El Tajín – Unterwegs im Norden von Veracruz

Wochenende 15-APR … 17-APR-2011

Das große Ziel meines Wochenendes war die Stätte El Tajín. Dies war die wohl wichtigste Stadt im prekolumbianischen Mesoamerika. Sie liegt im tropischen Wald des Nordens von Veracruz; etwas abseits der gewöhnlichen Touristenrouten Mexikos.

Bereits auf meiner Reise nach Xalapa wurde mein Interesse für diese Ruinenstadt geweckt. Speziell das Ballspiel dem sehr viele Urvölker Mexikos nachgingen interessierte mich. Die Spielregeln bleiben für mich vage. Zu meinem Trost sind sich auch Archäologen/Forscher nicht komplett im Bilde über die Spielregeln. Es ist bekannt, dass dabei spezielle Bekeidung getragen wurde (Gürtel sowie Arm- und Knieschoner). Es galt einen (oder mehrere?) Bälle aus Kautschuk in der Luft zu halten bzw. durch Steinringe an den Seiten der Spielmauern zu befördern – so jedenfalls die gängigen Interpretationen. Menschenopfer gehörten ebenfalls dazu. Wobei sich die Experten nicht sicher sind, ob die Verlierer oder die Gewinner den Göttern geopfert wurden.

Juego de Pelota Norte - Nördliches Spielfeld

Juego de Pelota Norte - Nördliches Spielfeld

 

Juego de Pelota Sur - Südliches Spielfeld

Juego de Pelota Sur - Südliches Spielfeld

... noch ein Spielfeld

... noch ein Spielfeld

Trotz der Tatsache, dass ich nichts Neues über das Ballspiel herausgefunden habe, hat sich die Reise nach El Tajín mehr als gelohnt. El Tajín steht weit oben auf meiner Favoritenliste der mystischen Orte Mexikos. Die Pyramiden sind zwar nicht so groß wie in Teotihuacán, allerdings stehen hier viel mehr Gebäude unterschiedlicher Bauarten und es gibt viele Nischen, Ecken und Details die man entdecken kann. Die Atmosphäre in dieser Ruinenstadt dringt in jede Pore.

Gebäude im Wald

Gebäude im Wald

Details im Relief

Details im Relief

Treppenpiramide

Treppenpiramide

Trotz Bewölkung und teilweise Regen hat mir das Erkunden dieser mesoamerikanischen Stätte sehr viel Spaß gemacht. Der Wechsel von abklingender schwüler Hitze in Regen und Hochnebel trug zur tollen Atmosphäre bei: Auf grün-überwucherten Hügeln wandert man über steinernde Pfade an treppenförmign Gebäuden vorbei, vereinzelt klatschen Regentropfen leise ins Blattwerk, exotisches Vogelzwitscher (und -geschrei) wechselt mit einer tiefen Stille.

Blick zur Pirámide de los Nichos

Blick zur Pirámide de los Nichos

Pirámide de los Nichos

Pirámide de los Nichos

Edificio B - Dem Donnergott Tajín gewidmet

Edificio B - Dem Donnergott Tajín gewidmet

Die Abwesenheit von großen Touristenmassen versüßte mir den Aufenhalt. Ausländische Reisende sind hier in einer verschwindend geringen Minderheit. Es war nicht schwer ein paar Fotos zu schießen ohne zusätzliche Touristen die durch das Bild laufen. Die Kehrseite ist natürlich, dass ich mit dem Selbstauslöser experimentieren musste, wenn ich ein Bild von mir vor einer Pyramide schießen wollte.

Aussichten: Bewölkt, bei feuchter Hitze

Aussichten: Bewölkt, bei feuchter Hitze

… und sonst? Da El Tajín vernab der gewöhnlichen Reiserouten und weiter entfernt von größeren Städten liegt, war Couchsurfen hier ein bisschen schwerer. Es gibt nur eine handvoll Surfer. In dem Ort Papantla – der als Sprungbrett für El Tajín gilt – gibt es scheinbar gar keine Surfer. Ich fand einen Gastgeber in Poza Rica. Unschwer zu erkennen, dass dies ein Ort der Erdölförderung ist. Bereits vor dem Stadteingang wird man von Türmen zur Gasverbrennung begrüßt, die zu beiden Seiten die Straßen flankieren. Toller Anblick, wenn man in der Dunkelheit der Nacht ankommt und die Flammen den tropischen Wald in rotes Licht tauchen.

Mein Gastgeber arbeitet in der Ölförderung. Genauer gesagt in der perforación (Bohrung). Dort gibt es gut bezahlte Jobs – aufgrund des hohen Arbeitsrisikos. So lernte ich also an meinen ersten Abend eine ganze Menge mehr über Erdölförderung. z.B. gibt es einen Zyklus in der Förderung der sich reparación nennt. Hierbei lässt man die Quelle aus der gefördet wurde ca. 3-8 Jahre ruhen. Dadurch entsteht wieder auf natürliche Weise Überdruck durch das sich bildende Erdgas (die Araber hingegen pumpen jedoch gnadenlos Meerwasser und Gas in ihre Ölfelder um stetig fördern zu können). Meine unbelegte Vermutung ist, dass diese Regenerationszyklen das mexikanische Öl verteuern könnten. [Benzin ist in Mexiko unverschämt billig]

Außerdem hatte ich mit meinen Gestgebern Freitagnacht meine erste Begegnung mit einer Straßensperre der Polizei.

Zum Frühstück gab es am Samstagmorgen ein huastekisches Gericht namens Zacahuilt. Es ist den Tamales sehr ähnlich. Zacahuilt wird ebenfalls in Palmenblättern eingewickelt und Hauptzutat ist gelber Mais, der nach Zubereitung mindestens eine Nacht gärt. Abgesehen von dem Hühnerfleisch das beigegeben wird, sind mir die restlichen Zutaten unbekannt. Das Essen von der Straße war diesmal eine Nummer anspruchsvoller!

Die Familie meines Gastgebers hat mich mehr als herzlich empfangen. Wir sind am Samstagabend nach Tuxpan (auch Tuxpam genannt) gefahren um die Großmutter zu Verwandten zu bringen. Aber vorher sind wir in das – nach Aussagen der Familie – beste Restaurant für mariscos (Meeresfrüchte) gegangen. Naja, was heißt Restaurant,  rustikale Hütte am Kanal trifft es eher. Aber der Coctel de Caracol war lecker.

Die einzige Attraktion dieses Wochenendes war zwar nur El Tajín, doch der Rest des Wochenendes war die Teilnahme am Leben der mexikanischen Durchschnittsbürger der Golfküste.

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