Ausufernder Kolonialstil in Campeche

15-Junio-2011 – 18-Junio-2011
Mein Urlaub beginnt mit dem Flug von DF nach Ciudad del Carmen. In dieser Stadt gibt es praktisch nichts außer Erdöl (die Stadt liegt auf einer Insel an der südlichen Golfküste). Ciudad del Carmen habe ich lediglich als Sprungbrett für meine Reise über die Halbinsel Yucatán genutzt. Meine erste Etappe führte mich in die Stadt Campeche im gleichnamigen Bundesstaat. Bereits die Busfahrt entlang an der Golfküste nach Campeche war ein neues Erlebnis für mich. Rechts der Straße wildert der tropische Wald und links der Straße schwappen die Wellen vom mexikanischen Golf ans Ufer.

Campeche kann ich als Reiseziel weiterempfehlen. Der nahezu komplett restaurierte Stadtkern ist das Disneyland für Kolonialarchitektur. Die märchenhafte Altstadt liegt nur wenige hundert Meter von der Golfküste inmitten von Mauerresten und Baluartes (Festungspunkten). Zur Kolonialzeit begann der Golf bereits an den Festungsmauern. Nach vernichtenden Piratenüberfällen im 16. und 17. Jahrhundert haben die Spanier beschlossen den Stadtkern mit Mauern und Festungsanlagen zu schützen. Die Festungsanlagen werden heute meist als Museen genutzt und sind gute Orte um die heißen Nachmittage an einem kühlen Ort zu verbringen.

Einen Morgenlauf am malecón (Flanierweg am Meerufer) habe ich mir nicht nehmen lassen. Aber die Sonne hier ist gnadenlos. Gefährlicher sind nur die Moskitos 😉

Fort San Miguel

Fort San Miguel

Fort San Miguel

Fort San Miguel

Malecón

Malecón

Außerhalb der alten Stadtmauern herrscht zwar das chaotisch laute und turbulent bunte Treiben, das man in jeder mexikanischen Stadt findet. Und die nachmittägliche Markthalle erzeugte bei mir Brechreiz! Doch wenn die grelle Sonne vom hellblauen Himmel auf die pastellfarbenen Hausfassaden im Kolonialstil scheint, erkennt man etwas besonderes gefunden zu haben. Diese Stadt ist so unwirklich, geradezu ein Ort der Harmonie. Das ist ungewöhnlich für eine mexikanische Stadt ihrer Größe. Campeche ist das Brügge von Mexiko – mit dem Unterschied, dass es in Brügge kalt ist und mehr Touristen herumlaufen als Einheimische. Mich würde es nicht wundern, wenn sich in 2-5 Jahren Campeche in einen solchen Touristenmoloch verwandelt hat. Dezeit ist der Tourismus auf einem gesunden Niveau. Nur vereinzelte blonde Pärchen die gedankenverloren im Lonely Planet blättern fallen auf.

Campeche - Am Zócalo

Campeche - Am Zócalo

Blick auf Zócalo

Blick auf Zócalo

Altstadt von Campeche

Altstadt von Campeche

Mich nervte nur, dass die Maya Stätten im Bundesstaate Campeche nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zugänglich sind. So verbrachte ich den ersten Nachmittag mit der Fragererei nach Transfer zu den Ruinen von Edzná und Calakmul. Selbst die Mädels im Touristenbüro verwiesen mich hier an Reisegesellschaften und private Touren, anstatt mir Busse oder collectivos empfehlen zu können.

Es ist zwar kein Geheimtipp mehr, doch touristisch ist die Stadt noch nicht – darum hat Sie mir wahrscheinlich auch so gut gefallen.

El Tajín – Unterwegs im Norden von Veracruz

Wochenende 15-APR … 17-APR-2011

Das große Ziel meines Wochenendes war die Stätte El Tajín. Dies war die wohl wichtigste Stadt im prekolumbianischen Mesoamerika. Sie liegt im tropischen Wald des Nordens von Veracruz; etwas abseits der gewöhnlichen Touristenrouten Mexikos.

Bereits auf meiner Reise nach Xalapa wurde mein Interesse für diese Ruinenstadt geweckt. Speziell das Ballspiel dem sehr viele Urvölker Mexikos nachgingen interessierte mich. Die Spielregeln bleiben für mich vage. Zu meinem Trost sind sich auch Archäologen/Forscher nicht komplett im Bilde über die Spielregeln. Es ist bekannt, dass dabei spezielle Bekeidung getragen wurde (Gürtel sowie Arm- und Knieschoner). Es galt einen (oder mehrere?) Bälle aus Kautschuk in der Luft zu halten bzw. durch Steinringe an den Seiten der Spielmauern zu befördern – so jedenfalls die gängigen Interpretationen. Menschenopfer gehörten ebenfalls dazu. Wobei sich die Experten nicht sicher sind, ob die Verlierer oder die Gewinner den Göttern geopfert wurden.

Juego de Pelota Norte - Nördliches Spielfeld

Juego de Pelota Norte - Nördliches Spielfeld

 

Juego de Pelota Sur - Südliches Spielfeld

Juego de Pelota Sur - Südliches Spielfeld

... noch ein Spielfeld

... noch ein Spielfeld

Trotz der Tatsache, dass ich nichts Neues über das Ballspiel herausgefunden habe, hat sich die Reise nach El Tajín mehr als gelohnt. El Tajín steht weit oben auf meiner Favoritenliste der mystischen Orte Mexikos. Die Pyramiden sind zwar nicht so groß wie in Teotihuacán, allerdings stehen hier viel mehr Gebäude unterschiedlicher Bauarten und es gibt viele Nischen, Ecken und Details die man entdecken kann. Die Atmosphäre in dieser Ruinenstadt dringt in jede Pore.

Gebäude im Wald

Gebäude im Wald

Details im Relief

Details im Relief

Treppenpiramide

Treppenpiramide

Trotz Bewölkung und teilweise Regen hat mir das Erkunden dieser mesoamerikanischen Stätte sehr viel Spaß gemacht. Der Wechsel von abklingender schwüler Hitze in Regen und Hochnebel trug zur tollen Atmosphäre bei: Auf grün-überwucherten Hügeln wandert man über steinernde Pfade an treppenförmign Gebäuden vorbei, vereinzelt klatschen Regentropfen leise ins Blattwerk, exotisches Vogelzwitscher (und -geschrei) wechselt mit einer tiefen Stille.

Blick zur Pirámide de los Nichos

Blick zur Pirámide de los Nichos

Pirámide de los Nichos

Pirámide de los Nichos

Edificio B - Dem Donnergott Tajín gewidmet

Edificio B - Dem Donnergott Tajín gewidmet

Die Abwesenheit von großen Touristenmassen versüßte mir den Aufenhalt. Ausländische Reisende sind hier in einer verschwindend geringen Minderheit. Es war nicht schwer ein paar Fotos zu schießen ohne zusätzliche Touristen die durch das Bild laufen. Die Kehrseite ist natürlich, dass ich mit dem Selbstauslöser experimentieren musste, wenn ich ein Bild von mir vor einer Pyramide schießen wollte.

Aussichten: Bewölkt, bei feuchter Hitze

Aussichten: Bewölkt, bei feuchter Hitze

… und sonst? Da El Tajín vernab der gewöhnlichen Reiserouten und weiter entfernt von größeren Städten liegt, war Couchsurfen hier ein bisschen schwerer. Es gibt nur eine handvoll Surfer. In dem Ort Papantla – der als Sprungbrett für El Tajín gilt – gibt es scheinbar gar keine Surfer. Ich fand einen Gastgeber in Poza Rica. Unschwer zu erkennen, dass dies ein Ort der Erdölförderung ist. Bereits vor dem Stadteingang wird man von Türmen zur Gasverbrennung begrüßt, die zu beiden Seiten die Straßen flankieren. Toller Anblick, wenn man in der Dunkelheit der Nacht ankommt und die Flammen den tropischen Wald in rotes Licht tauchen.

Mein Gastgeber arbeitet in der Ölförderung. Genauer gesagt in der perforación (Bohrung). Dort gibt es gut bezahlte Jobs – aufgrund des hohen Arbeitsrisikos. So lernte ich also an meinen ersten Abend eine ganze Menge mehr über Erdölförderung. z.B. gibt es einen Zyklus in der Förderung der sich reparación nennt. Hierbei lässt man die Quelle aus der gefördet wurde ca. 3-8 Jahre ruhen. Dadurch entsteht wieder auf natürliche Weise Überdruck durch das sich bildende Erdgas (die Araber hingegen pumpen jedoch gnadenlos Meerwasser und Gas in ihre Ölfelder um stetig fördern zu können). Meine unbelegte Vermutung ist, dass diese Regenerationszyklen das mexikanische Öl verteuern könnten. [Benzin ist in Mexiko unverschämt billig]

Außerdem hatte ich mit meinen Gestgebern Freitagnacht meine erste Begegnung mit einer Straßensperre der Polizei.

Zum Frühstück gab es am Samstagmorgen ein huastekisches Gericht namens Zacahuilt. Es ist den Tamales sehr ähnlich. Zacahuilt wird ebenfalls in Palmenblättern eingewickelt und Hauptzutat ist gelber Mais, der nach Zubereitung mindestens eine Nacht gärt. Abgesehen von dem Hühnerfleisch das beigegeben wird, sind mir die restlichen Zutaten unbekannt. Das Essen von der Straße war diesmal eine Nummer anspruchsvoller!

Die Familie meines Gastgebers hat mich mehr als herzlich empfangen. Wir sind am Samstagabend nach Tuxpan (auch Tuxpam genannt) gefahren um die Großmutter zu Verwandten zu bringen. Aber vorher sind wir in das – nach Aussagen der Familie – beste Restaurant für mariscos (Meeresfrüchte) gegangen. Naja, was heißt Restaurant,  rustikale Hütte am Kanal trifft es eher. Aber der Coctel de Caracol war lecker.

Die einzige Attraktion dieses Wochenendes war zwar nur El Tajín, doch der Rest des Wochenendes war die Teilnahme am Leben der mexikanischen Durchschnittsbürger der Golfküste.

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Veracruz

Samstagabend 12-MAR / Sonntag 13-MAR-2011

Nach dem Aufenthalt in Xalapa bin ich am Samstagnachmittag nach Veracruz weitergereist.

Auch in dieser Stadt habe ich Couchsurfer gefunden. In Xalapa hatte ich bereits kleine Probleme das Haus meiner Gastgeberin zu finden, denn dort gab es zwei Häuser mit der gleichen Hausnummer (in derselben Straße!).

In Veracruz begann es schon damit, dass ich die Straße meiner Gasteberin nicht selbst gefunden habe. Der Taxifahrer den ich angeheuert habe, sicherte mir zweimal zu die Straße zu kennen – selbst dann noch, als er irritiert-suchend im Kreis fuhr. Er hat dann per Funk von seinem sitio Fahranweisungen bekommen und die Straße schließlich gefunden. Aber die Hausnummer nach der ich suchte gab es in der Straße ebenfalls mehrmals – gleich 4 mal! Das habe ich natürlich erst festgestellt, nachdem ich am falschen Haus geklingelt habe …

Mit meiner Gastgeberin und ihren Freundinnnin war ich in nachts in einer Bar wo es live Rockmusik zu hören gab. Die Bar lag direkt am Meer – wobei man nachts davon nicht viel gesehen hat. Es war eine nette Abwechslung, wieder handgemachte Rockmusik zu hören und nicht die meist traurige Mariachimusik, die sogar im Radio läuft.

Das historische Zentrum von Veracruz habe ich am folgenden Sonntag erkundet. Veracruz spielte in so ziemlich jeder Epoche mexikanischer Geschichte eine Rolle. Es gibt in der Tat ein paar hübsche Flecken in der Stadt, aber ihre besten Tage hat sie bereits gesehen …

Hier ein paar Bilder:

¿Porque vas a Xalapa? // Warum fährst du nach Xalapa?

Freitag 11-MAR 2011 / Samstag  12-MAR-2011
Xalapa ist die Hauptstadt des Bundesstaates Veracruz. Aber mit knapp 440,000 Einwohnern zählt sie zu den mexikanischen Kleinstädten und gilt eher als unspektakulär. Daher wurde ich im Vorfeld desöfteren gefragt, wie ich überhaupt auf die Idee komme nach Xalapa zu fahren. Meine Antwort auf die Frage: “Quiero ver las cabezas olmecas” (Ich möchte mir die Olmekenköpfe ansehen).

Cabeza Olmeca

Cabeza Olmeca

Die Olmeken gelten als Mutterkultur Mexikos. Sie lebten im heutigen Veracruz und Tabasco und übten über ihren Lebensraum und ihre Epoche hinaus großen Einfluss auf weitere mexikanische Stämme aus.
Da mein begrenztes Wissen über die mysteriösen Olmeken nur aus Indiana Jones stammt, wollte ich unbedingt mehr erfahren (die Olmeken gehörten zu den ersten Dingen die mir eingefallen sind, als ich über meinen Mexikoaufenhalt nachdachte).
Die wichtigsten Stätten um sich die Hinterlassenschaften der Olmeken anzusehen sind Villahermosa (bzw. La Venta) und Xalapa. Villahermosa liegt für einen Wochenendausflug leider zu weit weg von Mexico City. Also bin ich am Freitag nach Xalapa aufgebrochen.
… und wenn ich schonmal im Bundesstaat Veracruz bin, dann kann ich im Anschluss einen Abstecher in die Stadt Veracruz unternehmen (dazu ein andermal mehr).

In Xalapa habe ich einen netten Freitagabend mit Couchsurfern verbracht. Meine Gastgeberin hatte mich vorgewarnt, dass sie noch weitere Couchsurfer hat – nämlich sechs … aber in Wirklichkeit hat sie gar keine Couch!  In Mexiko überrascht mich nichts mehr – ernsthaft, rein gar nichts mehr …
Wir hatten einen lustigen Abend mit Quesadillas, lateinamerikanischer Musik und Licor de Agave (besser bekannt als Mezcal). Zuerst waren wir zu viert, später zu acht oder zu neunt und zum Schluss schließlich zu fünft. 

Olmekenkopf

Olmekenkopf

Die Aufmachung des Museo de Antropología ist sehr gelungen. In Nischen mit tropischen Gärten stehen die größeren Ausstellungsstücke (nicht nur Olmekenköpfe, sondern auch große Skulpturen von Menschen, Göttern, Tieren). Die Olmeken müssen bereits ein ausgeklügeltes Logistiksystem aufgebaut haben, denn das Gestein stammt aus einem Vulkangebiet, dass ca. 60 KM von den Fundorten entfernt liegt.

Ein weiterer Fakt der mir unbekannt war: Die Olmeken haben bereits Jade bearbeitet. Sie hatten, wie viele mexikanische Ureinwohner nach ihnen, ein hierarchisches Sozialsystem und sie haben diverse Götter angebetet.

Kathedrale von Xalapa

Kathedrale von Xalapa

Die verschiedenen Kulturen Mexikos haben sich gegenseitig die Klinke in die Hand gegeben und durch gesellschaftlichen Austausch oder gegenseitige Eroberungen diverse Gottheiten oder Bräuche übernommen.
Bestes Beispiel ist Quetzalcóatl – die gefiederte Schlange. Diese Gottheit taucht bereits bei den Urvölkern Mesoamerikas auf und spielt in vielen der nachfolgenden Stämme eine wichtige Rolle (vor allem bei Azteken, Maya und Bewohnern Teotihuacáns).

Der Besuch im Museum hat sich mehr als gelohnt. Ich habe viel über die Olmeken und weitere Ureinwohner von Mesoamerika erfahren. Außerdem habe ich viele Fotos im Museum geschossen, die ich noch aufarbeiten werde.

auf diesem Bild versteckt sich ein schneebedeckter Berg

auf diesem Bild versteckt sich ein schneebedeckter Berg

Was hat Xalapa sonst noch zu bieten? Viele Parks, eine unvollendete Kathedrale und eine tolle Aussicht auf einen schneebedeckten Gipfel (den Pico de Orizaba?). Leider wird der Blick durch eine Smogschicht getrübt.

… und ich habe von Couchsurfern und Bewohnern Xalapas unzählige Tipps bekommen, welche Perlen es um Xalapa herum noch zu entdecken gibt. Vielleicht komme ich noch einmal wieder. Immerhin habe ich in Xalapa einen Kollegen, der schon zweimal eine Einladung zu sich nach Hause ausgesprochen hat. Wenn er die Einladung ein drittes Mal ausspricht, dann meint er sie wirklich ernst 😉