooked Chicken with Pepper” bestellt. Ich hoffte auf etwas weniger fettiges Fleisch, weil gekocht und nicht gebraten. Leider hätte ich besser auf das Bild achten müssen. Bekommen habe ich eine sehr appetitlich aussehenden, köchelnden Pfanne gefüllt mit Paprika, Selleri, Chili, Zwiebeln … und dummerweise lauter knochige und knorplige Geflügelstücke … naja, wieder dazugelernt; beim nächsten Mal genauer hinzusehen.

Die Geflügelpfanne entpuppt sich als ...

Die Hühnerpfanne entpuppt sich als …

... Pfanne voller Geflügelknochen und -knorpel

… Pfanne voller Hühnerknochen und -knorpel

Laut meinen chinesischen Kollegen, kocht man die Stücke im ganzen, damit der beliebte Geschmack der in Knorpel und Knochen steckt auch in das Gericht übergeht. Meine Antwort: Klar, machen wir in Europa auch. Nur lösen wir dann das Fleisch vom Knochen. Darauf die esotherisch klingede Antwort meiner Kollegen: Der gute Geschmack wird erst aufgenommen, wenn man Knochen/Knorpel mit zum Mund führen kann. So albern ich die Antwort fand, ich habe gerätselt, ob sie es ernst meinten oder nur nach Argumenten suchten …

Gekochtes Hühnerbein habe ich mittlerweile selbst probiert. Es war keine große Überraschung: Kein Eigengeschmack und es besteht nur aus Knochen und hartem Knorpel. Dementsprechend habe ich nicht viel vom Bein essen können, als ein paar Fetzen der schrumpligen Außenhaut.

Also meide ich im Restaurant die Geflügelgerichte (und die Schweinegerichte ohnehin)  …

Neulich war ich mittags in der Huanghe Lu – der “Food-Street” nahe des People’S Square. Die 0815-Restaurants mit netten Fotos in der Speisekarte – aber eher region-unspezifischen Gerichten hatte ich über. Ich wollte die Küche Shanghais erkunden und bin deshalb in ein Restaurant, dass eher nach lokaler Küche aussah, aber zumindest englische Übersetzung neben den Chinesischen Zeichen hatte. In dem Bereich des angeschlagenen Menus wo typische Shanghai Dumplings und Shrimps standen, folgte noch ein Gericht “Characteristics SanHuangJi” – Mein Gedankengang: Da stehen Dumplings, da stehen Shrimps – mag ich beides, also warum nicht eine typische Spezialität ausprobieren?

Toller Gedankengang – ging nur in die falsche Richtung, denn was mir dann unheimlich zügig serviert wurde war Folgendes:

San Huang Jí

San Huang Jí …

Ein durchgegartes, aber schon kaltes, kleines, halbes Hähnchen; am Stück in Längststreifen gehackt. Ich habe jene Überraschung sportlich genommen :-)

Eine weitere Speziälität aus Shanghai, die ich probiert habe – wenn auch unfreiwillig …

.. ich habe es sportlich genommen

.. ich habe es sportlich genommen

 

* Wer es noch nicht weiß, in China wird mit Essstäbchen gegessen – maximal kriegt man noch einen Löffel

Fortsetzung der Tempeltour – Wo die Münzen klimpern … in vielfacher Deutung

Samstag 23-Aug-2014
Morgens habe ich den vom Lonely Planet empfohlenen Jade Buddha Tempel besucht. Dieser Tempel gehört zu den größeren und auch wieder kommerzielleren. Neben den vielen Gläubigen schlenderten mehr Touristen herum als in den Tempeln die ich letztes Wochenende betrat. Den Hype um den Tempel verstehe ich nicht. Effekt von Reiseführerempfehlungen?

In Shanghai sind Leute ohnehin schon früh unterwegs um die relative Frische zu nutzen. Selbst kurz nach Toröffnung war schon großer Andrang an Gläubigen. Sie beteten wippend, nebelten deb Innenhof mit bündelweise aufgebahrten Raucherstäbchen ein oder versuchten Münzen in meterehohe “Gebetsgefäße” zu werfen. Letzteres ist nicht ganz so einfach, weil man die kleinen Öffnungen in ca. 2 M Höhe treffen muss.  Den meisten gelangen nur Fehlwürfe, was man auch ohne Hinzusehen an der hell klimpernden Geräuschkulisse wahrnehmen konnte.
Das ist ein bleibender Eindruck, den ich noch Stunden später hatte: Derbes Münzenklimpern und der Duft von Räucherstäbchen.

Jade Buddha Tempel - Patio

Jade Buddha Tempel – Patio

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Jade Buddha Tempel – Die Hauptattraktion: Überlebensgroße Siddhartha-Figur aus Jadegestein

Die Hauptattraktion im Jade Buddha Tempel ist – wie der Name schon sagt – eine überlebensgroße Buddha Figur aus Jadegestein. Dieses Siddharta -Bildnis sitzt in einem abgetrennten, wohlklimatisierten Raum und wartet auf zahlende Besucher, denn ein Blick auf jene Jadefigur ist nicht im Eintrittspreis für den Tempel enthalten, sondern wird getrennt mit weiteren ¥10 aufgeschlagen. Der weitere Eintritt lohnt sich allerdings. Zum einen weil die gebetsmühlenartig surrende Klimaanlage eine willkommene Abkühlung zur schwülen Stadtluft bietet, zum anderen findwt man in dwn Gängen zu diesem Raum einige filigrane Schnitzereien aus Baumstämmen und detailreichen Altarschmuck aus Edelmetallen.
Den weiteren Vormittag erlebte ich einen Lebensmittelmarkt und verlegte zum Jing’an Tempel.

Dieser Tempel wurde über mehrere Jahre restauriert und ist scheinbar erst seit kurzem wieder komplett geöffnet. Der Eintrittspreis aus dem Lonely Planet ist bereits veraltet. Das liegt vielleicht daran, dass nach abgeschlossener Restauration wahrscheinlich eine Geldspritze nötig ist.

Goldene Pagodendächer strahlen in der Sonne (soweit die Sonne zwischen den Kondenswolken bzw. der Smogschicht hervorlugte). Die um den Tempel Szenerie könnte kaum grotesker und kontrastreicher sein: Direkt neben einer Einkaufshalle für Luxus-Marken, bedrängt von meterhohen Reklamefassaden und umringt von Hochhäusern steht die Tempelanlage. Ein Ort der für Besinnung, Gebet und Meditation gebaut wurde, ist nun eingekesselt von mehrspurigen Hauptverkehrsadern und hat Gesellschaft von modernen Konsum- und Wirtschaftstempeln erhalten.

v.l.n.r: Jing'an Tempel (vorne links), Wirtschaftstempel (hinten mittig), Konsumtempel (vorne rechts)

v.l.n.r: Jing’an Tempel (vorne links), Wirtschaftstempel (hinten mittig), Konsumtempel (vorne rechts)

Da der Tempel auch Berühmtheit erlangt hat, wirkte er auf mich ebenfalls touristischer und kommerzieller, als alle die ich bisher besucht habe. Der Jade Buddha Tempel wirbt mit seiner Jadefigur als Touristenmagnet. Auch der Jing’an wirkte auf mich nicht mehr wie eine rein religiöse Stätte, sondern auch als Anzugspunkt für Besucher. Zwischen den mit Räucherstäbchen wedelnden und Opfermünzen klimpernden Gläubigen wanderten mehr und mehr Touristen, als ich es in vorigen Tempeln wahrgenommen habe. Nicht nur für westliche Toursiten, auch viele Asiaten ziehen mit klickenden und blendengeräuschsimulierenden “Smartphones/Tablets” durch den Patio und die Maueraufgänge. .

Zugegeben, die Kulisse, das Ambiente, die im Sonnenlicht gleißende, restaurierte Goldbeschlag sind tolle Fotomotive.

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Essen in China – Typisch China / Typisch Shànghǎi

Ein ganz typischer chinesischer Snack sind Jiaozi: gedämpfte, gekochte oder gebratene Teigtaschen in unzähligen Varianten – quasi chinesisches Fast Food, das zu jeder Tageszeit gegessen wird; am häufigsten jedoch vormittags bzw. zum Frühstück (das Fast Food der shànghǎier Mittelschicht auf dem Weg zur Arbeit).

Probiert habe ich die Shànghǎi-spezifischen Teigtaschen bereits an meinem ersten Wochenende. Direkt in einer Seitenstraße köchelte eine Matrone Nudeln und wälzte Teigtaschen in einer großen Bratpfanne. Ich war zuerst skeptisch, doch nach kurzem Fingerabzählen wie viele es sein sollen und zu welchem Preis, stand meine erste Portion original Shànghǎi-Teigtaschen in einer rostige Schüssel vor mir. Für chinesische Verhältnisse war jene familiengeführte Straßenküche recht sauber – in Deutschland würde ein Ordnungsbeamter nicht mal über die Schwelle treten, sondern punktum dem Laden die Konzession entziehen ;-)

Meine erste Begegnung mit den berüchtigten Teigtaschen Shànghais

 
Aber zurück zu den Teigtaschen Shànghǎis:
Eine Variante heißt “Xiǎolóngbāo” (上海小笼) . Diese kleinen Teigbeutel sind mit hell-rosa Schweinehack und salziger Brühe gefüllt. Schmecken gar nicht schlecht. Andere Variationen sind mit Shrimps, Krebsfleisch, Gemüse oder Mischungen daraus gefüllt. Die Variationen sind vielfältig. Mein Favorit ist bisher die Variante mit Shrimps – typisch für Shanghai ist allerdings der helle Brei aus rosa-sämigem Schweinehack. Xiǎolóngbāo werden in einem Bambuskorb gedämpft. Profis und Kenner verzehren Xiǎolóngbāo mit folgender Technik: Die kleine Teigtasche wird mit Essstäbchen aufgenommen, in ein Gemisch aus Essig und Ingwerstreifen getunkt (oder schon vorher darin ertränkt), dann an den Mund geführt, ein kleiner Teil wird abgebissen und der salzige Fond wird zuerst aus der Tasche geschlürft, bevor die eigentliche Teigtasche samt Füllung verzehrt wird. Das Ausschlürfen der fettigen Brühe ist wichtig. Schlürfen gehört zu den wichtigsten chinesischen Essensgewohnheiten – gleich nach Schmatzen und Katscheln. Schlürfen hilft, denn man verbrennt sich beim Schlürfen von heißen Flüssigkeiten wie Tee, Suppe, Teigtaschen-Saft etc. nicht gleich den Mund/Zunge, weil Flüssigkeit durch das Schlürfen oder Ansaugen schon luftgekühlt wird. Außerdem trägt Schlürfen zur lauten Geräuschkulisse einer chinesischen Essgesellschaft bei.
 
 
 
Es gibt noch eine typische Teigtaschen-Variante in Shànghǎi. Füllung und Verzehrtechnik ist die gleiche. Unterschied ist die Zubereitung: An der “Verschlussseite” wird die Tasche knusprig-braun angebraten und mit Sesam und Frühlingszwiebelstückchen serviert. Diese nennen sich “Shēngjiān”.
 
 
An welches Essen denkt man bei einer Hafenstadt? Richtig, Fisch und Meeresfrüchte. Die Vielfalt der Meeresfrüchte Shànghǎis konnte ich noch nicht annähernd ausprobieren. Beliebt sind jegliche Arten von gebratenen oder frittierten Krebsen, Hummern, anderen Schalentieren, Calamari etc. etc.
Neulich war ich in einer kleinen Gaststätte, die angeblich auf Küche Shànghǎis spezialisiert sei. Davon aber ein andermal – jenes Abenteuer ist eine Geschichte für sich ;-)

Essen in China – Kick-Start

Sollte ich schon jetzt über das Essen schreiben, bevor ich überhaupt einige kulturelle Aspekte Chinas erläutere? – Klar, warum Einführungen in die chinesische Kultur schreiben, wenn es genug Bücher darüber gibt? Bücher über chinesische Kultur und Alltag zu studieren war Teil meiner Reisevorbereitungen ;-)

Außerdem, Essen gehört zu den kulturellen Aspekten Chinas. In vielen Kulturkreise verbindet man mit Essen mehr als nur Nahrungsaufnahme, sondern Gesunderhaltung und geselliges Vergnügen. Es verwundert nicht, dass Essen verwurzelt in die hiesige Gesellschaft ist. In einem so großen Land wie China ist auch die Küche dementsprechend weitläufig, vielfältig und facettenreich – schwer benennbar in einem einzigen Blogeintrag und kaum vergleichbar mit chinesischen Restaurants in Europa. In der jeweiligen Heimat schmecken landestypische Gerichte in Restaurants Land eher selten so, wie im Land selbst. Warum es im exotischen Land anders schmeckt, als in der Heimat im Restaurant ? Gibt es dafür kein Paradoxon, dass diesen subjektiven Eindruck bezeichnet? ;-)

In einer großen Stadt wie Shanghai befinden sich Restaurants und Essgelegenheiten an jeder Ecke, teilweise gibt es ganze Seitenstraßen, die nur aus Restaurants, Garküchen und Straßenständen mit großen Kochplatten bestehen.

Wichtige kulinarische Provinzen Chinas sind:
– Sichuan
– Hunan
– Canton / Hong Kong
– Xinjiang
– natürlich Shanghai
… und viele regionale Küchen, die ich womöglich noch gar nicht kenne.
Mein Aufenthalt hier in Shanghai ist zu kurz. Ich müsste zu jeder Mahlzeit ein anderes Gericht wählen und würde trotzdem nicht alles probieren können was das Land bietet.

Starten wir hier erstmal am Anfang; beim Frühstück.
Mein erstes Frühstück in Shanghai war – unbewussterweise – sogar das einzige Frühstück auf der Speisekarte im Hotelrestaurant, was authentischem chinesichen Frühstück nahe kommt: Congee – eine Art Reissuppe, wobei der Reis stundenlang bis zur Unkenntlichkeit zerköchelt wird.

Reis-Congee - Dazu ein gebratenes Ei und homöopathische Dosen von Gemüse und Fruchtstücken

Reis-Congee – Dazu ein gebratenes Ei und homöopathische Dosen von Gemüse und Fruchtstücken

 

Auf der Speisekarte meines Restaurants die einzige Option, die typisch asiatisch/chinesisch ist (jedenfalls isst auch meine Kollegin Reissuppe zum Frühstück). Ansonsten habe ich noch kein weiteres typisches chinesisches Frühstück probieren können. Wahrscheinlich werde ich einige Aktivitäten auf frühe Morgenstunden legen, so dass ich auf dem Weg zur Arbeit an den kleinen Straßenständen mit Kochplatte etwas abgreifen werde. Dort würde ich die Frühlingsrollen mit Gemüsefüllung und shanghainesische Teigtaschen als typisch chinesisch bezeichnen. Die restlichen Optionen sind “continental”: Gebratene Würstchen/Speck/Fleisch/Eier.

Fortsetzung folgt … womöglich wird sich ein Großteil meiner Blogeinträge um chinesische Esskultur drehen; so viel wie ich selbst schon probiert und fotografiert habe ;-)

Tempeltour – Den würzig süßen feuchten Geruch von Räucherstäbchen im Regen aufsaugen

Sonntag 17-AUG-2014

Nach dem Frühsport und Frühstück tat ich einen kurzen Blick aus dem Fenster bzw. trat auf den Balkon. Dabei stieß ich einen Fluchen aus, weil es stark regnete, jedoch mein Plan vorsah vormittags ein paar Tempel und den Yuyuan Garten zu besuchen vor dem großen Menschenandrang. Nach kurzer Überlegung beschloss ich das Beste aus der Situation heraus zu holen und tatsächlich meine geplanten Außenaktivitäten durchzuziehen. Für Schreibtischarbeit bot sich das Regenwetter zwar an, denn ich musste noch Einiges für den Start der Arbeitswoche vorbereiten. Da allerdings Arbeit bedauerlicherweise nicht wegläuft, schob ich es auf den Nachmittag/Abend, falls es weiter regnen sollte*. Womöglich schreckt das Regenwetter einige Familien vom Gartenbesuch am Sonntag ab und es ist weniger Andrang. So spazierte ich unterm Regenschirm in den Wolkenbruch mit teilweise kirschkerngroßen Regentropfen. Nach 2-3 Minuten waren meine Schuhe durchweicht ohne die Metrostation für den Start meines Trips überhaupt erreicht zu haben.

Zuerst besuchte ich das buddhistische Chenxiangge Nonnenkloster .
Schon am Eingang waberte mir ein ganz eigener würziger Geruch von Räucherstäbchen und Feuer im Regen entgegen. Buddhistische Klöster bzw. Tempelanlagen sind rechteckig umbaut mit einem großen Innenhof in dem ein Feuer brennt. Daren wird das Bündel Räcuherstäbchen entzündet, was Gläubige beim Beten in den Händen halten.

Der süßlich würzige Räucherstäbchengeruch sollte mich desöfteren an diesem Tag begleiten – manchmal vor lauter Qualm sogar den Atem rauben. Aber lieber die Räucherstäbchen, als den alltäglichen Smog, der Shanghai einhüllt.
Aus Respekt habe ich erst keine Fotos in den Tempelanlagen geschossen. Später wurde ich dann dreister und habe ungeniert fotografiert.

Im Anschluss besuchte ich den daostischen Tempel des Stadtgottes am Yuyuan Garten.
Hier herrschte bereits starker Andrang. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Tempel durch die Nähe des Yuyuan Gartens auch bekannter ist und schon auf professionellem Level mit dem Andrang von Gläubigen umgeht. Im Kloster war ich der einzige Tourist. Überhaupt war ich einer der wenigen Besucher. Außer mir lief nur eine Dame mit ihrer Tasche voller Opfergaben von Alter zu Altar, betete, stellte ihre Gaben auf den Altar und schmiss klappernd ein paar Münzen in die Kollekteboxen vor den Altären.

Anders stellte sich die Situation im Tempel des Stadtgottes dar: Viele, viele Gläubige, die betend den Innehof mit Räucherstäbchen einnebelten. Hier fielen die ersten Atemzüge schwer. Aber der Rauch beruhigt auch irgendwie … im Regen allerdings ein ganz eigener Geschmack.

Zum Schluss meiner Tempeltour bin ich noch in den buddhistischer Tempel nahe meiner Unterkunft gegangen.
Der Pförtner sagte  irgendwas von ¥5. Hierbei bin ich mir nicht sicher, ob es sich tatsächlich um den Eintrittspreis handelte oder ein Missverständnis von seiten des Pförtners war. Denn nachdem ich ihm ¥5 gab, drückte er mir ein Bündelchen Räucherstäbchen in die Hand. Ich dachte bei mir: Soweit das beste Preis-Leistungsverhältnis. Die vorigen Tempel haben mindestens 10¥ Eintritt verlangt. Das beinhaltete tatsächlich nur den Eintritt – Räucherstäbchen kosten extra. Also genauso wie in europäischen Kirchen, wo man für Andachtskerzen auch ein paar Euro abdrücken muss, wenn man sie in der Kirche kauft.

Die kleine Tempelanlage bietet eine interessante Kulisse die vom Ungewissen über die weitere Ausbreitung der modernen Urbanisation erzählt. Dieses Viertel, was mein Reiseführer “Old Town” nennt, ist so authentisch geblieben wie es wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten ist – ohne Gebäude, die höher als 1-2 Stockwerke gebaut sind. Ganz im Gegensatz zum gewohnten Stadtbild, in dem sich die Spezies “Wolkenkratzer” ausgebreitet hat**.

Auf dem Weg zum Tempel habe ich weitere Eindrücke von der ungeschminkten Mikrowirtschaft der Nebenstraßen und Hinterhöfen bekommen. Dazu aber in einem gesonderten Artikel über “Essen und Marktleben auf der Straße” ;-)

Zum Schluss vor dem Mittag noch kurzer Abstecher auf den (Haus-)Tiermarkt. Hier gibt es Katzen, Hunde, Kaninchen, Kanarien und sonstige Singvögel, Schildkröten, Fische, Käfer und vor allem Heuschrecken. Es herrscht ein Lärm von zirpenden Heuschrecken in dieser Markthalle und ein seltsamer Geruch, wie in einem Strohsilo. Ich habe mir die Frage gestellt ob es sich bei den zur Feil gebotenen Tieren tatsächlich um Haustiere handelt oder ob hier Züchter über ihre Heuschrecken/Käfer fachsimpeln oder ob die Tiere für den späteren Verzehr gedacht sind – vielleicht auch eine Kombinationen aus dem Genannten? Aber eins wird deutlich beim Besuch dieses Marktes: Heuschrecken zu züchten ist ein ernstes Geschäft – serious business.

Mittagessen hatte ich in der Yunnan, Verdauungsspaziergang habe ich um den Westteil des People-Square inklusive People’s Park unternommen.

Unterm Strich trotz verregnetem Start und überhaupt wackliger Vorbereitung des Wochenendes war es ein netter Tag.

* Ja, es sollte noch weiter regnen. Ganze 4 Tage und erst am Donnerstag klarte es auf … ich hatte jeden Tag nasse Füße.

** Mittlerweile habe ich im SUPEC dazugelernt, dass in Shanghai gewisse Stadtgebiete in ihrer authentischen Form erhalten bleiben sollen – so zumindest die Stadtplanungspropaganda. Ob dazu auch das Viertel zu Füßen der Fraser Residence gehört, weiß ich nicht …

 

Erstes Wochenende in Shanghai – Touri-Tour

Samstag-Sonntag 14-15-AUG-2014

Mein erstes Wochenende in Shanghai stand im Zeichen von Sightseeing einiger berühmten Attraktionen so ziemlich jeder Stadtführer empfiehlt. Jene Attraktionen sind dementsprechend total überlaufen. Leider hatte ich in den ersten Tagen in keine Zeit mein erstes Wochenende vorzubereiten. Also ging ich tatsächlich mehr oder weniger nach dem Lonely Planet. Ich bin noch skeptisch, was die aktuellen Neuauflagen der Städteguides angeht. Die Kritik an meinem Reiseführer ist teils gerechtfertigt (eins der empfohlenen Restaurants liegt in meinem Hotelgebäude – dort kriege ich mein dürftiges Frühstück … aus freien Stücken dort essen würde ich warhscheinlich nicht …)

Samstagvormittag war ich im Shanghai Museum. Wie gesagt, die Arbeitstage zuvor war ich bereits viel zu beschäftigt um noch den Plan für das Wochenende aufzustellen. Daher war es etwas leichtsinnig von mir vormittags ins Museum zu gehen ohne den Wetterbericht zu prüfen. Der Besuch hat sich dennoch gelohnt. Allerdings hat es nachmittags angefangen zu regnen als ich am Bund ankam. Und da fehlte mir der Alternativplan für den verregneten Nachmittag. Ich beschloss einfach draufloszustratzen -> Gonzotourismus. Da mein Reisegepäck durch die vielen Geschenke klein war, brauche ich Kleidung. Also habe ich den nächstgelegenen Markt gesucht für Kleidung zu. Das Marktleben ist einen eigenen Artikel wert – egal welche Art von Markt. Wer weiß ob ich je hier Kleidung finden werde und dann kaufe …

Shanghai Museum
Ein klein bisschen war es Perlen vor die Säue, dass ich ins Museum für chinesische Kulturgeschichte gegangen bin. Da ich über chinesische Geschichte und Kulturelles wie Malerei, Kaligraphie, Handwerkskunst usw. wenig bis gar nichts weiß.
Das Museum ist großer als man von außen denkt. Wenn man es ernst meint, dann kan .an die Ausstellungen nicht ale an einem Tag beauchen. Ähnlich wie Museo de Antropología in Mexico City – das wohl wichtigste Museum über das chinesische Kulturerbe in Shanghai. Sehenswert – aber man sollte tatsächlich vor der offiziellen Öffnungszeit kommen und sich in die bereits wartende Besucherschlange einreihen.
Warten lohnt sich aber: Kalligraphie, Münzen, Jadeschmuck, und natürlich ein reicher Schatz an Porzellan – nicht umsonst wird die begehrte und qualitativ hochwertige Porzellankunst auch Chinaware genannt ;-)
Reizuberflutung bei Ming Vasen und dergleichen zerbrechlichen Schätzen aus diversen chin. Dynastien. Im Museum gibt es mehr als man in einem Besuch fassen kann. Sehr sehenswert und definitiv ein Muss wenn man in Shanghai ist!

Der Bund war total überlaufen. Die Sicht auf die von Wolkenkratzern überwucherte Sksline von Pudong war leicht in Nebel gehüllt und der wolkenverhangene Himmel zog sich weiter grau zusammen. Der Platzregen ließ nicht lange auf sich warten. Nach Pudong zu fahren um im Wald der Wolkenkratzer spazieren zu gehen habe ich mir dann erspart. Dafür war das Wetter zu instabil und erst recht ohne Sonne.

Nachmittag bin ich in eher untouristische Viertel gegangen. Dort wartet die beste Attraktion Chinas: Das tatsächliche chinesische Alltagsleben. Inklusive Essen auf der Straße, dreckigen Gossen, stinkende zusammengeflickte Motorroller, Hinterhofgarkuchen, schleimschnäutzende und rotzende Greise, Haustiere mit verfilztem Fell und natürlich Märkte, Märkte, Märkte.
Hier falle ich als Nicht-Chinese manchmal auf wie ein bunter Hund. Ich gebe mir Mühe nicht das Treibgut zu sein, was oben schwimmt in den Wellen des Seitenstraßenlebens Shanghais.

 

to be continued …