Cobá – Finale der Ruinentour

23-JUNIO-2011 (voll im Zeitplan!!! 🙂 )

Der letzte Punkt auf meiner Liste der Maya Ruinen sollte gleichzeitig der Höhepunkt der Ruinentour werden. Rückblickend betrachtet waren die Höhepunkte wohl Uxmal oder Tulum. Es ist schwer zu sagen welche Maya Stätte mir am besten gefiel. Alle sind unterschiedlich wegen ihrer Lage und dem Zustand der Restauration. Daher ist ein Vergleich unmöglich.

Die ehemalige Mayastadt Cobá liegt mitten im Dschungel, nahe von krokodilbevölkerten Lagunen.
Aber leider ist Cobá nicht mehr der Geheimtipp für den er gehandelt wird. Im Viertelstundentakt treffen Touristengruppen ein und die Straße zum Eingang ist mit Restaurants gesäumt.

Am Eingang wurden mir Leihfahrräder angeboten, weil der Weg durch den Dschungel zwischen den begehbaren Gebäudestrukturen sehr weit sei (Cobá ist von der Ausdehnung die größte Stätte die ich besucht habe – geschätzte Ausdehnung zu Blütezeiten: 52 km²). Das Angebot von Fahrrädern lehnte ich höflich ab. Ich war schließlich im Dschungel und nicht in Holland! Dieser Gedanke sollte sich allerdings schnell umkehren, denn wie ich wenig später bemerkte, waren niederländische Touristen an dieser Stätte deutlich in der Überzahl. Rund um die Gebäudegruppen gab es keine Ruhe, weil ständig holländische Reisegruppen mit ihren Fahrrädern eintrafen (die Franzosen und fette Amerikaner ließen sich lieber kutschieren als selbst zu fahren).

Wo sonst Vogelgezwitscher und Rascheln im Busch herschte, übertönten die Touristengruppen jegliche Geräusche der gewohnten Dschungelatmosphäre. Krakelen, Gegröle und Kreischen. Das hat mir diese sonst sehr faszinierende Ruinenstätte ziemlich verdorben.

Hauptpyramide

Hauptpyramide

Hauptpyramide - Tempel

Hauptpyramide - Tempel

Hauptpyramide

Hauptpyramide - auf der Spitze

Aber mal etwas mehr über Cobá an sich:
Es wurde sehr wenig rekonstruiert. Die Gebäude sind lediglich vom Bewuchs befreit und sonst in ihrem natürlichen Verwitterungszustand. Die Architektur der Hauptpyramide ist für die mexikanischen Flachlandmaya ungewöhnlich, da sie der von Tikal in Guatemala sehr stark ähnelt. Es wird vermutet, dass eine Allianz zwischen Cobá und Tikal bestand. Möglicherweise sogar durch eine Heirat, denn auf den Stelen die man in Cobá gefunden hat sind ebenfalls weibliche Hoheitspersonen abgebildet.

Allerdings ist ein Großteil der Stelen stark verwittert und kann selbst von den Experten nicht vollständig entziffert werden. Die meisten Touristen laufen an den Stelen sogar vorbei ohne zu bemerken um was es sich dabei handelt.

Ein Spielfeld für das rituelle Ballspiel ist in einem exzellenten Zustand. Ungewöhnlich sind die Steinplatten, die im Spielfeld eingelassen wurden. Eine Platte in Totenkopfform befindet sich direkt in der Mitte des Feldes.

gut erhaltenes Spielfeld

gut erhaltenes Spielfeld

Spielfeld - Totenschädel

Spielfeld - Totenschädel

Pyramide im Dschungel

Pyramide im Dschungel

Der Blick von der Hauptpyramide auf das Dschungeldach ist sehr gut. In alle Richtungen sieht man nur grünen Bewuchs und sogar die Lagunen kann man in der Ferne erkennen.

Mein Fazit: Schön auch Cobá besucht zu haben, aber jetzt ist Schluss mit Maya Ruinen. Letztes Ziel der Tour quer über die Halbinsel Yucatán ist nur noch der Karibikstrand 🙂

la última crusada

la última crusada

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Tulum / Tulúm

21-JUNIO-2011
Die Überreste von Tulum sind vergleichsweise klein. Tulum war niemals eine große Stadt , sondern ein Handelszentrum der Maya ohne größere Gebäude. Pyramiden gibt es keine und nur an einem Gebäude sind religiöse Verzierungen erhalten. Viele Gebäude sind in schlichtem Baustil errichtet worden und über die Jahrhunderte mittlerweile verwittert. 

Der Grund warum diese Stätte allerdings als sehr sehenswert gilt ist einfach: Tulum war ein Hafen und liegt direkt an der Karibikküste. Der Ausblick auf das hellblaue Meer entlang der Felsklippen die von Mayagebäuden gekrönt wurden ist traumhaft.

Die Maya betrieben ihren Seehandel enlang der Karibiküste von Mexiko, Belize und Honduras mit kleinen Booten. Navigation fiel aufgrund der Routen am Strand entlang einfacher. Das größte Gebäude von Tulum – von den Spaniern fälschlicherweise als el castillo (die Festung) bezeichnet – ist ein Orientierungspunkt oder Leuchtturm. Entlang der Küste verlaufen Riffe, die eine Gefahr für einlaufende Boote darstellen. In direkter Flucht mit el castillo verläuft eine Passage ins Meer die frei von Riffen ist. An der Stelle von der aus die Bootsfahrer die Fenster im el castillo deutlich erkennen konnten – die Gebäudefront sieht dabei aus wie ein Gesicht – konnten die Boote sicher den Hafen ansteuern. Diese Intepretation des Gebäudes steht auf keiner der Erklärungstafeln in Tulum. Das habe ich durch eine Dokumentation über die Maya im mexikanischen Fernsehen gesehen.

Stört die gringos allerdings nicht. Es sind fast ausschließlich Amis in Tulum! …. Zweiter Teil des Berichts folgt demnächst …

Mein erster Ausflug an die Karibikküste hat Lust auf mehr geweckt.

Ek’Balam

21-JUNIO-2011
Nach den Besuchen in Uxmal und Chichén Itzá wirkt Ek’Balam eher unbedeutend und klein. Daher ist der Eintrittspreis meiner Meinung überteuert (der anliegende Cenote ist nicht im Preis inbegriffen – Frechheit!). Allerdings muss man bedenken, dass ein großer Teil dieser ehemaligen Mayastadt noch unter einer Schicht aus Tropenwald schläft. Das mexikanische Institut für Anthropologie und Archäologie arbeitet an den Ausgrabungen der noch bedeckten Strukturen. Während wir durch die Ruinen streiften, wurden zeitgleich überwucherte Gebäudestrukturen von Bäumen, Gebüsch und grüner Humusdecke befreit. In ein paar Jahren dürften noch weitere Gebäude sichtbar sein.

Eine schöne Aussicht auf die zentrale Akropolis hat man von der Hauptpyramide. Sie hat ungefähr die gleiche Höhe wie Uxmals grand pirámide. Einige Verzierungen an den Fasaden der Stockwerke sind außergewöhnlich für mesoamerikanische Kulturen. Menschliche Figuren mit Flügeln sind abgebildet.

Erstmals habe ich hier eine Pyramide gesehen in der sich die Überreste eines Grabes befinden. Das habe ich in Mexiko bisher selten gesehen. Im Gegensatz zu den Ägyptern waren die Pyramide nicht Grabstätten der Herrscher sondern rituelle Gebäude.

Wenn man die Augen nicht nur auf die Ruinen richtet, wird man einen Teil der Tierwelt Yucatáns hier kennenlernen. Wir überquerten mehrere Straßen von großen roten Ameisen die sich über fast 30 Meter durch den Dschungel zogen. Außerdem kann man mit etwas Geduld Eidechsen und schillernd-bunte Vögel beobachten.

Chichén Itzá – Der Touristenmagnet

20-JUNIO-2011
Was wird jeder Backpacker und Individualreisender über Chichén Itzá sagen? -> “Es ist überbewertet!”
Was ist die typische Ausrede, warum Backpacker und Individualreisende trotzdem Chichén Itzá besuchen? -> “Man muss es mal gesehen haben um mitreden zu können.”

Die meistbesuchte zona arqueológica neben Teotihuacán ist die ehemalige Maya Stadt Chichén Itzá. Die Stätte hat es unter die “neuen sieben Weltwunder” geschafft (wobei man diese Wahl der neuen sieben Weltwundern nicht allzu ernst nehmen sollte). Den wirklichen Clou von Chichén Itzá erlebt man leider nur zur Sonnenwende an der Pirámide de Kukulcán. Nämlich dann, wenn nachmittags die Schatten von den Ecken der Pyramidenebenen einen Schlangenkörper auf den Treppenaufgang werfen. Davon habe ich nur Fotos gesehen. Wirkt aber beeindruckend. Wie ich schon in vorigen Beiträgen erwähnte,waren die Maya sehr intelligent und fortgeschritten in Astronomie und Mathematik.

Templo de Kukulkan

Templo de Kukulkan

El Caracol - Observatorium

El Caracol - Observatorium

Nahe der Iglesia

Nahe der Iglesia

Die berühmte Pyramide ist nicht außerordentlich groß und besteigen darf man sie auch nicht. Das Gebäude was als Observatorium vermutet wird, darf man auch nur von unten betrachten. Wenn ich mich recht erinnere darf man in Chichén Itzá gar keine der verbliebenen Strukturen betreten. Ist allerdings besser so bei dem großen Besucherandrang.

Viel interessanter als die oben genannten Hauptattraktionen fand ich den großen Platz für das rituelle Ballspiel. Hier hat der ansässige Mayastamm der Itzás definitiv geprotzt! Es ist der größte Platz für das Ballspiel in Mesoamerika. Sozusagen das Olympiastadion der KLASSISCHEN PERIODE???. Kaum vorstellbar wie hier das Spiel auf so großem Raum stattgefunden haben soll. Damit sind wir wieder bei einem meiner Lieblingsthemen: Nach unzähligen Ruinenstädten die ich besucht habe, werde ich nicht müde mir Ballspielfelder anzusehen und mir vorzustellen wie die Einwohner Mesoamerikas auf jener Fläche Kautschukbälle durch die Luft geschubst haben …

Überdimensionaler Ballspielplatz

Überdimensionaler Ballspielplatz

Cenote Sagrado

Cenote Sagrado

Die Stätte ist voll mit amerikanischen und holländischen Touristen, die sich auf Tagestouren von Cancún oder Playa del Carmen sich zumindest einen halben Tag Kultur gönnen wollen, bevor der 14-tägige Badeurlaub in ihrem Strand-Ressort weitergeht.

Zu allem Überfluss begann es noch zu regnen. Am einzigen Tag, wo ich die sonst überflüssige Regenjacke in meinem Reisegepäck gelassen habe. Ich endete unter einem Baum mit einem Artesano, der mir aus Kalkstein gefertigte Maya-Kalender oder Holzmasken verkaufen wollte. Wir saßen bei dem ziemlich heftigen Regen eine halbe Stunde unter einer Plane die er dabei hatte und er erzählte mir über das Leben in Yucatán und schimpfte über die korrupten Regionalpolitiker.

Chichén Itzá, man muss es nicht gesehen haben. Aber wenn man in der Gegend ist, sollte man einen Abstecher wagen.

Been there, seen it, let's move on

Been there, seen it, let's move on

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Uxmal – Eine Perle der untergegangenen Mayawelt

 19-JUNIO-2011
Meine selbstgestrickte Ruta Maya nimmt ihren ersten Höhepunkt im Weltkulturerbe Uxmal.
Frühmorgens um 6 habe ich den ersten Bus genommen der an der Mayastätte vorbeifährt und war damit überpünktlich zur Toröffnung vor Ort um die großen Touristenmassen zu meiden. Die frühe Anreise als auch der für mexikanische Verhältnisse hohe Eintrittspreis haben sich absolut gelohnt: 

 

Pirámide del Adivino

Pirámide del Adivino

"Nonnenviereck" - Nordgebäude

"Nonnenviereck" - Nordgebäude

El Grupo del Palomar

El Grupo del Palomar

Die unzähligen Gebäudeverzierungen sind gut erhalten. Mein persönliches Highlight war die grand pirámide . Hier habe ich zum ersten Mal die vielbeschworene Energie der mesoamerikanischen Stätten gespürt, als ich als einzelner die Treppenstufen bestiegen habe und vor dem kleinen Tempel auf der Pyramidenspitze stand. Man blickt hinunter auf die umliegenden Gebäude der Stätte und sieht in alle Richtungen nur dunkelgrünen Tropenwald. Vereinzeltes Vogelgeschrei dringt von unten zur Pyramidenspitze und dem Himmel mit tief liegender Wolkendecke ist man ein ganzes Stück näher. Dort auf der Spitze der Pyramide kann man nachempfinden was die Mayapriester und/oder -herrscher gefühlt haben, wenn sie die Pyramide hinaugestiegen sind und auf die unter ihnen liegende Stadt blickten (Uxmal hatte vermutlich eine Ausdehnung von 32 km²). Nach diesem Energieschub den ich auf der Pyramidenspitze erfuhr, beginne ich an die Kraft und Magie der alten Stätten Mesoamerikas zu glauben.

 

Aussicht von Pirámide Mayor

Aussicht von Pirámide Mayor

Palacio del Gobernador

Palacio del Gobernador

Chaac Masken

Chaac Masken

Wie Edzná, ist auch Uxmal bevölkert von Schwarzleguanen. Die größeren Exemplare sind nicht ganz so scheu; ziehen sich bei Annäherung aber ebenfalls rasch zurück. Man ist permanent von Leguanen umgeben; 4-6 Exemplare die man sieht und mind. 3-5 Exemplare die sich gut im Blattwerk getarnt haben. Auch Leguane können ihre Haut der Umgebung anpassen.

… und als ich auf der Suche nach den verwitterten nördlichen Pyramiden jenseits der Besucherpfaden mitten im Wald stand, huschte direkt neben mir ein Reptil in einen morschen Baumstumpf. Ich habe nur noch das Hinterteil gesehen und kann schwer sagen, ob es eine Schlange oder ein besonders großer Leguan war. Aber genau dort, abseits des ausgetretenen Pfades, umkreist von Moskitos, mitten im tropischen Dickicht klingelt mein Handy und meine Freundin sendet mir zum mexikanischen Vatertag ihre Grüße. Telcel ist hier allgegenwärtig – auch im tropischen Wald  :o)

Uxmal hat mir sehr gut gefallen. Die langnasigen Gottheiten die von Gebäudereliefs herabstarren, Totenköpfe als Verzierung von Gebäudebasen, verzierte Spitzbögen in verwitterten Mauerresten, sowie die fantastische Aussicht auf tropischen Wald und religiöse Gebäudestrukturen versetzt einen in eine andere Welt.

Uxmal von oben

Uxmal von oben

Edzná – Auftakt der Ruinentour

16-Junio-2011

Mit 120 km/h hat mich mein Fahrer über Landstraßen am tropischen Wald entlang nach Edzná kutschiert. Er kannte alle Schleichwege und schaffte die Strecke zwischen Stadtzentrum Campeche und Edzná in rekordverdächtigen 40 Minuten – jeder Guide spricht sonst von einer einstündigen Fahrtzeit.

Die Maya Ruinen von Edzná liegen mitten im Dschungel und werden heute nur noch von Eidechsen und Leguanen bewohnt. An jenem Morgen traten nur drei Besucher den Weg in die Stätte an (ich eingeschlossen). Damit war die Atmosphäre in den verlassenen Ruinen nahezu perfekt: Eingetretene Trampelpfade führen durch unberührtes Gebüsch zu den Überresten der Maya Stadt. Man hört nur Zirpen von Grillen, fremdartiges Vogelgeschrei und Rascheln im Blattwerk – vermutlich aufgeschreckte Leguane. Die Reptilien gedeihen hier wirklich prächtig. Kein Wunder bei dem großen Fressangebot an Insekten. Die Leguane können höher springen, als ich vermutet habe. Treppenstufen von den Mayagebäuden stellen kein Hindernis für die Echsen dar.

Die Hauptpyramide von Edzná (Pirámide de Cinco Pisos) darf man leider nicht mehr betreten. Eigentlich unverantwortlich, dass man die filigrane Treppenkonstruktion überhaupt einmal hinaufsteigen durfte. Aber auf den restlichen Gebäuden darf man sich relativ frei bewegen. Die Aussicht auf das Walddach ist von den sonstigen Strukturen nicht minder schlecht. Man sieht in alle Richtungen nur tropischen Wald. Auch die Reste der Bewässerungskanäle die die Maya hier angelegt haben sind gut zu erkennen. Bei der tropischen Hitze war Wasserknappheit für die Flachlandmaya in Yucatán ein ständiges Problem.
Das Bewässerungssystem und die Architektur in Edzná ist Vorzeigebeispiel für das technische und mathematische Geschick, dass die Maya besaßen. Edzná war die erste Maya Stätte die ich besuchte und das Erkunden weckte Lust auf mehr …

Der ganze Aufwand nur für die Atlanten von Tula …

Sonntag 22-MAI-2011

Nach unserem Aufenthalt in Tepotzotlán reisten Roberta und ich weiter nach Tula de Allende (im Bundesstaat Hidalgo).

Mit den Bussen hatten wir ein paar Schwierigkeiten. Den richtigen Bus zu finden ist ein mir nicht unbekanntes Problem in Mexiko 😉  Aber es ist mir bisher noch nie passiert, dass ich einen Überlandbus verpasst habe. Ich musste zwar schon desöfteren nachfragen wie/wo/wann überhaupt der Bus fährt der zu meinem Ticket gehört, aber so viel mexikanische Organisationskunst wie an diesem Busterminal habe ich noch nicht erlebt: Null Beratung über die Busverbindungen durch die Verkäuferin. An der Plattform wo der Bus vermeintlich fahren sollte, stand dann allerdings ein Bus in eine komplett andere Richtung. Nach erneutem Nachfragen beschlossen wir weiter zu warten. Es fuhr, mit knapp 30 Minuten Verspätung, schließlich ein Bus Richtung Tula ein. Allerdings war das es eine Direktverbindung nach Tula. Wir hatten Tickets für einen Bus mit Zwischenstops. Der Busfahrer hätte uns gern mitgenommen, wenn wir noch einen klitzekleinen Aufschlag gezahlt hätten. Der klitzekleine Aufschlag war allerdings genausohoch wie der Kaufpreis unserer Tickets.

Apfel und Lutscher mit Chili

Apfel und Lutscher mit Chili

Als wir beschlossen weiter zu warten, sah ich ein paar Haltebuchten weiter hinten den eigentlichen Bus nach Tula abfahren. Winken und Gestikulieren blieb vergebens – der Bus war nicht zu bremsen. Uns wurde gesagt, die Tickets seien auch für den nächsten Bus gültig. Uns wurde allerdings auch im Vorfeld gesagt, der Bus nach Tula führe von genau der Haltbucht wo wir standen (und nicht etwas 4-5 Buchten weiter hinten). An dem Tag hörte ich meine Freundin öfter über das Servicepersonal an Busterminals fluchen. Lange Rede kurzer Sinn: Die Wartezeit auf den nächsten Bus nach Tula, der uns auch mitnahm, vertrieben wir mit mexikanischen Süßigkeiten – Erdbeerlutscher mit Chilipulver.

Am Sonntagnachmittag kamen wir schließlich in Tula an und sind zu den Ruinen gefahren. Tula war eine wichtige Stadt der Tolteken. Das Besondere sind die Tempelreste auf einer Stufenpyramide. Der eigentliche Tempel selbst ist zerstört. Es stehen aber noch einige 4,5 Meter hohe Atlanten und Stelen auf der Plattform der Pyramide. Die imposanten Atlanten aus Basalt waren einst die Stützpfeiler des Tempeldaches.

 

Palacio Quemado

Palacio Quemado

Die Atlanten von Tula

Die Atlanten von Tula

 

Ruinas de Tula
Ruinas de Tula

 

Der Blick von der Platform kann ganz toll sein; abhängig von der Himmelsrichtung in die man blickt. Im Nordwesten und Norden sieht man Hügel und Berglandschaften, im Osten steht die Industriemeile mit rauchenden Schornsteinen und Türmen zur Gasverbrennung, und im Süden hat man Blick auf einen Stadtteil der nur aus Häusern mit typisch mexikanischer Minimalarchitektur besteht: grauer Putz auf graue doppelstöckige Betonfassaden

Die archäologische Stätte habe ich mir größer vorgestellt. Es wird angenommen, dass die Stadt zu ihrer Blütezeit zwischen 900 – 1100 n.Chr. eine Fläche von 12km² eingenommen hat. Aber von den Ruinen ist nur ein Teil für die Öffentlichkeit zugänglich. Allerdings wird man dadurch entschädigt, dass man in Tula auf alle dortigen Pyramiden steigen kann.

Stillgestanden!

Stillgestanden!

Mythische Schlange frisst Mann

Mythische Schlange frisst Mann

Mexikanische Klichees in Hidalgo

Mexikanische Klichees in Hidalgo

Die Spielfelder in Tula für das rituelle Ballspiel sind proportional betrachtet ein bisschen länger als Spielfelder die ich in El Tajín oder Monte Albán gesehen habe. Die Tolteken waren also entweder besser trainiert oder haben nach anderem Regelwerk gespielt. Ganz drollig fand ich, dass ein kleiner mexikanischer Junge beim Blick über die Mauer des Spielfeldes fordernd seinen Bruder fragte, wie man das Spiel gespielt habe und ich an der Stelle mein gesammeltes Wissen aus den anthropologischen Museen Mexikos preisgeben konnte.

Kirche von Tula - Hauptaltar

Kirche von Tula - Hauptaltar

Die Stadt Tula selbst ist eher verschlafen und untouristisch. So ist es nicht verwunderlich, dass wir rund um den Zocalo keine Restaurants fanden (und wir schließlich in einer Crepería landeten). Die Kirche von Tula gefiel mir sehr gut. In Architektur und Ausstattung sehr schlicht gehalten. Das für eine Kirche eher unkonventionelle Bildnis über dem Altar gefiel mir so gut, dass ich sogar ein Foto davon geschossen habe – und sonst schieße ich nur Fotos in Kirchen, wenn ich Eintrit zahlen muss …
Das Altarbild erzählt die Historie der prehispanischen Einwohner, über die Eroberung und anschließende Missionierung durch die Spanier.