Eintausendfünfhundert Quadratkilometer Beton und Stahl

Aussicht von meinem Zimmer - Irgendwo links am Horizont versteckt sich das Stadtzentrum unter der Smogglocke

Aussicht von meinem Zimmer - Irgendwo links am Horizont versteckt sich das Stadtzentrum unter der Smogglocke

Auf Wiedersehen an die zweitgrößte Stadt der Welt.
Auf Wiedersehen an ein halbes Jahr voller Abenteuer.
Auf Wiedersehen (hoffentlich nicht!) an die mexikanische Arbeitswelt.
Auf Wiedersehen an die überfüllte, vollgeschwitze Metro.
Auf Wiedersehen an wilde Fahrten in Mikrobussen, Straßentaxis, Überlandbussen etc.
Auf Wiedersehen an die Taco-Stände die man an vielen Straßenecken findet (sogar noch um 1 Uhr morgens).

Andacht - Die letzten Tacos in Mexiko

Andacht - Die letzten Tacos in Mexiko

Ich werde die gute mexikanische Küche vermissen; besonders Tacos und verschiedene Molesorten. Auch die  Riesenauswahl an Chili werde ich in deutschen Supermärkten leider nicht finden.
Die lockere lateinamerikanische Lebenseinstellung werde ich ebenfalls vermissen.
Aber am meisten vermisse ich die Person die mir in den letzten Monaten ans Herz gewachsen ist. Leider musste ich sie bei meiner Abreise in Mexiko zurücklassen. Um es mit ihren Worten zu sagen: “Das ist nicht gericht!”[sic].

Der “Kulturschock Deutschland” ist weitestgehend ausgeblieben. Ab und an fielen die Unterschiede auf: Die leeren S-Bahnen in den Sommerferien waren natürlich ein Kontrast zu der ständig überfüllten Metro in DF.

Ein anderer Kulturschock in Deutschland waren Fahrradfahrer. Als ich die Kassler Landstr. in Göttingen herunterfuhr, wirbeln an der Abzweigung zum Bahnhof Schwärme von Radfahrern über die Zebrastreifen und Radwege. So viele Radfahrer wie in dem Augenblick habe ich im letzten halben Jahr zusammengerechnet nicht gesehen.

Einen weiteren schönen Schockmoment erfuhr ich in meinem Heimatort als ich nachts auf dem Weg nach Hause war und sich mein Blick ruckartig am Sternenhimmel festsaugte. In meinem Heimatdorf gibt es nachts kaum Lichtverschmutzung, so dass bei geringer oder keiner Bewölkung ein ungetrübter Blick auf den Sternenhimmel möglich ist. Fantastischer Anblick nach sternenlosen Nächten unter dem Neonhorizont von Mexico City!

Außerdem vermisse ich, dass die lateinamerikanischen Popstars die es geschafft haben in Deutschland im Radio zu laufen nicht in spanisch, sondern in englisch singen. *schlotter*

Deutschland hat mich zurück. Einen richtigen Jetlag hatte ich diesmal nicht. Und zu Verabredungen war ich nur in der ersten Woche unpünktlich; wenn man 5-10 Minuten Verspätung überhaut als unpünktlich bezeichnen kann. In Mexiko wären ein paar Minuten nach dem vereinbarten Zeitpunkt überpünktlich.

México lindo y querido. Si muero lejos de ti …

Es steht bereits fest, dass ich wieder nach Mexiko reisen werde.

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UNAM und Coyoacan

Für meine treusten Leser einen Bericht über zwei Wochenenden in Mexiko Stadt. Ich fand es zu unspektakulär um darüber zu schreiben. Aber bitte, hier ein Beitrag über kleine Schätze im Großstadtdschungel.

Wochenende 30-APR + 01-MAI

Weiteres Weltkulturerbe in DF besucht die Cuidad Universitaria – die Universitätsstadt. Wie der Name schon sagt, steht hier die Uni von Mexico City. Von der Ausdehnung ist das Gebiet der Universität mit all seinen Fakultäten ungefähr so groß wie der Ort in dem ich aufgewachsen bin. Es wird daher berechtigsterweise von “Universitätsstadt” gesprochen.

Zentralbibliothek der Universität
Zentralbibliothek der Universität

Estadio Olimpico

Estadio Olimpico - Olympisches Stadion

Eins der vielen Gebäude der Fakultät für Medizin

Eins der vielen Gebäude der Fakultät für Medizin

Wochenende 14-MAI + 15-MAI

Am Samstag war der Geburtstag einer Freundin, den wir mit Boliche (Bowling), Guitar Hero und mexikanischem Bier gefeiert haben.

Am Sonntag schließlich mein dritter Aufenthalt in Coyoacán, bei dem es endlich gelang das Haus von Frida Kahlo und Diego Rivera zu besichtigen. 

Urbane Aktionen - Coyoacan

Urbane Aktionen - Coyoacan

Casa Azul - Museo Frida Kahlo

Casa Azul - Museo Frida Kahlo

Kaffeeröstung in Coyoacan

Kaffeeröstung in Coyoacan

“Recuerda que cada tic-tac es un segundo de la vida que pasa, huye y no se repite, y hay en ella tanta intensidad, tanto interés, que el problema es sólo de saberla vivir. Que cada uno lo resuelva como pueda”  – Frida Kahlo

… außerdem ergab sich etwas an diesem Wochenende, das meinen restlichen Aufenthalt in Mexiko stark verändert. Davon vielleicht beim nächsten Mal in einem Nebensatz mehr … 😉

Alarma Sísmica

Freitag 6-MAI-2011

Am Donnerstagmorgen gab es wieder ein leichtes, aber deutlich spürbares Erdbeben. Wahrscheinlich haben das die Jungs bei unserem Kunden zum Anlass genommen eine simulierte Evakuierung des Gebäudes zu proben.

In jener Woche hatte ich das große Glück mit einer mexikanischen Altherrenrunde den Meetingraum zu teilen (da fallen desöfteren derbe Wörter, wie man in meiner letzten Vokabelliste nachlesen kann). Am Freitagvormittag lugte der Kopf von einem Mitarbeiter durch unsere Tür. Er verkündete uns, dass ein Erdbebenalarm mit Evakuierung geübt wird. Sobald wir den Alarm hören, sollten wir auf den Flur und in einer Reihe zum Notausgang. Stolz trug er dabei eine orangene Oberarmbinde über seinem schwarzen Sakko.

Wenige Minuten später röhrte dann auch der Alarm: “BLÖRP – Alarma Sísmica – BLÖRP – Alarma Sísmica

Naja gut, dann haben wir also den Spaß mitgemacht und sind der Masse durch das Treppenhaus/Notausgang hinausgefolgt.

Evakuierung abgeschlossen?

Evakuierung abgeschlossen?

¿Dónde te agarro el temblor? // Wo hat dich das Beben erwischt?

Donnerstagmorgen 7-APR-2011, kurz nach 8 Uhr 

Mein erstes Mal bei einem Erdbeben dabei – hat überhaupt nicht weh getan.
An jenem Tag habe ich mein erstes ernsthaftes Erdbeben miterlebt. Dummerweise habe ich es erst später als solches wahrgenommen. Morgens um kurz nach 8 Uhr – ich saß bereits beim Kunden und tipselte in Testfällen herum – bebte die Erde in Mexiko und alles was mir dazu einfiel war: “Was ist mit diesem Stuhl los?”

Das Phänomen war recht schnell vorbei (maximal eine Minute). Der mexikanische Kollege der kurz darauf zur Tür hereinkam hat das ganze ebenfalls nicht als Erdbeben wahrgenommen. Er fuhr zu dem Zeitpunkt mit dem Fahrstuhl; hat sich allerdings doch gewundert, warum so viele Leute um kurz nach 8 ihre Schreibtische verlassen. “Wird wohl ein Meeting sein …”

What to do in case of tremors

What to do in case of tremors

Ich habe mir ein Erdbeben mit mehr Geräuschen vorgstellt z.B. mit Alarm und knarzenden Wänden. Das Beben hatte in Mexico City 6.5 Punkte auf der Richterskala (6.7 Punkte im Staat Chiapas wo das Epizentrum lag – ironischerweise in einem Ort, den mir tags zuvor die Kollegen für meine Urlaubsreisen empfohlen haben). Nach Aussagen der Anwohner spürt man in Santa Fe gewohnheitsgemäß weniger bei einem Erdbeben. Im Stadtkern soll es heftiger sein.

Weniger Minuten später schickte mir ein mexikanischer Kollege die Frage “Dónde te agarro el temblor” und dazu den passenden Song eines mexikanischen Sängers der 80er Jahre.

Den bisher ausführlichsten Bericht über das Beben den ich gefunden habe gibt es hier . Insgesamt ist in allen mex. Bundestaaten die vom Beben betroffen waren nichts passiert. Da in DF noch nicht einmal die Alarmglocken ansprangen, war es ein harmloses Beben …

Wann ist der Mensch Mensch? – Ein Wochenende in Mexico City

Ein Wochenende voller Couchsurfing Aktivitäten … ich bin kaum in Sta. Fe gewesen – so gefallen mir die Wochenenden am besten 🙂

Freitagabend/-nacht  01-APR-2011

An diesem Freitag war wieder mit Couchsurfern in der Arena de Mexico zur Lucha Libre. Klar die Showkämpfe sind zweitrangig; die gute Stimmung zählt.

Nach den Luchas sind wir ins “Patrick Miller” zum Tanzen gegangen. Ich hielt das erst für ein Wortspiel von meinen mexikanischen Freunden, doch es gibt wirklich einen Nachtclub in DF mit Namen Patrick Miller. Dort laufen fast ausschließlich Elektro-Remixe von Songs aus den 80ern. Durchaus tanzbar. Aber die Tanzfläche, bzw. die Aufmerksamkeit gehört hier den Tänzern die sich “Battles” liefern. Die meisten sind dabei angezogen wie eine Mischung zwischen Graf Dracula und Prince – warum gibt es nach den Luchas immer solche Freakshows?

Samstag 02-APR-2011 

Tlaloc - Gott des Wassers und Regens

Tlaloc - Gott des Wassers und Regens

Den halben Tag verbrachte ich im Museo Nacional de Antropología. Im Museum gibt es neben einer Einführung in die Anthropologie und die Völkermigration über die Beringstraße viele, viele Ausstellungssääle über mexikanische Urvölker. Allein voran exzellente Sammlungen über Azteken, Maya und das Volk Teotihuacáns.

Insgesamt ist das Museum viel zu groß um es an einem Tag anzusehen. Die Sääle der oberen Ebene habe ich komplett ausgelassen und durch die Sääle von den Zapoteken, Tolteken und Huasteken bin ich nur durchgeschlendert ohne mich tiefer damit auseinanderzusetzen was ausgestellt wird.

Relikte aus Teotihuacán

Relikte aus Teotihuacán

Überrascht hat mich der Saal über die Kulturen der Golfküste. Die Sammlung in DF kann mit der des Museo de Antropología in Xalapa fast mithalten. Es gibt hier sogar zwei “kleine” Olmekenköpfe und olmekischen Schmuck aus Jade. Außerdem grinste mich hier eine berühmte huastekische Figur an, die ich eigentlich in Xalapa vermutet habe. Aber die Sammlung in Xalapa ist trotzdem größer und hat mir besser gefallen.

Nach dem Saal der Maya war ich fertig mit der Welt. Eine sehr interessanter Filmvortrag über die Mayasprache und -schrift bringt mir ein wenig Erleichterung darüber, dass ich nur spanisch lernen muss und keine so komplexe und vielschichtige Sprache wie die der Maya.

Sonntag 03-04-2011

Auf den Schultern von Giganten (Monumento a la Revolución)

Auf den Schultern von Giganten (Monumento a la Revolución)

Auf meiner Liste stand noch eine Fahrstuhlfahrt hinauf auf das Monument für die Revolution (Monumento a la Revolución). Die Aussicht rechtfertigt den Preis nicht – zu viel Smog und unspektakuläre Gebäude in der näheren Umgebung. 

Der Besuch im anliegenden Museo de la Revolución lässt die Enttäuschung schnell wieder vergessen. Hier habe ich gelernt, dass es nicht eine Revolution gab, sondern verschiedene Etappen, die sich über mehrere Jahre hingezogen haben. Namen von Revolutionskämpfern wie Francisco “Pancho” Villa und Emiliano Zapata waren mir schon vorher bekannt, doch im Museum gibt es viel zu entdecken.

Auch in diesem Museum zahlt man sonntags keinen Entritt, so dass viele Familien die Chance nutzten ihren Kindern etwas mehr über mexikanisches Erbe beizubringen.

Sonntag ist und bleibt Familientag bzw. “Community Day”. Nachmittags war ich deshalb bei meiner mexikanischen Couchsurfing Community zum “cook surfing”.

Monumento a la Revolución

Monumento a la Revolución

Davon habe ich schonmal berichtet. Diesmal gab mehr internationale Küche: polnisch, marokkanisch und natürlich mexikanisch. Gekrönt wurde die lange Liste der Speisen diesmal von Käsespätzle – zubereitet von mir in fast dreistündiger Kleinarbeit. Es hatte die gleiche Konsistenz wie Käsespätzle, es schmeckte annähernd wie Käsespätzle – aber es sah überhaupt nicht nach Spätzle aus 🙂

Am Montagmorgen habe ich etwas mitgemacht, was der Durchschnittsmexikaner der in Santa Fe arbeitet jeden Morgen mitmacht: Morgendliches Pendeln nach Santa Fe mit Metro und Micro

Die U-Bahn war zwar nicht vollgestopft, doch gut voll. Micro kaum ein Unterschied. Letztlich kurierte mich das Couchsurfen in Méxicos Zentrum mit anschließendem Pendeln nach Santa Fe von der Idee näher an einem der kulturellen Stadtzentren zu wohnen.

Zurück im Schmelztiegel

Seit etwas mehr als einer Woche bin ich zurück in Mexico City.

Meine Wohnung in Mannheim ist ausgeräumt und übergeben. Ich lebe nun wieder aus dem Rucksack 🙂

Der Flug nach Mexiko und der Weg durch DF nach Santa Fe war für mich nichts besonderes mehr. Routiniert habe ich das Einreiseformular ausgefüllt, wieder “180 días” Aufenthalt eingeheimst, die Zollbeamten sofort überzeugt, dass ich kein ignoranter Gringo bin und am Taxistand habe ich zielstrebig die korrekte Zone meines Ziels genannt – otra vez, bienvenido a México.

Ein klein bisschen fühlte ich mich als Einheimischer, weil ich dem Taxifahrer ohne zu überlegen beschrieben habe wohin er fahren muss. Mein Zimmer liegt diesmal auf der anderen Seite des Hotels. Nämlich auf der Seite wo die morgendlichen und abendlichen Rush Hours von Santa Fe durch starke Geräuschpegel gut wahrnehmbar sind – den Wecker brauche ich morgens nicht mehr.

Die Abwesenheit von Lärm war das erste was ich in Deutschland bemerkt habe. Und der Lärm war das erste was mir in Mexiko wieder auffiel. Das Kuriose ist, dass es mich nicht mal mehr stört. Es gehört zur Umgebung. Auch die Betriebsamkeit in den Projekträumen ist wieder eine krasse Umstellung zu den ruhigen Büros in Walldorf (hätte nie gedacht, dass ich die Büros im hektischen Walldorf und “Ruhe”  mal in einem Satz nennen würde).

Positiv aufgefallen ist die Begrüßung die mir von Seiten der Kunden und lateinamerikanischen Berater entgegengebracht wurde. Nach nur zweiwöchiger Abwesenheit war mein Empfang von den mexikanischen Kollegen herzlicher als der Empfang, der mir nach fast dreimonatiger Abwesenheit von meinen deutschen Kollegen entgegengebracht wurde – naja, nachvollziehen kann ich es schon.
In Deutschland rief bei meiner Rückkehr niemand begeistert “PATRICK!” durch den Flur; in Mexiko schon.

Die quirlige mexikanische Lebensart (und Arbeitsweise) gibt mir das nötige Durchhaltevermögen für dieses Projekt. Nie war die Arbeitslast so hoch wie in diesen Tagen …
Dadurch, dass ich mich auf die mexikanische Art und vor allem auf Spanisch als Projektsprache eingelassen habe, wurde ich viel stärker in das Projektteam integriert als die anderen deutschen Berater. Ich genieße meine Sonderstellung. 

Anfang dieser Woche habe ich den Projektleiter von Kundenseite mit dem ich eng zusammenarbeite gefragt, ob er das “Du” oder “Sie” bevorzugt. Da ich immer mehr in der Projektarbeit spanisch spreche, ist es mir wichtig zu wissen woran ich bin. Die meisten Projektmanager haben mir schon in den ersten Wochen das Du angeboten – mit ihm habe ich nie drüber geredet, weil wir meistens englisch miteinander sprechen. Ohne zu zögern sagte er “¡Tú! ¡Tú!” (spanisch für “Du! Du!”). Aber danach huschte ein kleiner, kaum wahrnehmbarer, weiß-grauer Schatten der Kränkung über sein Gesicht. Ich vermute er hielt es für selbstverständlich, dass ich ihn duzen soll.

Ich kann nach einer Woche nicht sagen, ob ich mich freue wieder zurück zu sein. 
Mein Hass auf Santa Fe ist noch nicht wieder entbrannt. Santa Fe gegenüber bin ich derzeit emotionslos; aber lieben werde ich es wohl nie. Die abgasgeschwängerte Luft, permanentes Rauschen von Klimaanlagen, die feuchten amerikanischen Träume die hier von der mexikanischen Oberschicht auslebt werden, der tägliche Verkehrsinfarkt und Logenplätze auf die Smogglocke von DF sind für mich absolute Gegenteile von guter Lebensqualität.

Dann aber wieder das exzellente mexikanische Essen, die strahlenden Gesichter von Bekannten/Freunden und die buena onda die im Projekt herrscht … 
All die Kontraste Mexikos … Patricio ist zurück; seit dem ersten Moment in dem ich wieder mexikanischen Boden betrat. Und ich brenne auf mehr Erfahrungen!

Intermezzi

Die kleinen Ablenkungen vom Alltag, die es nicht zu einem eigenständigen Blogpost gebracht haben, aber die es wert sind, erwähnt zu werden:

Regionallager Tacubaya 02-FEB-2011 – Ungewöhnliches Meeting

Es passierte in meiner zweiten Woche beim Kunden, dass ich zu einem “Meeting” in ein regionales Distributionszentrum (CD) nach Tacubaya eingeladen wurde. Dies ist eine der vielen spontanen Aktionen, die mir die Mexikaner ungefähr in dem Moment mitteilen, wenn es losgehen soll 😉
 
Zudem gab es noch ein Missverständniss was dieses “Meeting” anging. Ein Kollege von Kundenseite sagte er werde mir das Lager zeigen. Es kam mir nicht komisch vor, dass zwei der Kollegen Turnbeutel bzw. gefüllte Plastiktüten mitnahmen. Seltsam fand ich jedoch, dass mir die Kollegen auf der Taxifahrt nach Tacubaya Fragen über Fußball gestellt haben … insbesondere, ob ich selbst spiele, wer der beste deutsche Fußballspieler sei etc. Aber ich ahnte erstmal nichts.
 
Als wir dann am CD ankamen, wurde mir der Hintergrund des Meetings klarer. Vor dem Lager wartete schon die Belegschaft des Lagers in Fußballklamotten, denn es ging um ein Freundschaftsspiel und kein Arbeitsmeeting. Selbst der Direktor der Logistikabteilung und ein paar Projektleiter standen dort in Trainingsdress – und ich natürlich noch im Anzug mit Kravatte 😀

Fútbol unweit vom Regionallager Tacubaya

Fútbol unweit vom Regionallager Tacubaya

Aber ja, die Kunden haben mir das Lager gezeigt – nämlich von außen. Ungefähr so: “Aquí estamos. Dort sind die 4 Docks für Wareneingang, dort dann die Tore für Warenausgang zu den Filialen. So, nun lass uns zum Fußball gehen …”

Auch wenn das Meeting anders ausfiel als erwartet, war es sehr spaßiges – obwohl ich von den Fußballgesängen nur die Hälfte verstanden habe. Durch uns als Zuschauer herrschte auf den kleinen Zuschauerrängen des Bolzplatzes ein ziemliches Spektakel.

Die Kanäle von Xochimilco – Donnerstag 24-FEB-2011

Ich hatte mir frei genommen um zu einer Geburtstagsparty in den südlichen Stadtteil Xochimilco zu fahren. Auf der Party war ich der einzige Gast, weil die Mexikaner die sonst eingeladen waren – und wohl auch zugesagt hatten – die Verbindlichkeit von mexikanische Zusagen an diesem Tag bestens demonstrierten. 

Die Kanäle von Xochimilco vermitteln einen Eindruck wie das Gebiet um Tenochtitlan – die Aztekenhauptstadt bzw. das heutige centro historico von Mexico City – ausgesehen haben könnte. In diesem Stück Natur vergisst man, dass man sich in der zweitgrößten Agglomeration der Welt befindet. Gerade weil ich in jener Woche ziemlich angewidert war von Santa Fe, war der Nachmittag in Xochimilco doppelt schön.

Kanäle von Xochimilco

Kanäle von Xochimilco

Kanäle von Xochimilco

Kanäle von Xochimilco

Kanäle von Xochimilco

Kanäle von Xochimilco

Die Fahrt nach Xochimilco dauerte ca. 2 Stunden – einfache Strecke. Ich wechselte viermal das Verkehrsmittel bis ich endlich am Treffpunkt war (micro, metro, tren ligero, taxi). Für die abendliche Fahrt zurück nach Santa Fe wählte ich andere Verkehrsmittel, doch trotzdem dauerte es wieder 2 Stunden. 
Damit wurde mir die Erfahrung zuteil, welche gigantischen Ausmaße Mexico City hat. Bei der abendlichen Heimfahrt auf dem Periférico (Schnellstraße mit mehreren Etagen) sieht man nur Lichter bis zum Horizont – egal in welche Himmelrichtung man schaut.

Abendverkehr Periférico

Abendverkehr Periférico

Coyoacan – Beim Knurren der Kojoten ersterben die Motoren 5-MAR-2011

Und plötzlich … Stille.
An einem Samstagmittag traf ich mich mit Claudia in Coyoacan (zentral gelegener Stadtteil von Mexico City). Mitten in der Stadt findet man – zumindest bis zum Nachmittag – zwei Plazas an denen man keinen oder nur sehr geringen Stadtlärm wahrnimmt. Jedenfalls bemerkte ich nach meiner Arbeitswoche in Santa Fe sehr schnell, dass es in Coyoacan ein bisschen ruhiger zugeht. Aber das hielt wirklich nur bis zum frühen Nachmittag …