Der ganze Aufwand nur für die Atlanten von Tula …

Sonntag 22-MAI-2011

Nach unserem Aufenthalt in Tepotzotlán reisten Roberta und ich weiter nach Tula de Allende (im Bundesstaat Hidalgo).

Mit den Bussen hatten wir ein paar Schwierigkeiten. Den richtigen Bus zu finden ist ein mir nicht unbekanntes Problem in Mexiko 😉  Aber es ist mir bisher noch nie passiert, dass ich einen Überlandbus verpasst habe. Ich musste zwar schon desöfteren nachfragen wie/wo/wann überhaupt der Bus fährt der zu meinem Ticket gehört, aber so viel mexikanische Organisationskunst wie an diesem Busterminal habe ich noch nicht erlebt: Null Beratung über die Busverbindungen durch die Verkäuferin. An der Plattform wo der Bus vermeintlich fahren sollte, stand dann allerdings ein Bus in eine komplett andere Richtung. Nach erneutem Nachfragen beschlossen wir weiter zu warten. Es fuhr, mit knapp 30 Minuten Verspätung, schließlich ein Bus Richtung Tula ein. Allerdings war das es eine Direktverbindung nach Tula. Wir hatten Tickets für einen Bus mit Zwischenstops. Der Busfahrer hätte uns gern mitgenommen, wenn wir noch einen klitzekleinen Aufschlag gezahlt hätten. Der klitzekleine Aufschlag war allerdings genausohoch wie der Kaufpreis unserer Tickets.

Apfel und Lutscher mit Chili

Apfel und Lutscher mit Chili

Als wir beschlossen weiter zu warten, sah ich ein paar Haltebuchten weiter hinten den eigentlichen Bus nach Tula abfahren. Winken und Gestikulieren blieb vergebens – der Bus war nicht zu bremsen. Uns wurde gesagt, die Tickets seien auch für den nächsten Bus gültig. Uns wurde allerdings auch im Vorfeld gesagt, der Bus nach Tula führe von genau der Haltbucht wo wir standen (und nicht etwas 4-5 Buchten weiter hinten). An dem Tag hörte ich meine Freundin öfter über das Servicepersonal an Busterminals fluchen. Lange Rede kurzer Sinn: Die Wartezeit auf den nächsten Bus nach Tula, der uns auch mitnahm, vertrieben wir mit mexikanischen Süßigkeiten – Erdbeerlutscher mit Chilipulver.

Am Sonntagnachmittag kamen wir schließlich in Tula an und sind zu den Ruinen gefahren. Tula war eine wichtige Stadt der Tolteken. Das Besondere sind die Tempelreste auf einer Stufenpyramide. Der eigentliche Tempel selbst ist zerstört. Es stehen aber noch einige 4,5 Meter hohe Atlanten und Stelen auf der Plattform der Pyramide. Die imposanten Atlanten aus Basalt waren einst die Stützpfeiler des Tempeldaches.

 

Palacio Quemado

Palacio Quemado

Die Atlanten von Tula

Die Atlanten von Tula

 

Ruinas de Tula
Ruinas de Tula

 

Der Blick von der Platform kann ganz toll sein; abhängig von der Himmelsrichtung in die man blickt. Im Nordwesten und Norden sieht man Hügel und Berglandschaften, im Osten steht die Industriemeile mit rauchenden Schornsteinen und Türmen zur Gasverbrennung, und im Süden hat man Blick auf einen Stadtteil der nur aus Häusern mit typisch mexikanischer Minimalarchitektur besteht: grauer Putz auf graue doppelstöckige Betonfassaden

Die archäologische Stätte habe ich mir größer vorgestellt. Es wird angenommen, dass die Stadt zu ihrer Blütezeit zwischen 900 – 1100 n.Chr. eine Fläche von 12km² eingenommen hat. Aber von den Ruinen ist nur ein Teil für die Öffentlichkeit zugänglich. Allerdings wird man dadurch entschädigt, dass man in Tula auf alle dortigen Pyramiden steigen kann.

Stillgestanden!

Stillgestanden!

Mythische Schlange frisst Mann

Mythische Schlange frisst Mann

Mexikanische Klichees in Hidalgo

Mexikanische Klichees in Hidalgo

Die Spielfelder in Tula für das rituelle Ballspiel sind proportional betrachtet ein bisschen länger als Spielfelder die ich in El Tajín oder Monte Albán gesehen habe. Die Tolteken waren also entweder besser trainiert oder haben nach anderem Regelwerk gespielt. Ganz drollig fand ich, dass ein kleiner mexikanischer Junge beim Blick über die Mauer des Spielfeldes fordernd seinen Bruder fragte, wie man das Spiel gespielt habe und ich an der Stelle mein gesammeltes Wissen aus den anthropologischen Museen Mexikos preisgeben konnte.

Kirche von Tula - Hauptaltar

Kirche von Tula - Hauptaltar

Die Stadt Tula selbst ist eher verschlafen und untouristisch. So ist es nicht verwunderlich, dass wir rund um den Zocalo keine Restaurants fanden (und wir schließlich in einer Crepería landeten). Die Kirche von Tula gefiel mir sehr gut. In Architektur und Ausstattung sehr schlicht gehalten. Das für eine Kirche eher unkonventionelle Bildnis über dem Altar gefiel mir so gut, dass ich sogar ein Foto davon geschossen habe – und sonst schieße ich nur Fotos in Kirchen, wenn ich Eintrit zahlen muss …
Das Altarbild erzählt die Historie der prehispanischen Einwohner, über die Eroberung und anschließende Missionierung durch die Spanier.

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… und sie fahren doch!

Micros nahe der Metro Tacubaya

Micros nahe der Metro Tacubaya

Nach meinen Startschwierigkeiten mit den Bussen habe ich mittlerweile rausbekommen, welche Busse zwischen Santa Fe und ein paar Metro-Stationen pendeln. Bei den nächsten Versuchen per Bus nach Santa Fe zurückzukommen musste ich letztes Wochenende allerdings noch herumfragen … wenn ein Busfahrer sagt, el último führe nach Santa Fe, dann meint er wirklich den allerallerletzten Bus in der Schlange. In googlemaps sind die Warteschlangen der grün-weißen Busse an der Station Tacubaya gut zu erkennen (als Hilfe noch mit grünem Pfeil markiert). Seit dem vergangenen Wochenende klappt das Pendeln in die Innenstadt per Bus relativ gut Allerdings dauert es mind. eine Stunde um von Santa Fe per Bus und Metro an eine Station in der Innenstadt zu kommen … aber die murales entlang der Strecke Tacubaya/Santa Fe sind sehenswert. Wer hier von Grafitti redet ist ein Kunstbanause.

Hinterteil eines micros und ein mural in Tacubaya

Hinterteil eines micros und ein mural in Tacubaya

In Mexico City gibt es verschiedene Typen von Bussen im Nahverkehr. Ich nehme meistens einen sogenannten micro. Der ist etwas kleiner als ein Linienbus, doch immerhin noch größer als ein pesero. Ein pesero spielt in der Liga der Kleinbusse (z.B. VW Busse). Die peseros nennt man mancherorts auch colectivos. Diese funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie die camionetas – nur mit anderen Fahrzeugklassen. Doch auch in der Mittelklasse der Busse gibt es noch Abstufungen. Daher werden desöfteren auch die micros mit peseros bezeichnet … noch Fragen? 😉

So ganz rausgefunden warum ich manchmal 4 Pesos und manchmal 5 Pesos für die Fahrt zu den Metrostationen Tacubaya oder Observatorio zahle, habe ich noch nicht.

Meine Theorien:

(1) Bei micros die offensichtlich unbequem, laut, in irgendeinerweise defekt und/oder kurz vor dem 5. Motorversagen stehen, wird ein reduzierter Fahrpreis von 4 Pesos angeboten.

Micro von Innen (man beachte das große Kruzefix)

Micro von Innen (man beachte das große Kruzefix)

(2) Für die Fahrt mit micros die neu oder gut instandgehalten wurden und/oder mit kreativem Interieur aufwarten können, zahlt man ein erhöhtes Fahrgeld von 5 Pesos (Beispiele für kreatives Interieur: Schaltknauf von Ferrari oder Porsche, Kruzefix und/oder Marienstatue, Amaturen des Fahrers komplett im Stile des Batmobils gehalten … um nur ein paar der “Tuning”-Varianten zu nennen)

(3) Musik! Wenn der Fahrer die Fahrgäste an seiner Musik teilhaben lässt, habe ich immer 5 Pesos gezahlt – manchmal sogar mit Vergnügen 🙂

(Eine Einheimische hat meine Theorie Nr. 2 bekräftigt 🙂 )

Die Fahrten zwischen dem Südteil des lebhaften Arbeiterviertels Tacubaya und Santa Fe sind manchmal ein Erlebnis für sich:

Wenn's voll wird sitzt Junior vorn

Wenn's voll wird sitzt Junior vorn ...

Auf- und Abspringen erinnert an verwackelte Handkameraszenen aus Aktionfilmen – mit dem Unterschied, dass man selbst kein Stuntdouble hat.

Am Wochenende sind die Straßen häufig frei, was die Fahrer zu Rennen oder Geschwindigkeitsrekorden animiert.

Desöfteren habe ich mich gefragt, ob es eine Art TÜV auch in Mexiko gibt. Die micros mit derangierter Hinterachse sprechen hier eine deutliche Sprache: Nein, gibt es (wahrscheinlich) nicht! 

Die maximale Zuladung eines Micros ist ebenfalls Auslegungssache. Zu Feierabendszeiten fahren einige Busse mit starker Schlagseite, weil jeweils noch 3-4 Leute auf den Trittbrettern mitfahren (denn im Bus stapeln sich bereits die Leute).

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Nothing is as reliable as a Volkswagen; especially if you don’t know how the buses work

… what’s missing in my last article about the trip to downtown Mexico City: the way back home. Here are the details that are not in the Lonely Planet. 

It took me nearly 2.5 hours to to get back to Santa Fe via Metro, bus, and taxi. The short trip to Polanco/Auditorio via Metro was quite relaxing because the Metro is not so crowded on sundays. To me it seemed far too boring to take a taxi back to the hotel as long as I haven’t tried to ride via bus.

First challenge: How does a bus stop look like in Mexico ?

In Santa Fe I’ve alreadey seen buses that stop at the road and people jump on or off the bus. However, I couldn’t recognise anything like a bus stop – neither a shelter nor a road sign.

My couchsurfer said: “There are no official bus stops. When you see a bus you can hail the driver to stop …” Correct, but that is not the whole truth. There are official bus stops and there are unofficial bus stops. The official bus stops can be recognised by a small shelter – the unofficial bus stops can be recognized by a waiting crowd of people.

It is possible to get off anywhere on the bus route. One must only signal the driver that he/she wants to get off. Then the driver stops the bus. The Hop-on/Hop-off principle 😉

Second challenge: How do you find out which bus lines serve the bus stop?

Bus schedules are extremely rare, even at official bus stops. Not to speak about departure times! But departure times don’t matter to me if I only knew which bus I should take.

an official bus stop

an official bus stop

So I asked one of the waiting pedestrians, whether he knows if there is a bus to Santa Fe. I was surprised by his answer: “There is a bus to Santa Fe. But that bus will come a bit later.” Actually I expected an answer like “Mañana …” (mañana means tomorrow, and this answer is given if someone does not know the real answer). The señor also told me that I should take the bus which goes to Cuajimalpa. I was a bit suspicious about his answer. By now I can tell if a Mexican knows an answer by heart or if the Mexican makes something up out of embarrasement.

Dicho y hecho (Said – Done), I got on the bus to Cuajimalpa. At first the bus took the way back to Santa Fe, but it took a different junction and instead of going via highway it drove through residential areas. Seemed logical to me, since it is hard to let passengers hop on or off on the highway. However, I did not recognize any of the skyscrapers in that area. And finally, when there were  no skyscrapers at all , but only crooked little houses next to the crowded mountain road, I knew: “This is not the way back home …”

somewhere in Cuajimalpa in a traffic jam

That area of Cuajimalpa/Mexico City was not exactly a slum, but not a nice neighborhood either. There were straying dogs, garbage, crowded narrow streets, noisy, rusty and salvaged car wrecks on the street …

When the street got too crowded with vehicles of any kind, I got off the bus and boarded another bus going into the opposite direction. It was not the same line, but since the direction of the other bus was  Chapultepec, I could be sure to go the way back to downtown and then exit after the intersection of Santa Fe. From there, I would muddle me trough … (this reminds me of someone saying before my trip: “You are an ex-marine. Therefore you are well prepared for the strange environment in Mexico …”)

So I got back to the Santa Fe intersection. By the time I jumped off the bus the fate gave me a friendly pat on the back because I spotted a taxi cab that I already wanted to ride in the times when I knew México City only from pictures: a VW Beetle Taxi

So I tried something that every travel guide labels as dangerous or risky: I hailed a street taxi and boarded it

At least I knew partly what to do:

– The taxi had an official ID (A plus 5 digits)
– The driver was able to show me his taxi license with a photograph that matches his own appearance
– I asked immediately for the fare

All points build a good basis to drive with a street taxi. However, my driver Gregorio would rather drive a Japanese car as the Beetle. One can not blame him, even though the car made a good appearance from the outside (apart from the missing right side mirror and the broken left front light), the front passenger seat was missing, but that seems to be standard on the beetles used as taxis. In the back there were some belts, but none on the side on which I sat. His meter was either broken or intentionally turned off. But that didn’t interest me since we had already negotiated the fare to Santa Fe.

My taxi driver and his beetle

My taxi driver and his beetle

The Beetle from the inside

The Beetle from the inside

The Beetle from the inside

The Beetle from the inside

The Beetle

The Beetle

The speedometer was also broken because it was at 20km/h most of the time, even when we were traveling on the highway. My driver asked me if I wouldn’t hear the engine. Indeed, I haven’t noticed it before he asked – but I’ve seen, and especially heard, other Beetles in Mexico City with a groomier sound 🙂 

But why care about comfort and security instructions for a safe travel? I fully enjoyed the trip to Santa Fe in the Beetle. This was, so far, the hottest deed I did in Mexico. When I was back at the hotel, I had a fat grin on my face for at least half an hour.

Nothing is as reliable as a Volkswagen

Nothing is as reliable as a Volkswagen

 

Metro ticket: 3 pesos
Two bus tickets: 10 pesos
Taxi ride to Santa Fe + generous tip: 80 Peso
Certainty of having ripped the hottest action which a European has ever tried in my project (yet): PRICELESS

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Im VW Käfer zurück nach Santa Fe … oder: Wenn kein Bus fährt ist auf den Volkswagen Verlass

… was in meinem letzten Artikel über den Ausflug nach downtown Mexico City fehlt: der Nachhauseweg. Hier gibt es die Details, die nicht im Lonely Planet stehen.

Per Metro, Bus und Taxi habe ich knapp 2,5 Stunden gebraucht um wieder zurück nach Santa Fe zu kommen. Die paar Stationen mit der Metro waren sehr entspannt, denn sonntags ist es nicht so voll. Von Polanco oder dem Auditorio ein Taxi zu nehmen erschien mir erstmal zu langweilig, solange ich noch nicht probiert habe einen Bus zurück nach Santa Fe zu finden.

Erste Unklarheit: Wie sieht überhaupt eine Bushaltestelle in Mexiko aus?

Bereits in Santa Fe habe ich Busse gesehen, die an der Straße halten und dort Leute ein oder aussteigen. Ich konnte jedoch in keiner Weise ein Haltestelle erkennen – weder durch Unterstand, noch durch ein Schild.

Meine Couchsurferin meinte: “Es gibt keine offiziellen Bushaltestellen. Wenn der Bus kommt, kann man ihn heranwinken.” Das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Es gibt offizielle Bushaltestellen und es gibt inoffizielle Bushaltestellen. Die offiziellen Bushaltestellen erkennt man an einem kleinen Unterstand – die inoffiziellen Bushaltestellen erkennt man an einer wartenden Ansammlung von Menschen.

Man hat mir gesagt, dass es möglich sei, an jedem x-beliebigen Ort auszusteigen. Man müsse nur dem Fahrer signalisieren, dass man aussteigen möchte und dann hält der Fahrer den Bus an. In Mexiko gilt das Hop-on/Hop-off Prinzip 😉

Zweite Unklarheit: Wie bekommt man heraus welche Busse die Haltestelle bedienen?

Selbst an offiziellen Bushaltestellen gibt es extrem selten einen Aushang welche Linien an der Haltestelle verlaufen und welche Route/Haltestellen die Linie abfahren. Ganz zu schweigen von Abfahrtszeiten. Aber Abfahrtszeiten sind mir total egal, sofern ich weiß in welchen Bus ich einsteigen muss. Ich schließlich nicht unbedarft, was Nachverkehr in der spanischsprachigen Welt angeht: Exakte Abfahrtszeiten überlässt man den schnöden Mitteleuropäern 😉

eine offizielle Bushaltestelle

eine offizielle Bushaltestelle

Da die meisten Busse, die an der Bushalte am Auditorio anhielten, nicht in Richtung Santa Fe fuhren, habe ich einfach einen der wartenden Passanten gefragt, ob er weiß ob es einen Bus nach Santa Fe gibt. Über die Antwort war ich überrascht: “Der nach Santa Fe kommt etwas später.” Ich habe mit einer Antwort wie “Mañana…” gerechnet (mañana heißt morgen und ist eine Verlegenheitsantwort, wenn jemand die wirkliche Antwort nicht kennt). Der Herr konnte mir auch sagen, dass ich den Bus in Richtung Cuajimalpa nehmen muss. Ganz glaubwürdig war die antwort auch nicht. Langsam aber sicher erkenne ich, wenn ein Mexikaner aus Höflichkeit eine Antwort gibt bzw. erfindet.

Dicho y hecho  (Gesagt – Getan), ich bin also in den Bus Richtung Cuajimalpa eingestiegen. Der fuhr zuerst Richtung Santa Fe, nahm aber eine andere Abzweigung und bog nicht auf die Autonbahn, sondern fuhr weiter durch Wohngebiete. Erschien mir logisch, da es auf der Autobahn schwer ist Leute aus- oder einsteigen zu lassen. Die Hochhäuser in der Gegend habe ich allerdings nicht wiedererkannt. Und spätestens, als keine Hochhäuser mehr kamen, sondern nur noch schiefe kleine Häuser die sich dicht an der bergigen Straße drängten, wusste ich: “Du bist hier falsch …”

irgendwo in Cuajimalpa in einem Stau

Der Teil von Mexico City war nicht unbedingt ein Slum, aber auch keine schöne Wohngegend. Streunende Hunde, Müll, vollgestopfte enge Straßen, viel Lärm, rostige und ausgeschlachtete Autowracks am Straßenrand …

Als es wegen Stau nur noch mühsam oder gar nicht mehr voran ging bin ich dann aus dem Bus raus und in einen anderen Bus rein, der in die Gegenrichtung fuhr. Nicht die gleiche Linie, aber da das Ziel Chapultepec war, konnte ich halbwegs sicher sein wieder den Weg zurück in die Innenstadt zu nehmen und dann nach der Kreuzung nach Santa Fe auszusteigen um mich von dort aus anderweitig durchzuschlagen… (dabei fällt mir wieder ein, dass jemand vor meiner Reise sagte, ich sei als “Ex-Einzelkämpfer der Marine” gut vorbereitet auf die fremde Umgebung in Mexiko …)

Ich also raus aus dem Bus und durch die Automassen hindurch in den Bus für die Gegenrichtung hinein. Mit dem bin ich dann zurück und hinter die Auffahrt/Abzweigungen nach Santa Fe ausgestiegen. Wie das Schicksal so spielt, sollte ich meine Chance bekommen mit einem Taxi zu fahren, mit dem ich schon fahren wollte, als ich Mexico City nur von Bildern aus dem Internet kannte: Mit einem VW Käfer als Taxi

Ich habe also etwas ausprobiert, was in jedem Reiseführer als gefährlich oder riskant beschrieben wird: Ein Straßentaxi heranwinken und einsteigen

Immerhin wusste ich halbwegs was ich tue:

– das Taxi hatte eine offizielle Kennung (A plus 5 Ziffern)
– der Fahrer konnte mir seine Taxilizenz zeigen, auf dessen Lichtbild er selbst abgebildet war
– den Fahrpreis haben wir gleich beim Anfahren ausgemacht

Schonmal eine gute Grundlage um Taxi zu fahren. Gregorio, so hieß mein Fahrer, würde allerdings lieber einen Japaner fahren als den Käfer. Verübeln kann man es ihm nicht, obwohl der Wagen von außen zumindest einen relativ ordentlichen Eindruck gemacht hat (wenn man vom fehlenden rechten Außenspiegel und dem defekten linken Frontlicht absieht). Im Innenraum fehlte der Beifahrersitz, aber das scheint hier Standard zu sein bei den Käfern die als Taxi genutzt werden. Auf der Rückbank gab es zwar Gurte, aber keinen auf der Seite auf der ich saß. Sein Taxameter war entweder kaputt oder absichtlich ausgeschaltet. Interessierte mich aber nicht, da wir den Fahrpreis schließlich schon ausgehandelt hatten.

Der Tacho war scheinbar auch defekt, weil er die meiste Zeit auf 20Km/h stand; selbst als wir auf der Autobahn unterwegs waren. Mein Fahrer hat mich gefragt, ob ich den Motor nicht hören würde. Habe ich in der Tat erst später wahrgenommen – aber ich habe hier in Mexiko Stadt schon ganz andere Käfer gesehen und vor allem gehört 🙂

Mein Taxifahrer und sein Käfer

Mein Taxifahrer und sein Käfer

Der Käfer von Innen

Der Käfer von Innen

Der Käfer von Innen

Der Käfer von Innen

Der Käfer

Der Käfer

Aber wozu Komfort und Anweisungen für sicheres Reisen? Die Fahrt nach Santa Fe im Käfer hat mir einfach nur Spaß gemacht. Geilste Aktion meines bisherigen Mexikoaufenthalts. Als ich zurück im Hotel war, hatte ich bestimmt noch eine halbe Stunde lang ein fettes Grinsen im Gesicht.

Nothing is as reliable as a Volkswagen
Nothing is as reliable as a Volkswagen

Metrofahrt: 3 Pesos
Zwei Bustickets: 10 Pesos
Taxifahrt nach Santa Fe + großzügigem Trinkgeld: 80 Pesos
Gewissheit die geilste Aktion gerissen zu haben, die sich ein Europäer in meinem Projekt (bisher) getraut hat: UNBEZAHLBAR

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