Epochen mexikanischer Architektur im Schnelldurchlauf

 
Am Wochenende habe ich Sehenswürdigkeiten der mexikanischen Kultur besucht (unbewusst in chronologischer Reihenfolge ihrer Erbauung).

 Samstag, 12. FEB 2011

Erste Epoche mexikanischer Architektur: Tempel der Azteken
Eine Attraktion die man bei einem Besuch in Mexiko Stadt nicht auslassen darf ist der Templo Mayor – oder zumindest das was davon übrig ist. Der Templo Mayor war der zentrale Tempel der Aztekenstadt Tenochtitlan. Er ist natürlich nicht mehr als Tempel oder Pyramide zu erkennen. Es stehen nur noch das Fundament und Reste der Mauern. Von einigen Nischen für Andacht und Opfer ist noch etwas mehr zu erkennen (Wandbemalung und Fresken). Es steht noch genug, um in die Geschichte der Azteken einzutauchen. Das Areal schätze ich auf die Größe von ca. anderthalb Fußballfeldern. Größtenteils Ruinen, doch man kann einzelne Ornamente erkennen und große Schlagenschädel aus Stein die am Fuße des Tempels wachen.

Am Fuße des Templo Mayor

Totenkopfaltar im Templo Mayor

Fundstücke im Museo Templo Mayor

Fundstücke im Museo Templo Mayor

Ich habe mich ab und an zu den Schulklassen dazugesellt die Führungen durch die Tempelruine und das Museum erhielten. Damit habe ich die ein oder andere Erklärung über Skulpturen von Gottheiten oder die aztekische Gesellschaft mitbekommen (soweit mein Spanischverständnis ausreichte). Bei dem Vortrag über einen typischen Markt der Azteken habe ich sogar überraschend viel verstanden.

Desöfteren betonte der Tourguide, dass gerade jenes Austellungsstück oder jene Tatsache über die er sprach eine zentrale Bedeutung in der mexikanischen Kultur hat (hier wird auch nicht von Azteken gesprochen, sondern von mexicanas). Es ist erheiternd zu sehen, dass die Mexikaner eine gesunde und drollige Art von Nationalstolz haben. In Deutschland wäre sowas natürlich undenkbar. Aber die Mexikaner sind oft genug überfallen, unterworfen und geknechtet worden. Man kann ihnen die Bemühungen um nationale Identität gar nicht übel nehmen …

Drei Abschnitte mex. Architektur: Templo Mayor, Catedral Metropolitana, Torre Latinoamericano

Drei Abschnitte mex. Architektur

Der Zócalo gefiel mir an diesem Samstag viel besser, weil wieder eine überlebensgroße mexikanische Flagge am Fahnenmast in der Mitte des Platzes leicht im Wind wehte. Sehr schön!

Nächste Epoche mexikanischer Architektur: Spanischer Kolonialismus

Unbekannter Maler am Grabstein von Cortés

Templo de Jesús Nazareno – In dieser Kirche befindet sich die letzte Ruhestätte von Hernán Cortés. Sein Grabstein wird gerade frisch gestrichen. Wahrscheinlich passiert das um den Touristen etwas bieten zu können. Sonst kann ich mir nicht vorstellen, dass ein nationalbewusster Mexikaner freiwillig die Grabstätte des Conquistador Número Uno restauriert.

Catedral Metropolitana – Die Spanier hatten die aufdringliche Angewohnheit, ihre Kirchen an den Orten zu erbauen, an denen sie zuvor die Gotteshäuser anderer Religonen zerstört haben (in Andalusien die Moscheen und in Mexiko die Tempelanlagen).

Insgeheim finde ich diese Kathedrale nicht besonderes aufregend. Liegt wohl daran, dass ich im letzten Jahr die größte Gotikkathedrale der Welt gesehen habe (nämlich in Sevilla). Das Hauptschiff im Norden ist so konstruiert, wie Spätgotik in den spanischen Kathedralen umgesetzt wurde (Vorbild war ganz eindeutig die Kathedrale von Sevilla). Man merkt allerdings, dass viele verschiedene Baustile in dieser Kirche zusammenkommen. So sind die gotischen Spitzbogen in ungewöhnlich verspielten Stil verziert. Und Teile des Frontportals kann man dem Barock zuordnen. Apropros Frontportal, daran erkennt man deutlich, dass die Kathedrale absackt. Im Inneren ist es noch deutlicher zu erkennen. Wenn man am Nebenaltar einen Ball auf den Boden legt, würde dieser von ganz allein die knapp 80 Meter zum Ausgang rollen. In der Mitte hängt sogar ein Pendel, das das Absacken dokumentiert.  

Intermezzo

Wohin geht der Deutsche, wenn er Heimwerkbedarf kaufen will? – In den Baumarkt

Wohin geht der Chilango, wenn er Heimwerksbedarf kaufen will? – In die Calle Luis Mayo 
Hier gibt es Läden für Schleifmaschinen, Handwerksgeräte, Wasserpumpen, Lampenläden, Geschäfte für Gasherde … etc. etc. alles dicht an dicht in dieser Straße.

Ich war außerdem auf dem Plaza de Danzón. Samstags wird dort Latein getanzt und es gibt dort einen Buchmarkt.

Zum Schluss habe ich einen kurzen Abstecher zum Plaza de la República und dem Denkmal an die Revolution unternommen. Das war eine tolle Atmosphäre kurz vor Sonnenuntergang. Besonders eine Gruppe von Trommel- und Trompetenspielern trug dazu bei.

Seit fast drei Wochen bin ich in Mexico City und heute habe ich zum ersten Mal Regen erlebt. Sofern man es Regen nennen kann. Es waren ganz feine Tropfen. Ein paar Minuten Sprühregen – immerhin.

Sonntag, 13.FEB 2011

Nächste Epoche mexikanischer Architektur: Mexikanischer Jugendstil

Palacio de Bellas Artes - Innenansichten

Palacio de Bellas Artes - Innenansichten

Morgens habe ich mir den Palacio de Bellas Artes von innen angesehen – ein besonderes Gebäude im Jugendstil bzw. Art Déco. Man erkennt eindeutig den starken Einfluss der Jahrhundertwende (obwohl das Gebäude erst 1934 eingeweiht wurde). Von außen wirkt der perlweiße Bau schon sehr hübsch, doch im Inneren wartet eine noch imposantere Konstruktion aus rot-braunem Marmor und poliertem Stahl. Die Eingangsshalle mit den Emporen hat starke Ähnlichkeit mit den Visionen die man in den 1920er von der Zukunft hatte. Es ist, als würde man sich im Film Metropolis befinden, denn der Innenraum von Bellas Artes wirkt wie Fritz Langs Vision der Zukunft. Aber nicht ganz! Denn götzenhafte Grimassen an der Spitze der Kolumnen verleihen dem Innenraum einen eigensinnig-mexikanischen Touch.

Palacio de Bellas Artes - Innenansichten

Palacio de Bellas Artes - Innenansichten

Die Wandmalereien (Murales) die im Bellas Artes ausgestellt werden, sind großartig. Es ist jedoch etwas schade, dass man nur direkt vor den riesigen Malereien stehen kann und aus den meisten entfernten Blickwinkeln Teile der riesigen Kunstwerke hinter Marmorsäulen versteckt sind. Aber der Besuch lohnt sich in jedem Fall. Die Malereien von Rivera sind fantastisch!

Auch die derzeitige Ausstellung über Architektur der mexikanischen Revolution ist interessant. Ich hätte nicht geahnt, dass in Mexiko dem Bauhaus nachgeeifert wurde – allerdings eine eigenwillige Interpretation der Bauhaus-Architektur. Die Ausstellung steigert die Neugier auf meinen zukünftigen Besuch der Ciudad Universitaria (Universitätsstadtteil von Mexiko Stadt).

Sonntagnachmittag/-abend war ich auf einem Treffen von Couchsurfern zum gemeinsamen Kochen. Dort gab es viele Gerichte der mexikanischen Küche, die ich bisher noch nicht kannte und daher natürlich alle probieren musste: u.a. Chilischoten gefüllt mit Frischkäse, Mais und Sahne; Hühnchen in Apfel-Sahne-Chili-Sauce; einen Gemüseeintopf mit undefinierbarem Inhalt; Tortillas mit Kaktus und mein persönlicher Favorit: Maya Salat (Kohl, rote Tomaten, Petersilie + Dressing aus Limettensaft mit Zwiebel und natürlich Chili).

One thought on “Epochen mexikanischer Architektur im Schnelldurchlauf

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