Im VW Käfer zurück nach Santa Fe … oder: Wenn kein Bus fährt ist auf den Volkswagen Verlass

… was in meinem letzten Artikel über den Ausflug nach downtown Mexico City fehlt: der Nachhauseweg. Hier gibt es die Details, die nicht im Lonely Planet stehen.

Per Metro, Bus und Taxi habe ich knapp 2,5 Stunden gebraucht um wieder zurück nach Santa Fe zu kommen. Die paar Stationen mit der Metro waren sehr entspannt, denn sonntags ist es nicht so voll. Von Polanco oder dem Auditorio ein Taxi zu nehmen erschien mir erstmal zu langweilig, solange ich noch nicht probiert habe einen Bus zurück nach Santa Fe zu finden.

Erste Unklarheit: Wie sieht überhaupt eine Bushaltestelle in Mexiko aus?

Bereits in Santa Fe habe ich Busse gesehen, die an der Straße halten und dort Leute ein oder aussteigen. Ich konnte jedoch in keiner Weise ein Haltestelle erkennen – weder durch Unterstand, noch durch ein Schild.

Meine Couchsurferin meinte: “Es gibt keine offiziellen Bushaltestellen. Wenn der Bus kommt, kann man ihn heranwinken.” Das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Es gibt offizielle Bushaltestellen und es gibt inoffizielle Bushaltestellen. Die offiziellen Bushaltestellen erkennt man an einem kleinen Unterstand – die inoffiziellen Bushaltestellen erkennt man an einer wartenden Ansammlung von Menschen.

Man hat mir gesagt, dass es möglich sei, an jedem x-beliebigen Ort auszusteigen. Man müsse nur dem Fahrer signalisieren, dass man aussteigen möchte und dann hält der Fahrer den Bus an. In Mexiko gilt das Hop-on/Hop-off Prinzip😉

Zweite Unklarheit: Wie bekommt man heraus welche Busse die Haltestelle bedienen?

Selbst an offiziellen Bushaltestellen gibt es extrem selten einen Aushang welche Linien an der Haltestelle verlaufen und welche Route/Haltestellen die Linie abfahren. Ganz zu schweigen von Abfahrtszeiten. Aber Abfahrtszeiten sind mir total egal, sofern ich weiß in welchen Bus ich einsteigen muss. Ich schließlich nicht unbedarft, was Nachverkehr in der spanischsprachigen Welt angeht: Exakte Abfahrtszeiten überlässt man den schnöden Mitteleuropäern😉

eine offizielle Bushaltestelle

eine offizielle Bushaltestelle

Da die meisten Busse, die an der Bushalte am Auditorio anhielten, nicht in Richtung Santa Fe fuhren, habe ich einfach einen der wartenden Passanten gefragt, ob er weiß ob es einen Bus nach Santa Fe gibt. Über die Antwort war ich überrascht: “Der nach Santa Fe kommt etwas später.” Ich habe mit einer Antwort wie “Mañana…” gerechnet (mañana heißt morgen und ist eine Verlegenheitsantwort, wenn jemand die wirkliche Antwort nicht kennt). Der Herr konnte mir auch sagen, dass ich den Bus in Richtung Cuajimalpa nehmen muss. Ganz glaubwürdig war die antwort auch nicht. Langsam aber sicher erkenne ich, wenn ein Mexikaner aus Höflichkeit eine Antwort gibt bzw. erfindet.

Dicho y hecho  (Gesagt – Getan), ich bin also in den Bus Richtung Cuajimalpa eingestiegen. Der fuhr zuerst Richtung Santa Fe, nahm aber eine andere Abzweigung und bog nicht auf die Autonbahn, sondern fuhr weiter durch Wohngebiete. Erschien mir logisch, da es auf der Autobahn schwer ist Leute aus- oder einsteigen zu lassen. Die Hochhäuser in der Gegend habe ich allerdings nicht wiedererkannt. Und spätestens, als keine Hochhäuser mehr kamen, sondern nur noch schiefe kleine Häuser die sich dicht an der bergigen Straße drängten, wusste ich: “Du bist hier falsch …”

irgendwo in Cuajimalpa in einem Stau

Der Teil von Mexico City war nicht unbedingt ein Slum, aber auch keine schöne Wohngegend. Streunende Hunde, Müll, vollgestopfte enge Straßen, viel Lärm, rostige und ausgeschlachtete Autowracks am Straßenrand …

Als es wegen Stau nur noch mühsam oder gar nicht mehr voran ging bin ich dann aus dem Bus raus und in einen anderen Bus rein, der in die Gegenrichtung fuhr. Nicht die gleiche Linie, aber da das Ziel Chapultepec war, konnte ich halbwegs sicher sein wieder den Weg zurück in die Innenstadt zu nehmen und dann nach der Kreuzung nach Santa Fe auszusteigen um mich von dort aus anderweitig durchzuschlagen… (dabei fällt mir wieder ein, dass jemand vor meiner Reise sagte, ich sei als “Ex-Einzelkämpfer der Marine” gut vorbereitet auf die fremde Umgebung in Mexiko …)

Ich also raus aus dem Bus und durch die Automassen hindurch in den Bus für die Gegenrichtung hinein. Mit dem bin ich dann zurück und hinter die Auffahrt/Abzweigungen nach Santa Fe ausgestiegen. Wie das Schicksal so spielt, sollte ich meine Chance bekommen mit einem Taxi zu fahren, mit dem ich schon fahren wollte, als ich Mexico City nur von Bildern aus dem Internet kannte: Mit einem VW Käfer als Taxi

Ich habe also etwas ausprobiert, was in jedem Reiseführer als gefährlich oder riskant beschrieben wird: Ein Straßentaxi heranwinken und einsteigen

Immerhin wusste ich halbwegs was ich tue:

– das Taxi hatte eine offizielle Kennung (A plus 5 Ziffern)
– der Fahrer konnte mir seine Taxilizenz zeigen, auf dessen Lichtbild er selbst abgebildet war
– den Fahrpreis haben wir gleich beim Anfahren ausgemacht

Schonmal eine gute Grundlage um Taxi zu fahren. Gregorio, so hieß mein Fahrer, würde allerdings lieber einen Japaner fahren als den Käfer. Verübeln kann man es ihm nicht, obwohl der Wagen von außen zumindest einen relativ ordentlichen Eindruck gemacht hat (wenn man vom fehlenden rechten Außenspiegel und dem defekten linken Frontlicht absieht). Im Innenraum fehlte der Beifahrersitz, aber das scheint hier Standard zu sein bei den Käfern die als Taxi genutzt werden. Auf der Rückbank gab es zwar Gurte, aber keinen auf der Seite auf der ich saß. Sein Taxameter war entweder kaputt oder absichtlich ausgeschaltet. Interessierte mich aber nicht, da wir den Fahrpreis schließlich schon ausgehandelt hatten.

Der Tacho war scheinbar auch defekt, weil er die meiste Zeit auf 20Km/h stand; selbst als wir auf der Autobahn unterwegs waren. Mein Fahrer hat mich gefragt, ob ich den Motor nicht hören würde. Habe ich in der Tat erst später wahrgenommen – aber ich habe hier in Mexiko Stadt schon ganz andere Käfer gesehen und vor allem gehört :-)

Mein Taxifahrer und sein Käfer

Mein Taxifahrer und sein Käfer

Der Käfer von Innen

Der Käfer von Innen

Der Käfer von Innen

Der Käfer von Innen

Der Käfer

Der Käfer

Aber wozu Komfort und Anweisungen für sicheres Reisen? Die Fahrt nach Santa Fe im Käfer hat mir einfach nur Spaß gemacht. Geilste Aktion meines bisherigen Mexikoaufenthalts. Als ich zurück im Hotel war, hatte ich bestimmt noch eine halbe Stunde lang ein fettes Grinsen im Gesicht.

Nothing is as reliable as a Volkswagen
Nothing is as reliable as a Volkswagen

Metrofahrt: 3 Pesos
Zwei Bustickets: 10 Pesos
Taxifahrt nach Santa Fe + großzügigem Trinkgeld: 80 Pesos
Gewissheit die geilste Aktion gerissen zu haben, die sich ein Europäer in meinem Projekt (bisher) getraut hat: UNBEZAHLBAR

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3 thoughts on “Im VW Käfer zurück nach Santa Fe … oder: Wenn kein Bus fährt ist auf den Volkswagen Verlass

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