Die ersten Arbeitstage in Mexiko

Es folgt ein Abriss meiner ersten Arbeitswoche in Santa Fe, Mexiko DF. Dieser Blog ist zwar primär für meine Reiseberichte gedacht, doch da die Arbeit in Mexiko einen Großteil meiner Zeit einnehmen wird, widme ich dem Thema zumindest ein paar Absätze. Es ist den meisten Lesern wohl bekannt, dass ich Softwareentwickler im Logistikbereich bin und in Mexiko ein Kundenprojekt beratend unterstützte. Mehr über die weiteren Umstände wird nicht veröffentlicht.

Dienstag 25.01.2011

Der Jetlag hat mich am ersten Morgen in Mexiko desöfteren heimgesucht. In regelmäßigen Abständen bin ich wach geworden: 2 Uhr, 3 Uhr, 4 Uhr … gegen 6 Uhr bin ich dann schließlich unter die Dusche gegangen und gegen 7 Uhr zum Frühstück. Die Aussicht vom Essenssaal auf die umliegenden Hochhäuser und Baustellen ist imposant.

Santa Fe, México DF

Eigentlich dachte ich, dass mich jemand von unserer mexikanischen Landesgesellschaft abholen würde. Stattdessen wurde ich von einem der Projektleiter auf Kundenseite abgeholt. Mein Weg zur Arbeit ist extrem kurz: knapp 150 – 200 m!
Der trade-off ist leider, dass Santa Fe zu den äußeren Bezirken von Mexiko Stadt gehört. Nach meinem Empfinden ist Santa Fe eine kleine, schon eigenständige, Vorstadt von Mexico City.

Zuerst wurde ich durch das Gebäude von unserem Kunden geführt. Speziell durch die Meetingräume, in denen an unserem Projekt gearbeitet wird. Die Meetingräume in denen wir arbeiten sind ungefähr so groß wie mein Büro in Walldorf. Nur mit dem Unterschied, dass ich hier den Arbeitsraum nicht mit drei Leuten, sondern mit fast doppelt so vielen teile. Desweiteren sind die Meetingräume entweder im Inneren der Gebäude oder in der Etage E1 (nämlich im Keller😉 )

Am ersten Vormittag habe ich viele Hände geschüttelt und mir wurden viele neue Leute vorgestellt. Das Organigramm über die Projektbereiche ist enorm. Es wird noch etwas dauern, bis ich hier die Leute beim Namen UND Orgbereich kenne. Zumindest die Namen von den Leuten mit denen ich Tag für Tag eng zusammen arbeiten werde habe ich am ersten Tag gelernt.

Nach dem vielen Händeschütteln habe ich eine Präsentation über unseren Kunden bekommen und speziell ein  Briefing über das Logistiknetzwerk an dem wir arbeiten werden. Alles High-Level, aber klärte schon enorm auf. Es fiel hier mein Lieblingssatz der ersten Woche: “The supply chain has a dark side: Reverse Logistics”
(den Satz verstehen jetzt vermutlich nur die Kollegen die sich mit Retourenabwicklung befassen, aber ab und zu muss im Blog ein Insiderwitz fallen😉 )

Am Nachmittag habe ich auch den Projektleiter von seiten unserer mexikanischen Landesgesellschaft persönlich kennengelernt.

Mittwoch 26.01.2011

“Hablemos de Logística” – Lass uns über Logistik reden
Mir tut es sehr weh zu hören, und zu sehen, wie sich einige Leute dabei quälen mir etwas auf englisch zu erklären. Die Sprachbarriere im Projekt ist ein klein wenig größer als ich erwartet habe. Mein Spanisch reicht nicht aus um komplexe Projektpläne aufzustellen oder zu besprechen. Ob ich auf so ein Niveau kommen werde im nächsten halben Jahr? A ver – mal sehen …

Auf dem Weg vom Mittagessen zurück an die Arbeit

Auf dem Weg vom Mittagessen zurück an die Arbeit (Geschäftsbezirk Santa Fe, Autobahnzubringer Mexico/Toluca)

Die Herausforderungen, die dieses Projekt mit sich bringt, mehren sich Tag für Tag.

Donnerstag 27.01.2011

Meine Akklimatisierung schreitet voran: Jetlag habe ich seit Mittwoch keinen mehr. Ich habe weder Probleme mit der Verdauung noch bin ich anderweitig erkrankt – mal abgesehen von der Erkältung die ich im Reisegepäck hatte. Apropros, ich komme ziemlich aus der Puste, wenn ich beim Kunden aus dem Erdgeschoss an meinen Arbeitsplatz im zweiten Stock gehe; per Treppen versteht sich. Ist es wirklich die Höhenluft oder sind es die Nachwehen meiner Erkältung (oder beides)?

Am heutigen Tag habe ich die ein oder andere Geschichte von Projektmitgliedern gehört, die nicht aus Mexico DF sind, sondern aus Städten durch die der Drogenhandel von Südamerika in die USA verläuft. Das sollen alles ganz tolle Orte am Pazifik sein. Städte mit traumhaften Stränden, frischer Luft , leckerem Essen (z.B. Meerefrüchten *schwärm*) … und der ständigen Angst bei einer Schießerei zwischen rivalisierenden Kartellmitgliedern zwischen die Fronten zu geraten.

Abends hat ein Kollege seine Abschiedsfeier in einem Nachtclub in der Nähe gegeben. Das war für mich eine gute Gelegenheit einige Projektmitglieder (besser) kennenzulernen und mit “Small-Talk-Spanisch” zu glänzen. Die Runde war buntgemischt aus allen Projektbereichen und -parteien. Sogar ein paar der älteren Generation feierten bis in die Nacht hinein mit. Der Abend lohnte sich für mich. Obwohl es in dem Club ziemlich teuer war. An dem Abend habe ich ungefähr so viel ausgegeben wie in den ersten vier Tagen zusammengerechnet.

… doch eins habe ich nicht kapiert: Ist es ein neckischer Scherz oder eine gut gemeinte Einladung, dass mir als Drink “Paloma” ausgegeben wurde? (Paloma = Tequila gemischt mit Wasser und Salzrand am Glas)

Freitag 28.01.2011

Morgens um Acht war Status Meeting mit voll-versammelter Mannschaft. Wie viele andere Meetings wird auch dieses auf spanisch abgehalten. Allerdings habe ich diesmal überdurchschnittlich viel verstanden, weil die Präsentierenden ihren Text auch auf Folie hatten und ich dort mitlesen konnte.

—-

Ich habe den Eindruck, dass die Arbeitsatmosphäre in diesem Implementierungsprojekt in Mexico ungezwungener abläuft, als die Projekte, die ich in Deutschland erlebt habe. Hier kommen täglich Leute aus verschiedenen Firmen zusammen. Trotzdem wird sich geduzt und die Arbeit läuft kollegial ab und nicht so reserviert wie ich es bei Projekten in Deutschland miterlebt habe. Allerdings muss ich eins dazusagen: Wenn Projektmitglieder ab einer gewissen Managementstufe dabei sind, dann wird auch hier der Ton ein bisschen formaler.

Der Freitagnachmittag wurde mir versüßt durch ein Statement von einem der Berater (ungefähr mein Alter): “Patrick, you violated a lot of preoccupations we had with Germans. For example, we thought that Germans couldn’t laugh and such stuff.”

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