Nationaler Tag des Kaffees

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Geständnis eines Capsaicinsüchtigen

Hallo treue Leserin, hallo treuer Leser,

Heute wird ein Geheimnis gelüftet!

Du/Sie/ihr habt womöglich gemerkt, dass ich in diesen Tagen einige Blogeinträge veröffentliche, die schon eine Weile zurückliegen. Man könnte es als Frühjahrsputz in meinem “Entwurfs”-Ordner bezeichnen. Einige Blogeinträge warten schon seit Montaten -manche sogar seit Jahren – auf ihre Veröffentlichung. Jetzt wird endlich aufgeräumt im “Entwurfs”-Ordner. Hier folgt nun einer der ältesten Blogeinträge denen bisher die Veröffentlichung verwährt war. Schon seit über drei Jahren wartet mein Coming-Out als Capsaicin-Süchtiger auf seine Veröffentlichung. Nun wird mein kleines Geheimnis gelüftet …

März/April/Mai 2011:

Es ist ein offenes Geheimnis: Ja, ich bin ein Capsaicin-Junkie!!!

Ich weiß, dass ich durch den Konsum erhöhter Mengen meine Gesundheit gefährde. Eine erhöhte Menge ist allerdings abhängig von der Kondition des Konsumenten 🙂 Und noch ein toller Fakt: Capsaicin ist absolut legal!

Ich dachte mir zu Anfang meines Mexikoaufenhalts zu steigern, bis ich schließlich eine der schärfsten Chili der Welt probiert habe. Jedenfalls meinte einer der Kunden, dass man in einem der mexikanischen Restaurants nebenan die schärfte Chili der Welt essen kann (er meint wahrscheinlich die Sorte Habanero, wobei es schärfere asiatische Chilis gibt.
Aber es ist ohnehin umstritten, welches die schärfste Chili der Welt ist – Hier zählt das Gesetz: Desto kleiner, desto schärfer – nicht unbedingt die Signalfarbe).
Wie dem auch sei, meine Augen müssen diabolisch gefunkelt haben, als Habaneros erwähnt wurden.

In Mexiko werde ich mich bis zur Million steigern -> eine Million Scoville-Einheiten

Nachdem ich die erste Woche in Mexiko eher gemäßigt gegessen habe, traute ich mich in den darauffolgenden Wochen immer schärfere und exotischere Gerichte zu essen.

Auch Salsa Habanera (Sauce aus Habaneroschoten) habe ich schon als Würzmittel ausprobiert.
Allerdings mit Ernüchterung. Die Salsa war nicht so scharf wie ich mir vorgestellt habe – allerdings zu scharf für die durchschnittliche mitteleuropäische Zunge.

Und dann war es soweit: Der Supermarkt um die Ecke hatte endlich Habanero in der Auslage!
Ich habe eine Tüte gekauft und was soll ich sagen:
Genau so wie erwartet: Die grünen sind mittelscharf (eine ist ungefähr so scharf, als würde man zwei Chili Serrano essen).
Die orangen sind schon schärfer und bei den gelben sollte man bereits beim Schneiden vorsichtig vorgehen.
Aber es ist vollzogen: Ich habe Habaneros gegessen. Sogar komplett am Stück mit Kernen und Samenleiter 🙂

… meine Kollegen haben mich einen todesmutigen Frevler genannt.

Bereits beim Schneiden steigt einem die ätherische Würze in die Nase. Noch 1-2 Stunden später hat man Spaß, weil man miterlebt wie die Chili vom Magen in den Darm wandert – oder man unvorsichtigerweise Chilis ohne Handschuhe schneidet und sich später die Nase putz 😉

Ja, mit den Habaneros hatte ich meinen Spaß.

An meinem letzten Abend waren wir nocheinmal in einem mexikanischen Restaurant, das vier verschiedenen sorten von Salsa Habanera hat.
Von “mild” bis “extra scharf”.
“Mild” kitzelt ein bisschen an den Seiten der Zunge. Scharf, kitzelt mitten auf der Zunge. Sehr scharf an der Zungenspitze.
Nach Probieren der ersten drei fühlt man die gesamte Bandbreite der Gechmacksnerven.
Und bei der vierten – extra scharf aus gelben Habanaros – wird auf der ganzen Zunge ein Mini-Feuerwerk entflammt.
Da merkt man plötzlich wo die letzten Geschmacksknospen auf der Zunge von den vorigen Salsas nicht erreicht wurden 🙂

Snake Hot Pot

Samstagabend/-nacht 06-SEPT-2014

Schlangenfleisch findet man selten bis gar nicht in europäischer Küche. In China, allen voran in Hong Kong und Kanton, steht Schlange durchaus auf der Speisekarte. Nach einem zusätzlichen Training am Samstagabend kam ich auf die fixe Idee, Schlangenfleisch zum Abendessen zu probieren: Niedrig in Fett, reich an Protein für optimale Muskelregeneration nach dem Training. Auf diese Idee brachte mich auch der Artikel über ein Restaurant das sich auf “Snake Hot Pot” spezialisiert hat.

Ein Anruf bei dem Restaurant verlief leider frustrierend, denn ich spreche nach wie vor kein chinesisch und mein Gesprächspartner verstand kein Wort english.

An der Hotelrezeption bat ich, jenes Restaurant anzurufen um nachzufragen, ob ich reservieren muss, oder einfach vorbeikommen kann. Nachdem der Concierge George dort anrief, sagte er es sei derzeit geschlossen wegen Renovierungsarbeiten. Es mutete etwas seltsam an, denn nach kurzem Überlegen sagte George: “I have a crazy idea. Do you want an experiment?” Seine verrückte Idee war ein anderes Restaurant, das ebenfalls Schlangen Hot Pot anbietet, auszuprobieren. Er erinnerte sich nicht an die Adresse, war aber bereits dabei nach dem Lokal im Internet zu suchen. Jedoch sind es die rein chinesich-orientierten Lokale, die keine Internetwerbung brauchen. Er wollte ein Taxi bestellen, dass mich in die Nachbarschaft des Restaurants bringt. Zum genauen  Haus wollte er dann den Fahrer per Telefon lotsen. Das klang äußerst seltsam. Da George schon längst Dienstschluss hatte, bot ich ihm an, dass er mit mir dort Abendessen kann. Dann kommt er am besten gleich mit.

George noch, man könne in jenem Hot Pot Restaurant neben Reptilien auch sehr außergewöhnliche andere Gerichte probieren. Meine Neugier wuchs und ich fragte nach welche. Ihm fehlten die englischen Vokabeln. Er sagte, die Tiere hätten vier Beine – na toll dachte ich, viele essbare Tiere haben vier Beine. Ich also erst diverse Tiere nachgeahmt: Schildkröte, Affe, Esel, …  Dann kam er drauf: Deere and rabbit (Hirsch/Reh und Kaninchen/Hase) …und ich sagte nur: Das ist für mich nicht außergewöhnlich. Sowas ist in Deutschland einfacher zu kriegen, als Reptilienfleisch – in China genau anders herum 😉

Wenig später fuhren wir mit der Metro in die Nachbarschaft des Qipu Marktes. Bei Nacht ist jenes Viertel total verändert. Nach kurzem Fußmarsch erreichten wir das Restaurant, was man nicht als solches erkannt hätte, weil der Eingang unscheinbar war und man erst über eine Treppe in das Lokal im oberen Stockwerk kam.

Diese Orte sind für Eingeweihte …

Der Geruch beim Betreten was ganz anders als in sonstigen Hot Pot Restaurants. Wie mir im Nachhinein einfällt, war es  warscheinlich die Mischung aus Gasgeruch der Hot Pot Kocher und frittiertem/brennendem Fleisch – purem Fleisch, denn Schlangen sind weder sehnig noch fett. Ein Geruch von Frittierfett und angesengter Schlangenhaut vielleicht? Leicht süßlich, scharf-salzig im Abgang 😉

 

George wollte nach seiner Aussage mich nur dahinlotsen. Dann saßen wir aber doch gemeinsam am Tisch. Natürlich war er sehr willkommen an meinem Tisch, denn die Speisekarte war nur auf chinesisch. Wir haben bestellt: Knusprig frittierte Schlangenstücke, Schlangenschwänze, diverse andere Stücke, teilweise nur Filet. Schildkröte war aus – wie immer. Diverse andere Optionen waren auch aus. Meine Vermutung ist, dass sich hinter den nicht verfügbaren und teureren Optionen die giftigen Schlangen verbergen. Um welche Schlangenarten die bei uns im Kochtopf endeten tatsächlich handelte, weiß ich nicht und nachforschen wird schwer, denn die Speisekarte war komplett auf chinesich. Ich hatte noch keine Gelegenheit gehabt genauer nachzuforschen.

Zum Hot Pot gab es wie gewohnt Kräuter, Dips und eine Mischung aus Erdnuss- und scharfer Sauce (scharf für die shanghaier Zunge – für meine Verhältnisse nur leicht pikant). Allein die Hot Pot Brühe war schon sehr lecker: Pilze in unterschiedlichen Größen, Loorbeer, Goji-Beere/Bocksdorn und die leckere chinesische Dattel die leicht süßlich schmeckt (JuJuBe). Aber die Brühe wird normalerweise nicht mitgegessen. Wenig später wurden in unserem Hot Pot diverse Schlangenstücke mit bunten Mustern gekippt. Mindestens 3 verschiedene. Laut George werden jene ungifte Schlangen nur für den Kochtopf gezüchtet.

Mir schmeckt Schlangenfleisch sehr gut. Viele Personen die es einmal probiert haben, behaupten es schmecke wie Hühnchen. Womöglich sagen das viele Leute, weil sie selbst keinen Geschmack herausschmecken können. Jenes magere Fleisch hat einen milden, dezenten Eigengeschmack. Die langen weißen Muskelfasern jener Schlangen in unserem Topf hatten einen relativ neutralen Geschmack; durch die Hot Pot Brühe leicht salzig. Die größeren Filetstücke die wir bestellten, schmeckten sogar besser als Hühnchen. Mit den antibiotika-verunreinigten Geflügelbrüsten aus deutschen Discountern kann man Schlange erst recht nicht vergleichen. Es schmeckt eher wie eine Mischung zwischen weißem Fisch und sehr, sehr zartem Putenfilet. Es kann mit dem zarten Krebsfleisch aus der Shouning Lu mithalten 🙂 Keine Sehnen oder Fett. Pure Muskelfasern – die allerdings auch zwischen den Zählen hängenbleiben, wenn man sie von den Knochen abnagt. Es ist leider nicht viel Fleisch dran an einem Stück Schlange – wie so oft bei chinesischem Delikatessen. Ein Stück besteht hauptsächlich aus den Wirbel- und Rippenknochen. Und das leckere, muskeldurchzogene Fleisch geht leider eine innige Bindung mit jenen Knochen ein. Also mal wieder das Fleisch vom Skelett abnagen und nebenbei Lektionen in Anatomie durchlaufen.

Jedoch ließ sich das Fleisch umso besser abkauen, umso länger die Stücke im Topf köchelten. Wir hatten auch reine Filetstücke bestellt, an denen die Wirbelknochen mit den gräteartigen Rippen bereits entfernt wurden. Ein Genuss!

Lebende Schlange haben wir keine gesehen …

Snake Hot Pot - I ❤ SH

Snake Hot Pot – I ❤ SH 

 

Showdown in der Shouning Lu: Tonnenweise rotgegarte Langusten unter flackernder Neonlichtreklame

Freitagabend 29-AUG-2014

Meine Unterkunft liegt an der Shouning Lu. Diese Straße bildet eine Institution für Street Food in Shànghǎi. Selbst in einem halben Kilometer Entfernung gegen den Wind kann man die Shouning Lu erschnüffeln. Sie nebelt ihre Umgebung in einen anregender Duft von Meersalz, Öl, scharfem Gewürz, Grillgut und so vielen mehr exotisch-fettigen Geruchsnoten. In der Shouning Lu werden verschiedene Schalentiere und teilweise “chinesisches Barbecue” aufgetischt. Es ist das Paradies für Schalentierliebhaber. Im Prinzip bietet fast jedes Straßenrestaurant hier die gleiche Auslegeware – meist auch zum gleichen Preis. Saisonale Krustentiere satt: Langusten, Shrimps, Krebse unterschiedlicher Gattungen, diverse Muscheln, Hummerschwänze … und mehr, was ich noch nicht identifizieren konnte. Alles frisch! Die verschnürten und in Kältestarre gehaltenen Krebse leben noch, die Langusten krabbeln sich gegenseitig über den Haufen in den Badewannen die neben dem Ständen stehen.

Desöfteren wanderte ich nach der Arbeit oder an den vergangenen Wochenenden abends durch die im Neonlicht flackernden, von Krustentierabfällen verschmiert ölige Shouning Lu. Chinesiche Grillmeister brutzeln Spieße von Fisch oder Kalamaris, rühren in dampfenden Garbottichen oder bieten den Passanten lärmend ihre Ware feil. Wie so viele Fressgassen oder Straßenmärkte bietet auch die Shouning Lu eine Achterbahnfahrt für alle Sinne.

Hier eine Mahlzeit einzunehmen habe ich mir für einen besonderen Abend aufgehoben, also nach einer Arbeitswoche oder nach dem Training/Touren am Wochenende. An jenem Abend war es also soweit: Nach Akklimatisierung mit Straßenessen und noch vor einer Dusche folgt als Showdown für den Samstagabend ein Abendessen in der Shouning Lu. Um auf Nummer sicher zu gehen was Qualität und Minimalstandards an Hygiene angeht, suchte ich einen Stand, wo viele Besucher anstanden bzw. die Tische in den Räumen hinter dem Stand mit Besuchern gefüllt waren. Ich stellte mich also vor einen Stand mit roten-schillernden Langusten und kochbereiten Krabben. Überraschenderweise sprach ein Kunde in mittlerem Alter sogar englisch! Von ihm habe ich mir gleich die Preiskonditionen erklären lassen und daraufhin auch geordert. Was allerdings in der leicht lückenhaften Konversation unterging: Abgerechnet wird bei den Langusten nicht nach Stückzahl sondern nach “Yin” -> der chinesischen Gewichtseinheit für Pfund. Als ich also “qī” geordert habe von Krebs und Languste, kriegte ich auch einen Krebs, bei Langusten wurde mir allerdings ein halbes Kilo dampfend und pikant am Tisch serviert.

Dampfende Bleche voller feuerroter Langusten, die frisch aus dem blubbernden Sud des Kochbottichs gefischt wurden.

Überhaupt war der ganze Prozess des Abendessens ein Abenteuer. Während ich auf meine Bestellung wartete, wurde mir ein Platz zugewiesen und meine “Bewaffnung” bereitgestellt. Als Ausrüstung für das Mahl erhielt ich ein Schüsselchen von heller Sojasauce/Essig, eine kleine Metallwanne, Plastiküberzieher für die Hände und ein niedliches Paar Einweg-Essstäbchen … und die Wirtin warf mir einen herzlichen Blick zu der sagte: “Viel Glück, weitgereister Fremder!”

Am Nachbarstisch lärmte eine mittelgroße Familie bei eimerweise Langusten, gebratenem Gemüse, Muscheln etc. Hier konnte ich mir schon etwas abschauen, wie die Sache mit den Plastiküberziehern zum Pulen der Schalentiere funktionierte.

Schließlich wurde mein kleiner Bottich mit dem halben Kilo rotgegarter Langusten serviert. Gibt es im Knigge ein Kapitel über “Wie isst man Langusten”?

Nach einem meditativen Moment (-> och ja der Gefahrensucher – in was bin ich hier wieder hereingeraten) griff ich die erstbeste Languste und fragte mich beim Abtasten des warmen, fettigen Chitinpanzers: Welchen Trick muss man anwenden um möglichst sauber an die essbaren Stellen zu kommen? Die Chinesen an den Nachbartischen pulen kurz und saugen sie dann aus. Aber vorab: Welche Teile sind überhaupt essbar?

Es war wieder eine Lehrstunde in veterinärer Anatomie: Lektion 2.3 – Anatomie der Languste. Ich war gleichsam neugierig, als vorsichtig, ob ich mir vielleicht das Wochenende versaue, wenn ich ungenießbare Teile der Krustentiere mitesse … Prinzipiell sollte durch das Abkochen so ziemlich alle schädlichen Bakterien abgetötet worden sein. Nach 2-3 Langusten, die ich akribisch sezierte um an das schmackhafte weiße Fleisch zu kommen, verabschiedete ich mich vom Gedanken die Panzerung und Spinnenbeinchen sauber vom Fleisch zu tretten und aß einfach, was ich von der groben Schale trennen konnte: Chitin ist doch gesund, oder?

Wenig später wurde mir auch der Krebs am Tisch serviert – so we meet again buddy.

Wie ich später im Hotelzimmer auf wikipedia nachlies, handelte es sich allerding bei der shànghǎier Delikatesse der aktuellen Saison nicht um einen Flusskrebs, sondern um die chinesiche Wollhandkrabbe (mitten crab).

Tatsächlich fiel mir die wollige Schere auf, was ich zuerst für Dreck aus dem Yangtze hielt und erstmal liegen ließ:

1. Known as “hairy crab” (毛蟹) in English, the local name of the gourmet seafood is dazha xie, or big sluice crab (大闸蟹). Although it falls under the same family of hairy crab, only those heavier than 150 grams can be classified as dazha xie.

Chinesischer Name ähnlich der Metro-Station Dashijie an der ich einsteige, ich glaube hier nicht an einen Zufall, denn der Name der Station in chinesisch wird nahezugenauso geschrieben, wie die Krabbe: 大闸蟹 Krebs

Das beste zarte und weiße Fleisch an der Krabbe verbirgt sich jedoch in den Beinen und tatsächlich den schwer knackbaren Scheren. Die Mühe jene Scheren aufzubrechen wird mit einem kleinen, weiß-silbrigem aber wohlschmeckenden Fleischfetzen honoriert. Die eigentliche Delikatesse der Krabbe ist die innere gelbliche Flüssigkeit. Anfangs überlegte ich, ob man die überhaupt mitessen kann. Ich tat es – glücklicherweise 🙂

Der pulende Kampf durch die Chitinpanzer, Krabbenscheren und -beinchen fühlte sich an wie Stunden. Durch die praktische Beschäftigung mit Krustentieranatomie und Schlemmerei mit Langusten- und Krabbenfleisch trat auch ein wohliges Sättigungsgefühl ein. Nach dem Verschleiß von 3 Plastiküberziehern beim Genuss meines Yin Langusten und der kleinen Wollhandkrabbe, war ölig verschmiert, hatte fetzen von Krebsfleisch und Langustenpanzer zwischen den Zähnen aber war glücklich.

Noch später im Hotelzimmer haftete der herrliche Geruch von Chili-Öl, Salz, Paprika und diversen anderen Gerüchen die ich nicht zuordnen kann, aber ein unnahahmliches/beeindruckendes Barbecue-Boquet mit sich trägt. an meinen Händen und Klamotten

Mittlerweile habe ich auch aufgeholt, wie man Wollhandkrabbe im Restaurant isst – allerdings ist das schon gehobenes Niveau mit besseren Werkzeug als mein rustikel-barbarisches Essgelegenheit

http://www.culinarybackstreets.com/shanghai/2013/good-claws-hairy-crab-season/

Jetzt bin ich tatsächlich in der Shouning Lu angekommen. Nach 22 Uhr geht dort auf dem von zuckend animierter Neonreklame erleuchteten Asphalt nochmal richtig die Post ab.

Málà málà – Das wohlig stechende Prickeln von Sichuanpfeffer

Donnerstagabend 29-AUG-2014

Meine chinesischen Kollegen sind mit mir abends Essen gegangen. Da sie wussten, dass ich gerne scharf und gut gewürzt esse, haben sie in einem Sichuan Restaurant reserviert. Das Menu war ein representativer Querschnitt durch die Küche Sichuans – der absolute Wahnsinn, ein Fest, definitv ein Höhepunkt; wenn nicht der Höhepunkt meiner kulinarischen Reise durch China.

Zur Vorspeise gab es einen kunstvoll zusammengepressten Zylinder aus Grüngemüse und gebratenen Tofu-Stücken. Die Kollegen nannten es Gras – schmeckte allerdings besser als Gras.

Als weiteren Appetizer gab es Koushuiji – Kǒushuǐ jī – Mouthwatering chicken. Ich nenne es die Sichuan-Variante des bei mir schon berüchtigten San Huan Jí. Dieses Deja vu überraschte nicht …

Die Hauptgänge.:

– Gong Bao Shrimps

– “Innereieneintopf” bestehend aus Magen, Leber, Nieren und diversen andere …
Filetstückchen vom Aal rundeten das ganze ab. Der Aal schmckte phantastisch. Leider sehr ölig/fettig aber vom Geschmack und Konsistenz exzellent – zerging auf meiner jauchzenden Zunge :-9

– Frosch/Kröte

– Qualle

– Wels

Ach ja, es versteht sich von selbst, das ein Großteil der Gerichte mit Lastwagenladungen an Sichuanpfeffersorten, Chili und Chili-Öl serviert wurden.

Außerdem gab es zwischendurch noch Suppen, damit die Wartezeit auf den Fisch schneller rumging 😉
Was genau in der Suppe war – kein Ahnung. Sah aus wie Zucchini — war nach Aussage der Kollegen aber keine Zucchini.

Zum Nachtisch gab es ganz brav Früchte – mehr wäre nach dem Gelage gar nicht möglich gewesen

Was für mich als Capsaicin-Junkie die Sichuanküche zu einem herrlichen Erlebnis erhebt, ist neben der Schärfe von Chili und Pfeffer noch ein prickelnd-picksender Feuerwerkseffekt, der später als Nachbrenner hinzukommt, wenn die brennende Schärfe langsam abklingt. Es fühlt sich auf der Zunge, auf den Lippen und teilweise im Rachen an, wie viele kontinuierliche, sehr feine Nadelstiche. Ein Gefühl von feuriger Chilischärfe und prasselnd-picksendem Prickeln.
Im Chinesischen als “málà” bezeichnet -> die englische Übersetzung der n dwr Wikipedia ist “numbing hot”. Allersings nicht stark betäubend.

Diesen Spezialeffekt habe ich an meinem ersten Abend in Shanghai schon beim Fast Food Nudeleintopf gemerkt – bei weitem nicht so intensiv wie an jenem Abend im Sichuan Restaurant, aber spürbar. Im ersten Moment dachte ich mir die Zunge an den Nudeln verbrannt zu haben. Es war jedoch ein ganz schwacher Vorgeschmack auf jenes Schärfe-Feuerwerk das ich am Abend mit den chinesischen Kollegen im Sichuan Restaurant erleben durfte.
Die Innereien, der Fisch und vor allem die Froschschenkel hatten neben der feurigen Schärfe von Chili diesen prickelnden Spezialeffekt. Wie gesagt, Für einen Capsaicinjunkie wie mich ist die authentische Sichuanküche ein herrliches Erlebnis.

Als ich an meinem letzten Wochenende in einem anderen Sichuan Restaurant essen war, kam dieses Gefühl nicht auf. Leider war auch deren Gong Bao Jí. recht lasch – schmeckte fast, als wäre es aus einer Supermarktdose aufgewärmtes Instantfood. Auch bei dem als Spezialität bezeichneten brutzelnden Calamaritentakeln in Chili, schmeckte ich nur Schärfe – das prickelnde Picksen blieb aus. Das Picksen muss also durch eine besondere Zutat hervorgerufen werden. Es muss also noch etwas anderes sein, als nur der Sichuanpfeffer oder Chili. Was könnte es sein? Die chinesischen Kollegen war unfähig es zu erklären.

Nothing is as reliable as a Volkswagen; especially if you don’t know how the buses work

… what’s missing in my last article about the trip to downtown Mexico City: the way back home. Here are the details that are not in the Lonely Planet. 

It took me nearly 2.5 hours to to get back to Santa Fe via Metro, bus, and taxi. The short trip to Polanco/Auditorio via Metro was quite relaxing because the Metro is not so crowded on sundays. To me it seemed far too boring to take a taxi back to the hotel as long as I haven’t tried to ride via bus.

First challenge: How does a bus stop look like in Mexico ?

In Santa Fe I’ve alreadey seen buses that stop at the road and people jump on or off the bus. However, I couldn’t recognise anything like a bus stop – neither a shelter nor a road sign.

My couchsurfer said: “There are no official bus stops. When you see a bus you can hail the driver to stop …” Correct, but that is not the whole truth. There are official bus stops and there are unofficial bus stops. The official bus stops can be recognised by a small shelter – the unofficial bus stops can be recognized by a waiting crowd of people.

It is possible to get off anywhere on the bus route. One must only signal the driver that he/she wants to get off. Then the driver stops the bus. The Hop-on/Hop-off principle 😉

Second challenge: How do you find out which bus lines serve the bus stop?

Bus schedules are extremely rare, even at official bus stops. Not to speak about departure times! But departure times don’t matter to me if I only knew which bus I should take.

an official bus stop

an official bus stop

So I asked one of the waiting pedestrians, whether he knows if there is a bus to Santa Fe. I was surprised by his answer: “There is a bus to Santa Fe. But that bus will come a bit later.” Actually I expected an answer like “Mañana …” (mañana means tomorrow, and this answer is given if someone does not know the real answer). The señor also told me that I should take the bus which goes to Cuajimalpa. I was a bit suspicious about his answer. By now I can tell if a Mexican knows an answer by heart or if the Mexican makes something up out of embarrasement.

Dicho y hecho (Said – Done), I got on the bus to Cuajimalpa. At first the bus took the way back to Santa Fe, but it took a different junction and instead of going via highway it drove through residential areas. Seemed logical to me, since it is hard to let passengers hop on or off on the highway. However, I did not recognize any of the skyscrapers in that area. And finally, when there were  no skyscrapers at all , but only crooked little houses next to the crowded mountain road, I knew: “This is not the way back home …”

somewhere in Cuajimalpa in a traffic jam

That area of Cuajimalpa/Mexico City was not exactly a slum, but not a nice neighborhood either. There were straying dogs, garbage, crowded narrow streets, noisy, rusty and salvaged car wrecks on the street …

When the street got too crowded with vehicles of any kind, I got off the bus and boarded another bus going into the opposite direction. It was not the same line, but since the direction of the other bus was  Chapultepec, I could be sure to go the way back to downtown and then exit after the intersection of Santa Fe. From there, I would muddle me trough … (this reminds me of someone saying before my trip: “You are an ex-marine. Therefore you are well prepared for the strange environment in Mexico …”)

So I got back to the Santa Fe intersection. By the time I jumped off the bus the fate gave me a friendly pat on the back because I spotted a taxi cab that I already wanted to ride in the times when I knew México City only from pictures: a VW Beetle Taxi

So I tried something that every travel guide labels as dangerous or risky: I hailed a street taxi and boarded it

At least I knew partly what to do:

– The taxi had an official ID (A plus 5 digits)
– The driver was able to show me his taxi license with a photograph that matches his own appearance
– I asked immediately for the fare

All points build a good basis to drive with a street taxi. However, my driver Gregorio would rather drive a Japanese car as the Beetle. One can not blame him, even though the car made a good appearance from the outside (apart from the missing right side mirror and the broken left front light), the front passenger seat was missing, but that seems to be standard on the beetles used as taxis. In the back there were some belts, but none on the side on which I sat. His meter was either broken or intentionally turned off. But that didn’t interest me since we had already negotiated the fare to Santa Fe.

My taxi driver and his beetle

My taxi driver and his beetle

The Beetle from the inside

The Beetle from the inside

The Beetle from the inside

The Beetle from the inside

The Beetle

The Beetle

The speedometer was also broken because it was at 20km/h most of the time, even when we were traveling on the highway. My driver asked me if I wouldn’t hear the engine. Indeed, I haven’t noticed it before he asked – but I’ve seen, and especially heard, other Beetles in Mexico City with a groomier sound 🙂 

But why care about comfort and security instructions for a safe travel? I fully enjoyed the trip to Santa Fe in the Beetle. This was, so far, the hottest deed I did in Mexico. When I was back at the hotel, I had a fat grin on my face for at least half an hour.

Nothing is as reliable as a Volkswagen

Nothing is as reliable as a Volkswagen

 

Metro ticket: 3 pesos
Two bus tickets: 10 pesos
Taxi ride to Santa Fe + generous tip: 80 Peso
Certainty of having ripped the hottest action which a European has ever tried in my project (yet): PRICELESS

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Im VW Käfer zurück nach Santa Fe … oder: Wenn kein Bus fährt ist auf den Volkswagen Verlass

… was in meinem letzten Artikel über den Ausflug nach downtown Mexico City fehlt: der Nachhauseweg. Hier gibt es die Details, die nicht im Lonely Planet stehen.

Per Metro, Bus und Taxi habe ich knapp 2,5 Stunden gebraucht um wieder zurück nach Santa Fe zu kommen. Die paar Stationen mit der Metro waren sehr entspannt, denn sonntags ist es nicht so voll. Von Polanco oder dem Auditorio ein Taxi zu nehmen erschien mir erstmal zu langweilig, solange ich noch nicht probiert habe einen Bus zurück nach Santa Fe zu finden.

Erste Unklarheit: Wie sieht überhaupt eine Bushaltestelle in Mexiko aus?

Bereits in Santa Fe habe ich Busse gesehen, die an der Straße halten und dort Leute ein oder aussteigen. Ich konnte jedoch in keiner Weise ein Haltestelle erkennen – weder durch Unterstand, noch durch ein Schild.

Meine Couchsurferin meinte: “Es gibt keine offiziellen Bushaltestellen. Wenn der Bus kommt, kann man ihn heranwinken.” Das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Es gibt offizielle Bushaltestellen und es gibt inoffizielle Bushaltestellen. Die offiziellen Bushaltestellen erkennt man an einem kleinen Unterstand – die inoffiziellen Bushaltestellen erkennt man an einer wartenden Ansammlung von Menschen.

Man hat mir gesagt, dass es möglich sei, an jedem x-beliebigen Ort auszusteigen. Man müsse nur dem Fahrer signalisieren, dass man aussteigen möchte und dann hält der Fahrer den Bus an. In Mexiko gilt das Hop-on/Hop-off Prinzip 😉

Zweite Unklarheit: Wie bekommt man heraus welche Busse die Haltestelle bedienen?

Selbst an offiziellen Bushaltestellen gibt es extrem selten einen Aushang welche Linien an der Haltestelle verlaufen und welche Route/Haltestellen die Linie abfahren. Ganz zu schweigen von Abfahrtszeiten. Aber Abfahrtszeiten sind mir total egal, sofern ich weiß in welchen Bus ich einsteigen muss. Ich schließlich nicht unbedarft, was Nachverkehr in der spanischsprachigen Welt angeht: Exakte Abfahrtszeiten überlässt man den schnöden Mitteleuropäern 😉

eine offizielle Bushaltestelle

eine offizielle Bushaltestelle

Da die meisten Busse, die an der Bushalte am Auditorio anhielten, nicht in Richtung Santa Fe fuhren, habe ich einfach einen der wartenden Passanten gefragt, ob er weiß ob es einen Bus nach Santa Fe gibt. Über die Antwort war ich überrascht: “Der nach Santa Fe kommt etwas später.” Ich habe mit einer Antwort wie “Mañana…” gerechnet (mañana heißt morgen und ist eine Verlegenheitsantwort, wenn jemand die wirkliche Antwort nicht kennt). Der Herr konnte mir auch sagen, dass ich den Bus in Richtung Cuajimalpa nehmen muss. Ganz glaubwürdig war die antwort auch nicht. Langsam aber sicher erkenne ich, wenn ein Mexikaner aus Höflichkeit eine Antwort gibt bzw. erfindet.

Dicho y hecho  (Gesagt – Getan), ich bin also in den Bus Richtung Cuajimalpa eingestiegen. Der fuhr zuerst Richtung Santa Fe, nahm aber eine andere Abzweigung und bog nicht auf die Autonbahn, sondern fuhr weiter durch Wohngebiete. Erschien mir logisch, da es auf der Autobahn schwer ist Leute aus- oder einsteigen zu lassen. Die Hochhäuser in der Gegend habe ich allerdings nicht wiedererkannt. Und spätestens, als keine Hochhäuser mehr kamen, sondern nur noch schiefe kleine Häuser die sich dicht an der bergigen Straße drängten, wusste ich: “Du bist hier falsch …”

irgendwo in Cuajimalpa in einem Stau

Der Teil von Mexico City war nicht unbedingt ein Slum, aber auch keine schöne Wohngegend. Streunende Hunde, Müll, vollgestopfte enge Straßen, viel Lärm, rostige und ausgeschlachtete Autowracks am Straßenrand …

Als es wegen Stau nur noch mühsam oder gar nicht mehr voran ging bin ich dann aus dem Bus raus und in einen anderen Bus rein, der in die Gegenrichtung fuhr. Nicht die gleiche Linie, aber da das Ziel Chapultepec war, konnte ich halbwegs sicher sein wieder den Weg zurück in die Innenstadt zu nehmen und dann nach der Kreuzung nach Santa Fe auszusteigen um mich von dort aus anderweitig durchzuschlagen… (dabei fällt mir wieder ein, dass jemand vor meiner Reise sagte, ich sei als “Ex-Einzelkämpfer der Marine” gut vorbereitet auf die fremde Umgebung in Mexiko …)

Ich also raus aus dem Bus und durch die Automassen hindurch in den Bus für die Gegenrichtung hinein. Mit dem bin ich dann zurück und hinter die Auffahrt/Abzweigungen nach Santa Fe ausgestiegen. Wie das Schicksal so spielt, sollte ich meine Chance bekommen mit einem Taxi zu fahren, mit dem ich schon fahren wollte, als ich Mexico City nur von Bildern aus dem Internet kannte: Mit einem VW Käfer als Taxi

Ich habe also etwas ausprobiert, was in jedem Reiseführer als gefährlich oder riskant beschrieben wird: Ein Straßentaxi heranwinken und einsteigen

Immerhin wusste ich halbwegs was ich tue:

– das Taxi hatte eine offizielle Kennung (A plus 5 Ziffern)
– der Fahrer konnte mir seine Taxilizenz zeigen, auf dessen Lichtbild er selbst abgebildet war
– den Fahrpreis haben wir gleich beim Anfahren ausgemacht

Schonmal eine gute Grundlage um Taxi zu fahren. Gregorio, so hieß mein Fahrer, würde allerdings lieber einen Japaner fahren als den Käfer. Verübeln kann man es ihm nicht, obwohl der Wagen von außen zumindest einen relativ ordentlichen Eindruck gemacht hat (wenn man vom fehlenden rechten Außenspiegel und dem defekten linken Frontlicht absieht). Im Innenraum fehlte der Beifahrersitz, aber das scheint hier Standard zu sein bei den Käfern die als Taxi genutzt werden. Auf der Rückbank gab es zwar Gurte, aber keinen auf der Seite auf der ich saß. Sein Taxameter war entweder kaputt oder absichtlich ausgeschaltet. Interessierte mich aber nicht, da wir den Fahrpreis schließlich schon ausgehandelt hatten.

Der Tacho war scheinbar auch defekt, weil er die meiste Zeit auf 20Km/h stand; selbst als wir auf der Autobahn unterwegs waren. Mein Fahrer hat mich gefragt, ob ich den Motor nicht hören würde. Habe ich in der Tat erst später wahrgenommen – aber ich habe hier in Mexiko Stadt schon ganz andere Käfer gesehen und vor allem gehört 🙂

Mein Taxifahrer und sein Käfer

Mein Taxifahrer und sein Käfer

Der Käfer von Innen

Der Käfer von Innen

Der Käfer von Innen

Der Käfer von Innen

Der Käfer

Der Käfer

Aber wozu Komfort und Anweisungen für sicheres Reisen? Die Fahrt nach Santa Fe im Käfer hat mir einfach nur Spaß gemacht. Geilste Aktion meines bisherigen Mexikoaufenthalts. Als ich zurück im Hotel war, hatte ich bestimmt noch eine halbe Stunde lang ein fettes Grinsen im Gesicht.

Nothing is as reliable as a Volkswagen
Nothing is as reliable as a Volkswagen

Metrofahrt: 3 Pesos
Zwei Bustickets: 10 Pesos
Taxifahrt nach Santa Fe + großzügigem Trinkgeld: 80 Pesos
Gewissheit die geilste Aktion gerissen zu haben, die sich ein Europäer in meinem Projekt (bisher) getraut hat: UNBEZAHLBAR

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