Haggling 101 for Shanghai

Shopping on the fabric and “fake markets” during my last two weeks in Shanghai:
I had my fair share of haggling and bargaining with Chinese vendors in the last weeks of my stay. Sometimes I ripped off them off – sometimes the Chinese vendors ripped me off. “Ripping off” has to be interpreted up to my bargaining standards. Comparing the prices to pay in Shanghai and the prices to pay in Europe, it was still possible to make a few good deals, although, seasoned Chinese customers should still act better in bargaining than me.

But well, after shopping souvenirs for friends and family, I am fed up with the Chinese market vendors. They are such dramatic actors … I had my fair share of the market culture. Sometimes it is fun but most of the time exhausting and tiresome.
Here come a few samples from their dramatic art:
“Look, look! … Bags? Watches? T-Shirts? … Suits, look at the suits”
“I give you best price!”
“You first customer – I give you best price” *
“This price?! No, no, no, cannot do”
“You are joking. Not nice. You are mean. Joking with me …”
“I give you best price!”
“This cannot do”
“What is your best price? Tell me your best price.”
“Good quality – good quality”

After a weekend on the markets, the ever repeating repertoire of haggling went on like a disc on replay in my head. At lots of stalls vendors use the same standard sentences in weird English.
Also Chinese colleagues went with me to clothes and souvenirs market. Actually, they went with me to support me in haggling – it ended to other way around 🙂 I was negotiating with the vendors and my Chinese colleagues were just watching. I “supposedly” ruined a vendor because I paid 120RMB for two T-Shirts and a belt. The vendor said something in Chinese to my colleague. lateron, my colleague told me what the vendor said: “Europeans are tough – Americans except the price early. Europeans are more clever; they keep on pushing prices down. They are harder to deal with.”
My colleagues felt weird that I already knew how to deal with Chinese vendors – even better than some Chinese they would do it … so much for taking a Chinese to negotiations with Chinese 😉

Here are a few hints, tips, and observations – Chinese market culture:
First, stay polite.

See haggling as a game -> Practise on the go. Don’t buy in the first shop you enter. Use your first stalls to train and to get a feeling for haggling.

Don’t rip the vendors off by pushing prices too low. If you are interested in items, try to find out the real value/possible buying price of the articles. Vendors also have to make a living … so leave some room for reasonable margin.

Tailors in fabric shops are usually not the manufacturers of the clothes you order. In most cases your tailor-made clothes will be stitched in sweatshops. Better not pressure on time since the tailors will forward the pressure on to poor “sweatshop slaves” … :-/

Going early / being first customer has advantages … (see above and see below*)

Bulk buying to ask for discounts

All in all, have fun on the markets!

Some hyperlinks about fake market and bargaining in China:
http://www.bamboocompass.com/shanghai-markets-fake-markets-fabric-markets-antique-markets-12649.html

http://www.bamboocompass.com/top-10-tips-for-bargaining-in-china-111440.html

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* Why the first customer allegedly gets the best price is still a concept that I haven’t understood. My theory is the following: Chinese are superstitious. Since the first deal of the day could be an indication for the deals to follow on that day, vendors might get lucky that day when their first customer buys instead of walking away … never found enough proof for this theory – so far could not confirm it with Chinese friends. Can somebody confirm it? Or can somebody explain why first customer should get best price? Thanks in advance! 🙂

More random thoughts on Shanghai

– Bycycles, electric motorcycles, and mopeds always have priority in traffic. They even have the right of way when traffic lights are red.

– Es wird gebaut – Überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Gerade ist es kurz nach 1.00 Uhr morgens und ein Bagger poltert, rattert und tuckert unermüdlich auf der anderen Straßenseite in den Schluchten fertiger und halbfertiger Hochhäuser .

GALLERY WITH CONSTRUCTION SITE PICTURES

– Arbeitsschutz? Ich habe noch keinen chinesischen Bauarbeiter mit Gehörschutz gesehen – egal ob bewaffnet mit Presslufthammer, Kreissäge oder Flex. Immerhin, die meisten Bauarbeiter tragen einen Helm und signalfarbene Overalls oder zumindest Warnwesten.

– Propaganda is delivered via MetroTV news. You have to look and listen twice to discover that Shanghai belongs to socialist China. But hardest propaganda is the superficially beautiful healthy and intact world of advertising spots in Metro etc.

– Warum ist mir nach dem Hochhausgucken so schwindelig? Fahrstuhlfahren, Hals rauf und runter recken, Kopf in den Nacken legen, Augen fokussiern auf Nähe, dann wieder in die Ferne schweifen, blinzeln wegen Sonnenlicht, das durch Smogschichten gestreut wird … kein Wunder, dass man davon schwindelig wird…

– Gestank/Geruch auf den überfüllten Straßen – salzig, stechend süß -> Abwasser, Körperflüssigkeiten, -ausdünstungen, gährendes Gemüse/Fleisch/Fisch..

– Shangainese sweetness: Häufig wersen Speisen noch nachgesüßt. Erst recht Speisen die man in Deutschland nicht süßen würde.  z.b. dickflüssiger Fischfond aus Sojasauce, Zucker und ordentlich Glutamat und andere Chemikalien.

– Durchgeschwitzte Kleidung bei der Schwüle oder durchnässt von Regen und nicht abfließen den Gewässern auf den Straßen.

In der hippen French Consessions sah ich zum ersten mal in Shanghai doggy bags. Hier speiste die umweltbewusste Mittel-/Oberschicht – im Gegensatz dazu sah ich tags zuvor eher die bäuerliche Mittel-/Unterschicht speisen: rauchend, lärmend, saufend… die Familie hatte viel zu viel bestellt. Als sie die Gaststätte verließen war noch Essen für eine weitere 4-köpfige Familie übrig …

– … und an einem meiner letzten Abende wollte ich ein sichuan franchise Restaurant ausprobieren. Als ich durch eins der mehrstöckigen Restaurant-Hochhäuser geirrt bin und an einer Rezeption ankomme, frage ich die Bedienung, ob ich richig bin beim Restaurant “Spicy Joint”. Die chinesische Dame, nicht des englischen mächtig schaut mich verzweifelt, verneinend, ver …. unverständnislos an. Aiuch wenn sie es nicht weiß, aber ihre schwarze Arbeitsuniform mit der Aufschrift “Spicy Joint” auf ihrer schwarzen Arbeitsuniform verrät mir, dass ich richtig bin.

– Eine ganze Etage nur für Restaurants – schon Standard, obwohl nichtmal gehobene Klasse! Gehobene Klasse hat nur einen Tisch, Reservierungen, Food-Art, mehrteilige Gänge, Preis eines Abends in Kategorie von Kleinwagen – bin nicht in die Versuchung gekommen. Weiß auch nicht, warum es mich nicht gereizt hat 😉

Viele Begebenheiten aus folgendem Artikel kann ich bestätigen: http://www.theworldofchinese.com/2014/01/that-awkward-moment-in-china-when/

Breaking Bad in Pudong

Breaking Bad in Pudong

Der Abend des Mondfestes – Mid-Autumn Festival

Montag 8-SEPT-2014

Schon einige Tage vor dem Mondfest (engl. Mid-Autumn Festival) hat mir ein Kollege Mondkuchen ins Büro mitgebracht. Ich habe darauf bestanden, dass wir die kleinen – aber nährstoffreichen –  Küchlein teilen. Einer der Mondkuchen kam in Gestalt der salzig-süßen Shanghaier Variante; gefüllt mit bratensoßengeschwängertem Schweinehack (鲜肉). Der zweite Mondkuchen aus Blätterteig war gefüllt mit klebrig-süßer Bohnenpaste (豆沙)

Ein vorangegangener Artikel widmete sich dem Kommerz um das Mondfest; speziell dem unausweichlichen Feilbieten von Mondkuchen – ähnlich dem Pomp der in den Geschäften zur Weihnachtszeit im Abendland herrscht.
Chinesen kaufen die Leckereien nicht für sich selbst, sondern zum Verschenken (und Angeben) für Verwandte und Freunde..

Wie wohl schon vorab geschildert, wich meine romantisch verklärte Vorstellung des Mondfestes mehr und mehr der Ernüchterung bei einem Familienfest in China anwesend zu sein – aber nicht daran teilzuhaben.

Vollmond zum Mondfest

Vollmond zum Mondfest

Am 8. September lächelte der runde Vollmond auf Shanghai herab. Aus einer Laune heraus schlenderte ich abends nach dem Essen noch durch den Stadtteil nahe meiner Unterkunft und überlegte, ob ich mir noch eine leckere (süße kantonesische) Mondkuchenvariation zum Nachtisch besorgen sollte.

Eine Bäckerei um die Ecke hatte noch offen und bot Mondkuchen zum fairen Preis an. Jedoch nur in großen runden Familienpackungen – viel zu viel nur für mich allein (wie gesagt, Chinesen verschenken jene  Großpackungen an Familie/Freunde … ).

Den von mir schon beschriebenen Hype um den Mondkuchen wich Ernüchterung/Enttäuschung. An jeder Ecke wird für teuren Mondkuchen geworben, jeder zweite Bürger Shanghais trug in diesen Tagen mindestens eine Geschenktüte gefüllt mit pompösen Mondkuchen-Präsentboxen mit sich herum. Und als ich durch den Stadtteil schlenderte und auch Leute an der Straße oder in ihren kleinen Häuschen sah, konnte ich nirgendwo die Tradition vom Mondkuchenessen und Mond beobachten erkennen. Mondfest und niemand isst Mondkuchen – oder zumindest nicht ersichtlich. Womöglich hinter verschlossenen Türen, am heimischen Tisch.

In Old Town schlossen die Krämerläden, Verkaufsstände und familiengeführten Imbissbuden ihre Pforten. Leute saßen beim Abendessen an der Straße, aber keiner ass Mondkuchen oder betrachtet den Mond.

Am Straßenrand saß eine Familie auf Plastikstühlen am Plastiktisch beim Abendessen. Schüsseln mit Nudeln oder Reis – ohne Mondkuchen.

In einem Krämerladen saßen zwei hagere Männer bei Schüsseln mit Nudelsuppe vor einem Fernseher – ohne Mondkuchen

In einem Massagesalon flätze sich ein Kunde zufrieden lächelnd auf einem Sofa. Man sah ihm an, wie er jene Fußmassage genoss – auch ohne Mondkuchen

Mondfest - Old Town

Mondfest – Old Town

Waren die Leute in meinem Stadtteil zu arm um sich Mondkuchen zu kaufen? Oder haben sie keine Freunde die Mondkuchen verschenken? Oder keine Freunde, die sich Mondkuchen leisten können?

Ich schlenderte an einer Filiale der kantonesischen franchisekette Tsui Wah vorbei – kein Mondkuchen auf der Karte

Ich stattete dem Family Mart einene kurzen Besuch ab – kein Mondkuchen

Watson – kein Mondkuchen

Ichido -> ok, sie haben Mondkuchen, aber mein stolz sagte mir in China den Mondkuchen nicht bei einer japanischen Bäckereikette zu kaufen.

Im Pacific Coffee waren die Stühle schon hochgestellt um den Boden nach Feierabend zu schrubben.

Andere Bäckerein waren geschlossen.

So kehrte ich zurück in meine Unterkunft. Schließlich blieb mir nur eine Blätterteigvariante von Mondkuchen, die ich in der Woche zuvor als Geschenk erhilt. Die Sicht auf den Mond von der Business Lounge war extrem schlecht. Außerdem stand ein Techniker in seinem grau-blauen Overall am Fenster und führte ein lautes Streitgespräch über sein Mobiltelefon.

Ich ging auf die Außenterasse – der Mond leider hinter der Fassade des Wolkenkratzers. Ein chinesisches Ehepaar saß – nach sichtlichem Fast Food Mahl – bei einer Flasche Wein ebenfalls auf der Terasse…. und was war wohl noch auf ihrem Tisch übrig? Womöglich aßen doch chinesiche Päärchen Mondkuchen zum Mondfest? Die Welt ist doch noch nicht verloren.

Ich holte mir einen Tee und kehrte schmunzelnd zurück auf die Terasse – und sie aßen doch keinen Mondkuchen …

Ein Fundstücke im Netz:

http://www.timeoutshanghai.com/features/Food__Drink-Food__Drink/13250/2014-Mid-Autumn-Festival-mooncake-deals.html

http://www.theworldofchinese.com/2014/09/which-moon-cake-are-you/

Waschen, Schneiden, Legen – Friseurbesuch in Shanghai

Sonntagabend 07-SEPT-2014

Kann etwas Triviales wie ein Friseurbesuch zu einem berichtenswerten Ereignis werden? – Ja, wenn man als Europäer in China einen Haarschnitt braucht.

Mir war bewusst, dass nach meinem Aufenthalt in Shanghai keine Zeit bleibt um für einem familiären Hochzeitstermin noch einen Haarschnitt zu kriegen. Daher passte ein Friseurbesuch in meiner letzten Woche Shanghai gut in den Plan – wenn da nicht wieder das Sprachproblem wäre ,-).

Nahe meiner Unterkunft bin ich schon desöfteren an einem Friseur vorbeigekommen. Samstagabend vor dem Schlangenmahl bin ich auch kurz vor dem Schaufenster stehen geblieben und wurde von einem jung-dynamischen Friseur hineingewunken. Die Jungs im Laden sprachen natürlich kein englisch, gestikulierten aber freundlich auf ihre Preisliste. Sie deuteten mit erhobenem Like-Daumen auf die unterste – und gleichzeitig teuerste -Position der Liste. Das einzige was ich an jener Position verstand war der Preis: 88 Yuan – ca. 11 EUR. Nach wie vor ein guter Preis für einen Herrenhaarschnitt – wenn es sich überhaupt um Haareschneiden handelt. Womöglich beinhaltet diese teuerste Position einen modischen FoKuHiLa-Schnitt mit purpurnen Farbsträhnen – denn die Friseurjungs im Laden hatten alle asymmetrische Haarschnitte mit blau oder lila Strähnen. Ich reagierte wie man bei chinesichen Händlern generell auf ominöse Angebote reagieren sollte: Nickend Lächeln und erstmal dankend abwinken

Ich habe die Preisliste fotografiert und an der Hotelrezeption nachgefragt, was mir die Jungs angeboten haben: Die 88 Yuan zahlt man für einen Haarschnitt vom Geschäftsleiter bzw. top-ausgebildeten Haarstylisten. Die anderen Positionen auf der Liste waren reguläre Haarschnitte – Abhängig davon, wie erfahren der Friseur der schneidet sein sollte wird gezahlt.

Am Sonntag probierte ich den Friseur aus. Womöglich eine meiner letzten Chancen noch einen Haarschnitt zu kriegen. Die letzte Arbeitswoche im Büro versprach auch nach Torschluss turbulent und ereignisreich zu werden.

Nach Betreten des Ladens deutete ich auf die erste Position der Liste und dann auf meine lockige Mähne. Nach kurzem Herumgedruckse mit dem jungen Friseur einigten wir uns auf die zweite Position, da die erste (und günstigste) Position dem Pantomimenspiel der Friseure zufolge nur Stutzen mit der Schermaschine beinhaltete – nicht Haare schneiden.

Was soll’s, immer noch ein gutes Angebot. Das Preis-Leistungsverhältnis wäre nach europäischen Standards schon auf Luxusniveau. Ich verbrachte mindestens 30 Minuten im Salon – OHNE Wartezeit. Ich durfte mich sofort ans Waschbecken legen für eine Haarwäsche inklusive Kopfhautmassage, danach vollführte ein anderer Friseur sein Handwerk mit meiner Lockenmähne. In künstlerhafter Akribie setzte er verschiedenen Scherentypen zum Haareschneiden ein:

Erst dachte ich, er würde nur Spitzen schneiden. Danach wanderten die unterschiedlich große und kleine Scheren durch mein Haar. Manchmal mutete es an, als müsste er jedes Haar einzeln trimmen um ein Kunstwerk auf meinem Kopf zu zaubern. Ich musste rätseln, ob er womöglich verunsichert war oder lediglich sehr vertieft und gewissenhaft in seinem Handwerk. Er wirkte erst schüchtern und übervorsichtig – später etwas forscher. Ich deutete noch auf die Schere zum Ausdünnen in dem Sammelsurium aus unterschiedlichen Scherentypen die an seinem Handwerkergürtel hingen.

Bechallt wurde der Salon von einem chinesischen Radiosender. Es dudelten schmachtende chinesiche Schlager im Hintergrund. Das flippige Ambiente wurde komplettierte durch eine doaistische Gottheit die auf dem Garderobenschrank hinter mir thronte. Ist die rotgesichtige Gottheit der chinesische Schutzpatron der Barbiere? Und es wirkte, als ob die kleine Statue mir bei der krönenden Aktion zuzwinkern würde:

Zum Abschluss rasierte der Stylist meinen Nacken, die Schläfen und den Ponyansatz – mit einem offenen Rasiermesser. Er deutete mit fragendem Blick kurz auf die stolz, silbern funkelnde Rasierklinge. Abenteuerlustig wie ich bin nickte ich zustimmend. Schon seit Jahren hatte ich keine vernünftige Rasur beim Friseur mehr bekommen, seit sich die türkischen Friseure bei mir nicht mehr den Einsatz der Klinge trauen. Umspielt von dünnen Rauchfahnen der Räucherstäbchen lächelte die daostische Barbiersgottheit zufrieden in ihrem Schrein – grade so als wäre das bärtige Männchen mit meinem ausrasierten Nacken und den flinken Händen des jungen Barbiers zufrieden.

Die flippigen Stylisten in ihrem Salon mögen zwar aussehen und wirken wie warme Brüder – einige sind es vermutlich auch – aber sie beherrschen ihr Handwerk. Ich bin begeistert von dem Resultat. Das Trinkgeld hat sich mein Friseur in jedem Fall verdient.

Raucher nebendran

Schlemmen in Shànghǎi Teil 3 – Auf Nummer sicher mit Fisch?

Sonntag 07-SEPT-2014

An meinem letzten Wochenende wollte ich hauptsächlich Meeresfrüchte und Fisch probieren.
In einem Restaurant bei mir um die Ecke bestellte ich gedämpften/gekochten Fisch und als Vorspeise Pí dàn mit Tofu.

Der Fischtopf war gut – allerdings merkte man den Einfluss der Küche Shànghǎis sofort: Der Pott war überzogen mit grau-gekochten Streifen von Schweinefleisch. Also eine shànghǎier Interpretation von gekochtem/gedämpftem Fisch.

Außerdem ist dem Koch womöglich die Hand ausgerutscht, als er den Tofu zum Fischtopf hinzufügte; kiloweise Tofu bei dem ich mich zwischenzeitlich fragte, ob er zum Essen oder als Verzierung gedacht war. Die Portion war ordentlich. Mein Proteinbedarf des Tages wurde fast allein durch den Fischtopf schon gedeckt – und vorweg hatte ich schon Tofu mit Pi dán …

Der Fisch schmeckte sehr gut; hatte leider viele Knochen und Gräten die mein Mittagessen in die Länge zogen.

Montag 08-SEPT-2014

Das Grape Restaurant wurde bekannt in 80er Jahren durch avangardistische Züge und ausgefallene Speisen. Gerichte sollen typische Küche Shànghǎis sein – aber mit eigenen Interpretationen. Das merkt man sofort bim Blick in die Speisekarte. Viele Gerichte mit Schweinefleisch, einige Meeresfrüchte und sonstige Köstlichkeiten des Meeres. Da die Krabbengerichte seltsam anmuteten (ganze Krabben in süßer Sauce) – und ich keine Lust auf Schwein hatte (Scheinebauchstreifen auf einem torförmigen Gestell serviert, wie Bettlaken auf einer Wäscheleine zum Trocknen). Durchaus interessantes Design auf dem Teller. Essen ist in China ein Fest für alle Sinne.

Ich bestellte schließlich den Mandarinfisch, weil dies scheinbar Delikatesse in Shanghai sein soll. Unter Mandarinfisch verstand ich bisher einen bunten Zierfisch. Das Foto auf der Speisekarte glich dem jedoch nicht. Es sah auch so aus, als sei der Fisch entgrätet. ein weiteres Argument zu probieren.
Was ich bekam glich zwar dem Foto auf der Speisekarte, spielt aber in der obersten Klasse an Überraschungen die ich beim Essen in Shanghai bekam: Ein Fisch im bunten Clownskostüm auf fettig-frittiertem Donutteig. Ein wahres Kunstwerk; garniert mit vereinzelten Erbsen, Möhren, Shrimps und Pinienkernen.
Ich dachte erst, dass der Fisch mit Tomatensauce serviert wurde. Leider nein. Es war eine Sauce die noch süßer war, als der lockige Frittierteig in den der Fisch gewickelt war. Ein süßer, leicht künstlicher Geschmack. Wahrscheinlich wurde die Sauce angedickt mit ordentlich Glutamat … und womöglich sollte es Mandarinengeschmack sein, was den Namen Mandarinenfisch erklären würde.
Immerhin, abgesehen von Kopf und Flossen war der Fisch grätenfrei.

Neben dem Zuckerschock – der leider nicht sehr sättigend war – bestellte ich doch eine “Schweinerei”, die allerdings nicht typisch für Shànghǎi sein soll … seht selbst in den Fotos.

 

abends startete ich einen zweiten Anlauf noch fett- und zuckerfreie Fischgerichte zu bekommen.

Habe über Krabbe und Muschel nachgedacht – wieder veworfen und Fischvariante gewählt – ein Fehler?

Nochmal Pi dan, diesmal als Salat. Der Salat stellte sich einfach nur als kleingeschnittenes Ei in fettiger Sojasauce heraus. Dazu ein paar kleingehackte, getrocknete Chili, Frühlingszwiebelringe und Sesamkerne als Deko.

Der Fisch wurde wieder komplett serviert. Schmeckte gut, allerdings wurde der Fisch vor der Zubereitung nur von den Innereien befreit. Sehr fies waren an diesem Fisch die Knochen und Gräten in verschiedenen Dicken und Formen. Vor allem die gegabelten haarfeine Gräten bereiteten eine Geduldsarbeit -> aber man merkt meine Fortschritte beim Fisch zerlegen mit Essstäbchen deutlich 😉

Wasserstadt Qibao – 七宝镇

Sonntagmorgen 07-SEPT-2014

An meinem letzten Wochenende in Shanghai gehe ich noch die offenen Punkte auf meiner ToDo-Liste durch:

Ganz früh aus dem Hotel statt Frühsport. Die Fahrt nach Qibao mit der Metro würde ca. eine Stunde dauern. Ich wollte Qibao ohne die Touristenmassen erleben, um ein paar schöne Fotos von jener Wasserstadt in der Morgensonne zu schießen.

Da die ausgeschriebenen Attraktionen von Qibao nach dem Besuch von schönen Zujiajiao  nicht mithalten können, wollte ich nur die Wasserstadt angucken, denn die Fotos im Reiseführer sahen sehr hübsch aus – besonders ohne Besucheransturm  / Menschenmassen. Da ohnehin langes Familienwochenende aufgrund des Mondfestes anstand, hielt ich die frühe Anreise für besser, als bei Toröffnung der Museen/Attraktionen Qibaos nur Getümmel vor die Kameralinse zu kriegen.

Der Weg ist das Ziel, denn mit der Metro ist man mind. 45 Minuten von meinem Standort aus unterwegs. Insgesamt war die Fahrtzeit mit der Metro wohl länger als mein eigentlicher Aufenthalt in der Wasserstadt.

Zumindest habe ich Qibao ohne Touristen gesehen. Zu den Zeiten wo die Händler und Fressbuden erst öffnen. Allein die Anzahl der Gassen mit Ständen lässt vermuten, wie viel Kommerz hier bereits getrieben wird.

Mit Tradition und ursprünglicher Belassenheit des alten Stadtteils hat es nichts mehr zu tun. Klar, die Traditionsbauten stehen noch und werden weiterhin weiß-gekalkt um sie hübsch traditionell zu halten. Auch die Gondeln/Boote gibt es noch. Mein Eindruck ist allerdings, das die nur für Touristen fahren.

 

 

 

Snake Hot Pot

Samstagabend/-nacht 06-SEPT-2014

Schlangenfleisch findet man selten bis gar nicht in europäischer Küche. In China, allen voran in Hong Kong und Kanton, steht Schlange durchaus auf der Speisekarte. Nach einem zusätzlichen Training am Samstagabend kam ich auf die fixe Idee, Schlangenfleisch zum Abendessen zu probieren: Niedrig in Fett, reich an Protein für optimale Muskelregeneration nach dem Training. Auf diese Idee brachte mich auch der Artikel über ein Restaurant das sich auf “Snake Hot Pot” spezialisiert hat.

Ein Anruf bei dem Restaurant verlief leider frustrierend, denn ich spreche nach wie vor kein chinesisch und mein Gesprächspartner verstand kein Wort english.

An der Hotelrezeption bat ich, jenes Restaurant anzurufen um nachzufragen, ob ich reservieren muss, oder einfach vorbeikommen kann. Nachdem der Concierge George dort anrief, sagte er es sei derzeit geschlossen wegen Renovierungsarbeiten. Es mutete etwas seltsam an, denn nach kurzem Überlegen sagte George: “I have a crazy idea. Do you want an experiment?” Seine verrückte Idee war ein anderes Restaurant, das ebenfalls Schlangen Hot Pot anbietet, auszuprobieren. Er erinnerte sich nicht an die Adresse, war aber bereits dabei nach dem Lokal im Internet zu suchen. Jedoch sind es die rein chinesich-orientierten Lokale, die keine Internetwerbung brauchen. Er wollte ein Taxi bestellen, dass mich in die Nachbarschaft des Restaurants bringt. Zum genauen  Haus wollte er dann den Fahrer per Telefon lotsen. Das klang äußerst seltsam. Da George schon längst Dienstschluss hatte, bot ich ihm an, dass er mit mir dort Abendessen kann. Dann kommt er am besten gleich mit.

George noch, man könne in jenem Hot Pot Restaurant neben Reptilien auch sehr außergewöhnliche andere Gerichte probieren. Meine Neugier wuchs und ich fragte nach welche. Ihm fehlten die englischen Vokabeln. Er sagte, die Tiere hätten vier Beine – na toll dachte ich, viele essbare Tiere haben vier Beine. Ich also erst diverse Tiere nachgeahmt: Schildkröte, Affe, Esel, …  Dann kam er drauf: Deere and rabbit (Hirsch/Reh und Kaninchen/Hase) …und ich sagte nur: Das ist für mich nicht außergewöhnlich. Sowas ist in Deutschland einfacher zu kriegen, als Reptilienfleisch – in China genau anders herum 😉

Wenig später fuhren wir mit der Metro in die Nachbarschaft des Qipu Marktes. Bei Nacht ist jenes Viertel total verändert. Nach kurzem Fußmarsch erreichten wir das Restaurant, was man nicht als solches erkannt hätte, weil der Eingang unscheinbar war und man erst über eine Treppe in das Lokal im oberen Stockwerk kam.

Diese Orte sind für Eingeweihte …

Der Geruch beim Betreten was ganz anders als in sonstigen Hot Pot Restaurants. Wie mir im Nachhinein einfällt, war es  warscheinlich die Mischung aus Gasgeruch der Hot Pot Kocher und frittiertem/brennendem Fleisch – purem Fleisch, denn Schlangen sind weder sehnig noch fett. Ein Geruch von Frittierfett und angesengter Schlangenhaut vielleicht? Leicht süßlich, scharf-salzig im Abgang 😉

 

George wollte nach seiner Aussage mich nur dahinlotsen. Dann saßen wir aber doch gemeinsam am Tisch. Natürlich war er sehr willkommen an meinem Tisch, denn die Speisekarte war nur auf chinesisch. Wir haben bestellt: Knusprig frittierte Schlangenstücke, Schlangenschwänze, diverse andere Stücke, teilweise nur Filet. Schildkröte war aus – wie immer. Diverse andere Optionen waren auch aus. Meine Vermutung ist, dass sich hinter den nicht verfügbaren und teureren Optionen die giftigen Schlangen verbergen. Um welche Schlangenarten die bei uns im Kochtopf endeten tatsächlich handelte, weiß ich nicht und nachforschen wird schwer, denn die Speisekarte war komplett auf chinesich. Ich hatte noch keine Gelegenheit gehabt genauer nachzuforschen.

Zum Hot Pot gab es wie gewohnt Kräuter, Dips und eine Mischung aus Erdnuss- und scharfer Sauce (scharf für die shanghaier Zunge – für meine Verhältnisse nur leicht pikant). Allein die Hot Pot Brühe war schon sehr lecker: Pilze in unterschiedlichen Größen, Loorbeer, Goji-Beere/Bocksdorn und die leckere chinesische Dattel die leicht süßlich schmeckt (JuJuBe). Aber die Brühe wird normalerweise nicht mitgegessen. Wenig später wurden in unserem Hot Pot diverse Schlangenstücke mit bunten Mustern gekippt. Mindestens 3 verschiedene. Laut George werden jene ungifte Schlangen nur für den Kochtopf gezüchtet.

Mir schmeckt Schlangenfleisch sehr gut. Viele Personen die es einmal probiert haben, behaupten es schmecke wie Hühnchen. Womöglich sagen das viele Leute, weil sie selbst keinen Geschmack herausschmecken können. Jenes magere Fleisch hat einen milden, dezenten Eigengeschmack. Die langen weißen Muskelfasern jener Schlangen in unserem Topf hatten einen relativ neutralen Geschmack; durch die Hot Pot Brühe leicht salzig. Die größeren Filetstücke die wir bestellten, schmeckten sogar besser als Hühnchen. Mit den antibiotika-verunreinigten Geflügelbrüsten aus deutschen Discountern kann man Schlange erst recht nicht vergleichen. Es schmeckt eher wie eine Mischung zwischen weißem Fisch und sehr, sehr zartem Putenfilet. Es kann mit dem zarten Krebsfleisch aus der Shouning Lu mithalten 🙂 Keine Sehnen oder Fett. Pure Muskelfasern – die allerdings auch zwischen den Zählen hängenbleiben, wenn man sie von den Knochen abnagt. Es ist leider nicht viel Fleisch dran an einem Stück Schlange – wie so oft bei chinesischem Delikatessen. Ein Stück besteht hauptsächlich aus den Wirbel- und Rippenknochen. Und das leckere, muskeldurchzogene Fleisch geht leider eine innige Bindung mit jenen Knochen ein. Also mal wieder das Fleisch vom Skelett abnagen und nebenbei Lektionen in Anatomie durchlaufen.

Jedoch ließ sich das Fleisch umso besser abkauen, umso länger die Stücke im Topf köchelten. Wir hatten auch reine Filetstücke bestellt, an denen die Wirbelknochen mit den gräteartigen Rippen bereits entfernt wurden. Ein Genuss!

Lebende Schlange haben wir keine gesehen …

Snake Hot Pot - I ❤ SH

Snake Hot Pot – I ❤ SH