Zurück im Schmelztiegel

Seit etwas mehr als einer Woche bin ich zurück in Mexico City.

Meine Wohnung in Mannheim ist ausgeräumt und übergeben. Ich lebe nun wieder aus dem Rucksack🙂

Der Flug nach Mexiko und der Weg durch DF nach Santa Fe war für mich nichts besonderes mehr. Routiniert habe ich das Einreiseformular ausgefüllt, wieder “180 días” Aufenthalt eingeheimst, die Zollbeamten sofort überzeugt, dass ich kein ignoranter Gringo bin und am Taxistand habe ich zielstrebig die korrekte Zone meines Ziels genannt – otra vez, bienvenido a México.

Ein klein bisschen fühlte ich mich als Einheimischer, weil ich dem Taxifahrer ohne zu überlegen beschrieben habe wohin er fahren muss. Mein Zimmer liegt diesmal auf der anderen Seite des Hotels. Nämlich auf der Seite wo die morgendlichen und abendlichen Rush Hours von Santa Fe durch starke Geräuschpegel gut wahrnehmbar sind – den Wecker brauche ich morgens nicht mehr.

Die Abwesenheit von Lärm war das erste was ich in Deutschland bemerkt habe. Und der Lärm war das erste was mir in Mexiko wieder auffiel. Das Kuriose ist, dass es mich nicht mal mehr stört. Es gehört zur Umgebung. Auch die Betriebsamkeit in den Projekträumen ist wieder eine krasse Umstellung zu den ruhigen Büros in Walldorf (hätte nie gedacht, dass ich die Büros im hektischen Walldorf und “Ruhe”  mal in einem Satz nennen würde).

Positiv aufgefallen ist die Begrüßung die mir von Seiten der Kunden und lateinamerikanischen Berater entgegengebracht wurde. Nach nur zweiwöchiger Abwesenheit war mein Empfang von den mexikanischen Kollegen herzlicher als der Empfang, der mir nach fast dreimonatiger Abwesenheit von meinen deutschen Kollegen entgegengebracht wurde – naja, nachvollziehen kann ich es schon.
In Deutschland rief bei meiner Rückkehr niemand begeistert “PATRICK!” durch den Flur; in Mexiko schon.

Die quirlige mexikanische Lebensart (und Arbeitsweise) gibt mir das nötige Durchhaltevermögen für dieses Projekt. Nie war die Arbeitslast so hoch wie in diesen Tagen …
Dadurch, dass ich mich auf die mexikanische Art und vor allem auf Spanisch als Projektsprache eingelassen habe, wurde ich viel stärker in das Projektteam integriert als die anderen deutschen Berater. Ich genieße meine Sonderstellung. 

Anfang dieser Woche habe ich den Projektleiter von Kundenseite mit dem ich eng zusammenarbeite gefragt, ob er das “Du” oder “Sie” bevorzugt. Da ich immer mehr in der Projektarbeit spanisch spreche, ist es mir wichtig zu wissen woran ich bin. Die meisten Projektmanager haben mir schon in den ersten Wochen das Du angeboten – mit ihm habe ich nie drüber geredet, weil wir meistens englisch miteinander sprechen. Ohne zu zögern sagte er “¡Tú! ¡Tú!” (spanisch für “Du! Du!”). Aber danach huschte ein kleiner, kaum wahrnehmbarer, weiß-grauer Schatten der Kränkung über sein Gesicht. Ich vermute er hielt es für selbstverständlich, dass ich ihn duzen soll.

Ich kann nach einer Woche nicht sagen, ob ich mich freue wieder zurück zu sein. 
Mein Hass auf Santa Fe ist noch nicht wieder entbrannt. Santa Fe gegenüber bin ich derzeit emotionslos; aber lieben werde ich es wohl nie. Die abgasgeschwängerte Luft, permanentes Rauschen von Klimaanlagen, die feuchten amerikanischen Träume die hier von der mexikanischen Oberschicht auslebt werden, der tägliche Verkehrsinfarkt und Logenplätze auf die Smogglocke von DF sind für mich absolute Gegenteile von guter Lebensqualität.

Dann aber wieder das exzellente mexikanische Essen, die strahlenden Gesichter von Bekannten/Freunden und die buena onda die im Projekt herrscht … 
All die Kontraste Mexikos … Patricio ist zurück; seit dem ersten Moment in dem ich wieder mexikanischen Boden betrat. Und ich brenne auf mehr Erfahrungen!

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