Der Weg zum Mondfest; gepflastert mit überteuertem Mondkuchen

Als ich erfuhr in welchem Zeitraum ich in Shànghǎi sein werde, vollführte ich vor meinem inneren Auge eine freudigen Luftsprung, denn das diesjähre Mondfest fiel in meinen Aufenthalt. Gemäß Tradition sitzen die Familienmitglieder an diesem Feiertag abends zusammen und essen Mondkuchen während sie den Vollmond betrachten. Der Mondkuchen wurde zum vordergründigen Symbol, vielmehr schon zur Hauptsache des Mondfestes erhoben. Die Variationen der Mondkuchen ist so facettenreich und riesig wie die zahlreichen Provinzen und Regionen in China. Mondkuchen symbolisieren mit ihrer Form den Vollmond, sie sind aus verschiedenen Teigformen und haben unterschiedliche Füllungen. Die Füllungen variieren zwischen süß, salzig oder Kombinationen davon. Einen guten Überblick über die Mondkuchen-Vielfalt gibt der englische Artikel in der wikipedia.

Ein Kollege brachte mir shanghaier Mondkuchen aus einer Art Blätterteig mit. Die Füllung – obligatorisch für Shanghai – bestand in der salzigen Variante aus Schweinehack und in der süßen Variante mit roter Bohnen-Paste:

Ich habe bereits im letzten Jahr zum Mondfest die kantonesichen Mondkuchen mit Eidrotterfüllung probiert und war begeistert. Umso größer also meine Vorfreude auf das Mondfest in Shànghǎi.

Was aber die eigentlichen Festivitäten anging, so wechselte in den Wochen vor dem Mondfest meine Euphorie in Ernüchterung und während des Mondefestes sogar in Enttäuschung (dazu in einem späteren Artikel mehr). Das Mondfest kann man mit unserem Weinachtsfest vergleichen. Zum einen fällt Weihnachten zusammen mit einem wiederkehrenden kosmischen Ereignis. Zum anderen feiert man im Familienkreis, statt mit öffentlichen Straßenfesten. Desweiteren fällt im westlich-orientierten Shànghǎi auf, dass auch das Mondfest dem Kommerz immer mehr zum Opfer fällt. Mondkuchen werden in den seltensten Fällen selbst gebacken, sondern von Bäckereien und in Lebensmittelmärkten gekauft.

Mondkuchen werden häufig nicht für den Eigenbedarf gekauft, sondern werden gekauft zum Verschenken. Daher sollten sie möglichst reich verziert oder aufwändig gestaltet sein. Erst recht gilt dieser Pomp auch für die Verpackung. Wobei die meisten Mondkuchen in eine Handfläche passen, benötigt man für die Geschenkpackungen schon fast eine Mannschaft chinesischer Wanderarbeiter, die die Packung nach Hause tragen. Hier findet man rot-goldene Geschenkzylinder aus Samt oder anderen edlen Stoffen, sarggroße Geschenkkisten ausgekleidet mit gelb-leuchtender Seide in denen die kleinen Küchlein versinken.

Das führt in eine Spirale des Zugzwanges die von der Lebensmittelindustrie angeheizt wird. Chinesen trumpfen gerne auf in puncto Gastfreundschaft und Beschenken. Um die Mondkuchen hat sich daher eine Geschenkkultur entwickelt, bei der die Wertschätzung des Schenkenden an den Beschenkten durch die Hochwertigkeit des Mondkuchenpräsentes ausgedrückt wird. Umso pompöser und teurer, umso höher die vermeintliche Wertschätzung. Wer hier eine zu kleine Packung wählt, oder keine teure Marke, der gilt folglich als knauserig etc.

Große internationale Marken wie Häagen-Dasz, Starbucks, die belgische Schokoladenkette Godiva etc. nutzen diese chinesische Auftrumpferei  und Geltungssucht aus und heizen die Mondkuchen-Ralley mit edel-verpackten und überteuerten Mondkuchengeschenke zusätzlich an.

Auch Luxushotels wie Hyatt oder Ritz-Carlton springen auf den Zug auf und stellen die bestellbaren Mondkuchenpräsente in ihren Lobbies aus. Kleine Küchlein in großen Geschenkpackungen zum überdimensionierten Preis.

Mittlerweile bildete sich eine winzige Gegenbewegung, die an die Tradition erinnert und aufzeigt, wie verrückt die Konsumkultur um die Mondkuchen geworden ist. Die realen Kosten für Zutaten und selber backen belaufen sich auf wenige Yuan – die Edelmarken verkaufen Mondkuchen für das hundertfache jener Materialkosten. Vor dem Food Court der Super-Brand-Mall habe ich einen Chinesen getroffen, der von jener Gegenbewegung erzählte, die zurückkehrt zum Selbstbacken von Mondkuchen.

Meine Fotosammlung von Mondkuchenwerbung entstand spontan, wenn mir Werbung oder Ausstellung von teurem Mondkuchen auffiel. Man musste nicht explizit danach suchen … sondern wurde eher verfolgt von der Werbung…

2 thoughts on “Der Weg zum Mondfest; gepflastert mit überteuertem Mondkuchen

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